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Assen: Vom MotoGP-Kurs zur F1-Alternative? Wie sich die niederlĂ€ndische Rennstrecke fĂŒr die Grand-Prix-Zukunft rĂŒstet

Assen: Vom MotoGP-Kurs zur F1-Alternative? Wie sich die niederlĂ€ndische Rennstrecke fĂŒr die Grand-Prix-Zukunft rĂŒstet

von Simone Scanu

4 Min. Lesezeit

Der Formel-1-Kalender befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Nach sechs Jahren als Austragungsort des Großen Preises der Niederlande wird sich der Circuit Zandvoort im Jahr 2026 aus dem Sport verabschieden, wobei das letzte Rennen zusĂ€tzlich als Sprint-Event ausgetragen wird. Diese Entscheidung markiert das Ende einer Partnerschaft, die – insbesondere angesichts der leidenschaftlichen UnterstĂŒtzung der Fans und der anhaltenden Dominanz von Max Verstappen auf seiner Heimstrecke – nachhaltig schien. Die finanziellen RealitĂ€ten haben jedoch zu einer schwierigen Neubewertung gezwungen, und der Algarve International Circuit in Portugal wird ab 2027 den traditionellen Sommer-Slot ĂŒbernehmen.

Der Abschied hat die niederlĂ€ndischen Motorsport-Akteure unter Zugzwang gesetzt. WĂ€hrend der TT Circuit Assen Spekulationen ĂŒber ein mögliches Rettungsangebot zunĂ€chst zurĂŒckwies, hat die Rennstrecke inzwischen einen deutlich anderen Kurs eingeschlagen – einen, der auf sorgfĂ€ltiger Vorbereitung statt auf ĂŒberstĂŒrztem Engagement basiert.

Assens strategische Positionierung: Mehr als nur Spekulation

Im Gegensatz zu den sofortigen Dementis, die frĂŒhere Diskussionen prĂ€gten, untersucht der TT Circuit Assen seit September systematisch die Anforderungen fĂŒr eine FIA-Grad-1-Lizenz. Dies ist keine bloße Spekulation; es handelt sich um eine konkrete Infrastrukturplanung, die darauf abzielt, die Rennstrecke als tragfĂ€hige Alternative zu positionieren, sollte die Formel 1 in die Niederlande zurĂŒckkehren.

Streckendirektor Mark van Aalderen formulierte die Vision mit besonnenem Pragmatismus: „Wir wollen bereit sein, wenn eine konkrete Anfrage fĂŒr die Ausrichtung eines Grand Prix in Assen eingeht.“ Entscheidend war sein Hinweis, dass Assen aus einer Position der strukturellen UnterstĂŒtzung agieren wĂŒrde, statt eine werbliche Last zu tragen. „Sollte es dazu kommen, wĂŒrden wir nur als Facilitator auftreten, nicht als Organisator oder Geldgeber.“

Diese Unterscheidung ist wesentlich. Im Gegensatz zu den finanziellen Schwierigkeiten in Zandvoort – die Berichten zufolge auf unzureichende staatliche UnterstĂŒtzung und eskalierende Austragungskosten zurĂŒckzufĂŒhren waren – vermeidet Assen strategisch die Rolle des Hauptveranstalters und positioniert sich stattdessen als Infrastrukturdienstleister.

Technische Anforderungen: Ein machbarer Weg nach vorn

Die grĂ¶ĂŸte HĂŒrde bleibt die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und die betriebliche Zertifizierung. Van Aalderen deutete an, dass die notwendigen Modifikationen wahrscheinlich begrenzten Umfang hĂ€tten und sich vor allem auf die Sicherheitsinfrastruktur statt auf Änderungen am Streckenlayout konzentrieren wĂŒrden. „Im Moment sieht es so aus, als ob es hauptsĂ€chlich um Änderungen im Zusammenhang mit der Sicherheit gehen wird“, stellte er fest und fĂŒgte hinzu, dass „das Streckenlayout selbst voraussichtlich nicht geĂ€ndert werden muss.“

