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Christian Horners Alpine-Gambit: Navigieren durch F1s komplexestes Eigentumsdrama

Christian Horners Alpine-Gambit: Navigieren durch F1s komplexestes Eigentumsdrama

von Simone Scanu

5 Min. Lesezeit

Christian Horner hat laut Alpine-Executive-Adviser Flavio Briatore aktive Verhandlungen aufgenommen, um den 24%-Anteil von Otro Capital an Alpine Formula 1 zu kaufen – ein Schritt, der dem früheren Red-Bull-Chef nach seinem überraschenden Abgang im vergangenen Juli den bislang glaubwürdigsten Weg zurück ins Fahrerlager eröffnen könnte. Bei der Vorstellung von Alpines 2026er-Lackierung in Barcelona bestätigte Briatore, dass der 52-jährige britische Motorsport-Manager zu mehreren Interessenten gehört, die um die prominente Minderheitsbeteiligung buhlen, die derzeit vom Investmentkonsortium gehalten wird.

Die Bestätigung folgt auf Monate der Spekulationen über Horners Zukunft in der Formel 1. Seit seiner abrupten Abberufung als Teamchef und CEO von Red Bull – nach 20 Jahren an der Spitze des Teams aus Milton Keynes – wurde der frühere Williams- und Benetton-Ingenieur mit verschiedenen Optionen im Fahrerlager in Verbindung gebracht. Vorgespräche mit Aston Martin und Haas sollen ins Stocken geraten sein, doch Alpine gilt inzwischen als die ernsthafteste Möglichkeit für seine Rückkehr in eine bedeutende operative Rolle – inklusive Eigentümerfunktion – innerhalb der F1.

Die komplexe Eigentümerstruktur verstehen

Alpines Eigentümerarchitektur ist faszinierend – und kompliziert. Das Team befindet sich weiterhin mehrheitlich im Besitz des französischen Automobilkonzerns Renault, der 75% der Organisation hält und weitreichende Governance-Rechte besitzt, darunter ein Vetorecht gegenüber potenziellen neuen Anteilseignern. Die verbleibenden 24% gehören Otro Capital, einer privaten Investmentgesellschaft, die sich die Beteiligung 2023 für rund 200 Millionen Euro gesichert hat.

Das Investorenkonsortium von Otro Capital liest sich wie ein Who’s who aus Prominenz und Spitzensport: Die Schauspieler Ryan Reynolds und Michael B. Jordan, die Kansas-City-Chiefs-Stars Patrick Mahomes und Travis Kelce sowie Golfprofi Rory McIlroy zählen zu den bekanntesten Namen. Diese prominente Rückendeckung hat Alpines Betrieb stark in den medialen Fokus gerückt – doch die jüngsten Leistungen auf der Strecke konnten der Größenordnung des Investments nicht gerecht werden.

Warum Horners Forderung nach Eigenkapital entscheidend ist

Um diese Verhandlungen zu verstehen, ist Horners Beharren auf einer Beteiligung – statt einer klassischen Managementrolle – zentral. Die Präferenz des Briten für Anteile spiegelt Modelle wider, die andere Top-Figuren der F1 genießen, allen voran Mercedes-Boss Toto Wolff, der selbst Anteile an den Silver Arrows hält. Diese strategische Positionierung verschafft Horner ein direktes finanzielles Interesse am Teamerfolg und schützt zugleich seine operative Autonomie.

Horn ers Beteiligungsforderung soll frühere Gespräche mit Aston Martin und Haas ausgebremst haben, weil die Teams nicht bereit gewesen seien, neben einer Führungsposition auch Anteile anzubieten. Alpines fragmentierte Struktur eröffnet dagegen eine seltene Chance: Otro Capital scheint verkaufsbereit, wodurch ein Weg zur Beteiligungsübernahme entsteht – statt Horner in eine nachgeordnete Managementrolle zu drängen.

