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Formel-1-Präsident und CEO Stefano Domenicali hat eine ambitionierte Vision für die Zukunft des Sports in den USA formuliert und erklärt, dass die bevorstehende Partnerschaft mit Apple TV weit mehr sei als ein bloßer Wechsel des Übertragungspartners. Bei einem Pressetag in Los Angeles, gemeinsam mit Apples Senior Vice President of Services Eddy Cue, machte Domenicali deutlich, wie entschlossen die Formel 1 ist, die Weltmeisterschaft fest im kulturellen Gefüge der Vereinigten Staaten zu verankern. Diese Aussage unterstreicht einen tiefgreifenden Wandel darin, wie die Formel 1 ab 2026 das amerikanische Publikum erreichen wird: Apple wird exklusiver US-Übertragungspartner des Sports – und beendet damit die jahrzehntelange Ära von ESPN.
Der exklusive Fünfjahresvertrag markiert einen Wendepunkt in der kommerziellen US-Strategie der Formel 1. Apple TV wird Abonnentinnen und Abonnenten eine umfassende Berichterstattung bieten – inklusive aller Trainings, Qualifyings, Sprint-Rennen und Grands Prix. Ausgewählte Rennen und Trainings werden zudem innerhalb der Apple-TV-App kostenlos verfügbar sein. Entscheidend: F1 TV Premium wird in den USA nicht länger als eigenständige App existieren, sondern in das Apple-TV-Ökosystem integriert. Das soll den Zugang vereinfachen, während Premium-Funktionen wie personalisiertes Multiview und 4K Ultra HD erhalten bleiben.

Domenicali stellte den Wechsel als Chance dar, die aus strategischer Überzeugung entsteht – nicht aus bloßer kommerzieller Zweckmäßigkeit. „Das ist eine wunderbare Gelegenheit, die wir mit Leidenschaft und Entschlossenheit angehen werden, weil wir widerstandsfähig sind“, sagte er und betonte die kooperative Haltung der Formel 1 für die kommenden Schritte.
Im Zentrum von Domenicalis Vision steht ein kühnes Ziel: die Formel 1 in den USA neben dem Super Bowl der NFL, der NBA und der MLS als festen Bestandteil des Sportbewusstseins zu etablieren. „Unser Traum wäre, dass man eines Tages nicht nur aufwacht, um den Super Bowl oder die NBA oder die MLS zu verfolgen, sondern auch die F1“, formulierte Domenicali – und rahmte diesen Anspruch zugleich als Chance und als Verpflichtung gegenüber den Fans.
Das ist nicht nur wohlklingende Rhetorik, sondern baut auf spürbarem Rückenwind auf. Apples Erwerb der Übertragungsrechte entspricht einer Investition von durchschnittlich 150 Millionen US-Dollar pro Jahr – ein klares Signal für das Vertrauen des Konzerns in die Wachstumskurve der Formel 1 im US-Markt. Zudem geht Apples Engagement über klassische Übertragung hinaus: Der Tech-Riese hat zugesagt, sein Technologie-Ökosystem zu nutzen und etwa Innovationen wie eine Integration von Apple Vision Pro zu prüfen, um immersive Fan-Erlebnisse zu schaffen.

Die Apple-Partnerschaft profitiert zusätzlich enorm vom astronomischen Erfolg von F1 The Movie, einer Produktion von Apple Original Films, die seit dem Kinostart im Juni 2025 weltweit bereits mehr als 630 Millionen US-Dollar eingespielt hat. Mit Brad Pitt, Damson Idris und Javier Bardem in den Hauptrollen und unter der Regie von Joseph Kosinski begeisterte der Film ein Mainstream-Publikum – und band zugleich authentische F1-Persönlichkeiten ein, darunter den siebenfachen Weltmeister Lewis Hamilton, der als Executive Producer fungierte.
Dieser Kino-Durchbruch hat die Wahrnehmung der Formel 1 in den USA bereits verschoben. Indem der Film Drama, technische Raffinesse und die Charaktere des Sports einem Publikum jenseits klassischer Motorsport-Fans näherbrachte, schuf er genau jene kulturelle Aufmerksamkeit, die Domenicali über Apples Distributionskanäle weiter verstärken will. Der jüngste GRAMMY-Gewinn des Films für den Track von Chris Stapleton zeigt, wie stark er in das breitere Entertainment-Bewusstsein vorgedrungen ist.
Entscheidend ist: Apples Rolle geht weit über Videostreaming hinaus. Die Partnerschaft soll sich über Apple News, Apple Maps, Apple Music und Apple Sports erstrecken. Letzteres bietet Echtzeit-Tabellen, Live-Standings und eine Lock-Screen-Integration für Qualifying- und Renn-Updates. Dieser ganzheitliche Ansatz spiegelt Apples Überzeugung wider, dass große Sportpartnerschaften ein Engagement des gesamten Unternehmens erfordern – statt isolierter Streaming-Angebote.

Jim DeLorenzo, der Apples globale Sport-Sparte verantwortet, unterstrich diese Strategie beim Autosport Business Exchange in London und erklärte, das Unternehmen mobilisiere „das gesamte Unternehmen, um zu erkunden, wie wir gemeinsam mit der F1 wachsen können“. Dieses umfassende Engagement deutet darauf hin, dass 2026 innovative Übertragungselemente und neue Storytelling-Methoden bringen wird, die bislang noch nicht öffentlich gemacht wurden.
Der Zeitpunkt der Partnerschaft fällt mit einem regulatorischen Umbruch in der Formel 1 zusammen. Die Saison 2026 bringt neue technische Regeln, neue Power-Unit-Konfigurationen und möglicherweise neue Team-Einstiege – Umstände, die Eddy Cue als Beginn „einer transformierenden neuen Ära für die Formel 1“ bezeichnete. In diesem Kontext sind Apples Distributions-Infrastruktur und kreative Fähigkeiten prädestiniert dafür, die Aufmerksamkeit in den USA genau dann zu bündeln, wenn die Weltmeisterschaft in eine Phase grundlegender Veränderungen eintritt.
Domenicalis Vision ist letztlich eine kalkulierte Wette: dass Streaming-Zugänglichkeit, gepaart mit Mainstream-Kulturmomentum und innovativen Coverage-Ansätzen, das amerikanische Sportkonsumverhalten nachhaltig verändern kann. Ob die Formel 1 tatsächlich auf Augenhöhe mit etablierten US-Sportarten kommt, bleibt offen – doch die Konvergenz der Faktoren (Apples technologische Stärke, der Erfolg des Films und die Spannung rund um die neuen Regeln) spricht dafür, dass 2026 für die US-Entwicklung der Königsklasse tatsächlich richtungsweisend wird.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.