Dies stellt einen erheblichen Vorteil gegenĂŒber potenziellen alternativen Austragungsorten dar. Die bestehende Infrastruktur in Assen – einschließlich TribĂŒnen fĂŒr ĂŒber 50.000 Zuschauer – bietet bereits ein solides Fundament. Die Geschichte der Strecke als MotoGP-Austragungsort stellt sicher, dass die Basissysteme internationalen Motorsportstandards entsprechen, was den Umfang einer GeneralĂŒberholung reduziert, die bei weniger entwickelten Anlagen erforderlich wĂ€re.

Historischer Kontext: Lehren aus dem Jahr 2018

Assens aktuelle Positionierung ist nicht ohne PrĂ€zedenzfall. Die Strecke strebte bereits 2018 den FIA-Grad-1-Status an, als sie einer formellen FIA-Inspektion unterzogen wurde. Letztendlich fiel die Entscheidung jedoch zugunsten des Circuit Zandvoort aus, der sich den Platz fĂŒr den Großen Preis der Niederlande ab 2021 sicherte. Dieser historische Kontext verleiht der aktuellen Situation Tiefe – Assen verfolgt kein völlig neues Ziel, sondern kehrt mit einer verfeinerten Strategie und unter anderen Marktbedingungen zu einem bereits frĂŒher gesteckten Ziel zurĂŒck.

Die dazwischen liegenden Jahre waren lehrreich. Die finanziellen Schwierigkeiten von Zandvoort unterstreichen die Herausforderungen bei der Ausrichtung moderner Formel-1-Events, insbesondere in MÀrkten, in denen staatliche Mittel unzureichend sind und Ticket-Einnahmen allein die Betriebskosten nicht decken können.

Das Konzept der Ersatzrennstrecke: Eine pragmatische Alternative

Abseits der Aussicht auf einen permanenten Grand-Prix-Slot hat der ehemalige Zandvoort-Vorsitzende Jim Vermeulen eine alternative Positionierung vorgeschlagen: Assen sollte sich als Ersatzstandort bei der Formel 1 registrieren. Dieser Vorschlag ist von praktischem Nutzen, insbesondere angesichts der zunehmenden KomplexitÀt der Formel-1-Terminplanung und wetterbedingter UnwÀgbarkeiten.

„Sie mĂŒssen alle wissen lassen, dass sie im Bedarfsfall innerhalb von vier bis sechs Wochen einen Grand Prix organisieren können“, schlug Vermeulen vor. Eine solche FĂ€higkeit zur schnellen Einsatzbereitschaft wĂŒrde der Formel 1 eine geografische und logistische Absicherung bieten, insbesondere im europĂ€ischen Kontext, wo unvorhergesehene UmstĂ€nde einen Wechsel des Austragungsortes erforderlich machen könnten.

Fazit: Vorbereitung trifft auf Gelegenheit

Assens besonnene Herangehensweise zeugt von echter strategischer Raffinesse. Anstatt spekulative Angebote abzugeben oder Chancen von vornherein auszuschließen, bereitet die Rennstrecke methodisch Infrastruktur und Zertifizierungen vor. Gleichzeitig vermeidet sie explizit die werblichen und finanziellen Lasten, die die Nachhaltigkeit in Zandvoort untergraben haben. Ob diese Positionierung zu einem permanenten Grand-Prix-Platz, einer Ernennung zum Ersatzstandort oder zu beidem fĂŒhrt, bleibt ungewiss – aber Assen hat deutlich signalisiert, dass man fĂŒr alle Möglichkeiten bereit ist, die die Ära nach Zandvoort bietet.

Simone Scanu

Simone Scanu

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist MitbegrĂŒnder von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugĂ€nglich, anschaulich und leicht verstĂ€ndlich macht.

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