Der Genehmigungsparcours: ein mehrstufiger Prozess

Der Weg zu Horners möglicher Rückkehr zu Alpine führt durch einen Genehmigungsdschungel, den man nicht unterschätzen darf. Briatore betonte die Abfolge der notwendigen Schritte mit typisch italienischer Direktheit: „Zuerst musst du Otro kaufen, und danach muss Renault den Käufer akzeptieren, und dann sehen wir, was passiert.“

Dieser zweistufige Kontrollmechanismus stellt sicher, dass keine Seite umgangen werden kann. Horner muss zunächst erfolgreich mit Otro Capital über den Erwerb des 24%-Pakets verhandeln – ein Prozess, der dadurch erschwert wird, dass Berichten zufolge mehrere Bieter um die Beteiligung kreisen. Anschließend verleiht Renaults Mehrheitsbeteiligung dem Hersteller die Entscheidungsgewalt über neue Anteilseigner und damit strategische Kontrolle über Alpines Ausrichtung.

Briatore achtete darauf, sich von direkten Verhandlungen zu distanzieren, und stellte klar: „Er verhandelt mit Otro, er verhandelt nicht mit uns.“ Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie nahelegt, dass Alpines interne Hierarchie – in der Briatore faktisch als Teamchef agiert, obwohl Steve Nielsen offiziell den Titel des Managing Director trägt – von den Eigentümergesprächen getrennt bleibt.

Der größere Kontext: mehrere Interessenten im Rennen

Briatore erklärte, dass Otro Capital auf Interesse von etwa sechs bis sieben potenziellen Käufern stößt, wobei regelmäßig neue Anfragen hinzukommen. Dieses Wettbewerbsumfeld hat die Bewertung seit 2023 steigen lassen – selbst wenn Alpines sportliche Perspektive in den vergangenen Saisons spürbar nachgelassen hat. Die hohe Nachfrage spiegelt den strategischen Wert wider, den Investoren in einer Präsenz in der Formel 1 sehen, insbesondere angesichts der sich wandelnden kommerziellen Landschaft und der technologischen Innovationen am Horizont.

Für Horner könnte der Konkurrenzdruck die Zeitpläne und Verhandlungen verschärfen – vor allem, wenn Rivalen mit stärkerer Finanzkraft oder attraktiveren Governance-Vorschlägen auftreten.

Eine vorsichtige Rückendeckung von Briatore

Auf die Frage, ob Horner eine wertvolle Verstärkung für Alpine wäre, antwortete Briatore diplomatisch: „Ich denke, jeder ist ein guter Gewinn für das Team – je nachdem, auf welche Position du die Leute setzt.“ Die bewusst abgewogene Aussage deutet darauf hin, dass Briatore Horners Einstieg grundsätzlich offen gegenübersteht – sofern Struktur und Eigentümerarrangements alle Stakeholder zufriedenstellen.

Briatores langjährige persönliche Freundschaft mit Horner könnte dabei helfen, die komplexen Genehmigungsprozesse zu navigieren. Gleichzeitig macht der Italiener mit seinem Fokus auf korrekte Verfahrenswege deutlich, dass Sympathie allein Governance-Anforderungen nicht aushebeln kann.

Die größeren Folgen für Alpine und die F1

Ein erfolgreicher Einstieg Horners würde Alpines operative Landschaft grundlegend verändern. Die Einbindung eines Managers mit Horners Red-Bull-Stallgeruch – und seiner nachgewiesenen Fähigkeit, titelgewinnende Organisationen aufzubauen – könnte eine strategische Neuausrichtung des französischen Teams signalisieren. Umgekehrt schafft die anhaltende Unsicherheit rund um Eigentum und Führung potenzielle Instabilität mit Blick auf die Saison 2026 und darüber hinaus.

Für die Formel 1 insgesamt würde Horners Rückkehr über Alpine zusätzliche Persönlichkeit und Expertise ins Feld bringen – und zugleich neue organisatorische Dynamiken schaffen, die es zu beobachten gilt, während sich der Sport unter neuen technischen und kommerziellen Regeln weiterentwickelt.

Simone Scanu

Simone Scanu

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.

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