MenĂŒ
Folgen Sie uns
Die Verwandlung von Franco Colapinto: Der Übergang vom Rookie zum Profi laut Briatore

Die Verwandlung von Franco Colapinto: Der Übergang vom Rookie zum Profi laut Briatore

von Simone Scanu

4 Min. Lesezeit

Franco Colapinto hat seit seinem DebĂŒt in der Formel 1 eine bemerkenswerte Wandlung durchlaufen. Die Entwicklung des jungen Argentiniers vom enthusiastischen Neuling zum kalkulierenden Profi zĂ€hlt zu den spannendsten Geschichten im Vorfeld der Saison 2026 – zumal Alpine die neue Reglement-Ära nutzen will und mit neuem Vertrauen in sein Fahrerduo antritt.

Colapintos Weg in die Formel 1 war alles andere als geradlinig. Sein RenndebĂŒt gab er mitten in der Saison 2024 bei Williams, als er Logan Sargeant ersetzte – und ĂŒberzeugte sofort: Q3-Einzug und Punkte bereits in seinem zweiten Rennen beim Großen Preis von Aserbaidschan. Doch 2025 wurde deutlich schwieriger. Nach seinem Wechsel zu Alpine als Ersatzfahrer wurde er ab dem Grand Prix der Emilia-Romagna zum Nachfolger von Jack Doohan befördert – eine Saison, die am Ende ohne einen einzigen Punkt fĂŒr ihn endete.

Der Reifeprozess

Trotz der harten Saison 2025 erkannte Alpines Executive Advisor Flavio Briatore, dass sich bei seinem jungen Fahrer etwas Grundlegendes verĂ€nderte. „Dieses Jahr siehst du Francos Gesicht, und er ist viel reifer“, erklĂ€rte Briatore rĂŒckblickend auf Colapintos Entwicklung. „Er ist nicht mehr wie das Kind, das wir letztes Jahr hatten.“ Das war mehr als nur eine nostalgische Beobachtung – es war die klare Erkenntnis, dass Colapinto begonnen hatte, die enormen mentalen und emotionalen Anforderungen des Motorsports auf höchstem Niveau zu begreifen.

Der Italiener rĂ€umte zudem ein, dass Alpine eine Mitschuld an der schwierigen Saison trage: „Letztes Jahr war Francos erstes Jahr in der Formel 1. Es gab viele Erwartungen, dies und das. Das wurde nicht richtig gemanagt.“ Dieses offene EingestĂ€ndnis machte deutlich, wie sehr Ă€ußere Faktoren – darunter die frĂŒhe strategische Ausrichtung des Teams auf 2026 – die Eingewöhnungsphase des jungen Fahrers zusĂ€tzlich erschwert hatten.

SchwÀchen erkennen und gezielt angehen

WĂ€hrend Colapinto 2025 im Renntrimm ein Tempo zeigte, das mit dem seines erfahrenen Teamkollegen Pierre Gasly vergleichbar war, trat eine entscheidende Schwachstelle im Qualifying zutage. Im direkten Qualifying-Duell lag der Argentinier mit 5:17 hinter Gasly – ein deutlicher RĂŒckstand und sein wichtigstes Entwicklungsfeld.

Briatore fĂŒhrte dieses Qualifying-Defizit nicht auf fehlende Grundschnelligkeit zurĂŒck, sondern auf einen mentalen Ansatz, der neu justiert werden musste. „Francos Hauptproblem war das Qualifying, denn im Rennen war er schnell, wie Pierre“, erklĂ€rte Briatore. „Er musste das Auto einfach fahren und sich im Qualifying auf sein Talent verlassen – nicht emotional fahren.“

Alpine erkannte die Chance und investierte in der Wintervorbereitung erhebliche Ressourcen. „Wir haben diesen Winter viel Zeit mit ihm verbracht“, fuhr Briatore fort. „Wir haben alles gemacht, was möglich ist“ – intensive Simulatorarbeit bildete dabei einen zentralen Baustein des Entwicklungsprogramms.

Ein Neustart fĂŒr 2026

Die Reglement-Revolution 2026 ist fĂŒr Colapinto und Alpine ein besonderer Wendepunkt. Der Wechsel von Renault zu Mercedes-Antrieben sowie komplett neue technische Vorschriften schaffen das, was Briatore als „ein leeres Blatt Papier“ bezeichnete – und damit „eine große Chance fĂŒr uns, konkurrenzfĂ€higer zu sein“.

Colapinto selbst erkannte die Bedeutung dieses Moments. „Als Team gibt es keine Ausreden mehr“, betonte er. „Das Power Unit hat sich geĂ€ndert und die Regeln haben sich geĂ€ndert. Jetzt mĂŒssen wir die Arbeit reinstecken und Leistung abliefern.“ Genau darin zeigte sich die Reife, die Briatore hervorgehoben hatte: das Bekenntnis zu gemeinsamer Verantwortung – und die Absage daran, Ă€ußere UmstĂ€nde als mildernde Faktoren gelten zu lassen.

Nachdem Alpine 2025 in der Konstrukteurswertung Letzter wurde und nun die RĂŒckkehr in die KonkurrenzfĂ€higkeit anpeilt, geht Colapinto – vertraglich bis 2026 an der Seite von Pierre Gasly gebunden – als deutlich anderer Fahrer in die neue Saison als der staunende Rookie, der achtzehn Monate zuvor bei Williams ankam. Die entscheidende Frage lautet nun, ob sich seine gewachsene Reife in die Qualifying-Konstanz ĂŒbersetzen lĂ€sst, die nötig ist, um sein unbestreitbares Renn-Tempo voll auszuschöpfen.

Simone Scanu

Simone Scanu

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist MitbegrĂŒnder von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugĂ€nglich, anschaulich und leicht verstĂ€ndlich macht.

Die Verwandlung von Franco Colapinto: Der Übergang vom Rookie zum Profi laut Briatore | F1 Live Pulse