
Honda enthüllt RA626H-Motor für die F1-Saison 2026: Doch ein entscheidendes Designdetail bleibt geheim
von Simone Scanu
Honda kehrte am Dienstag mit einem Paukenschlag in die Formel 1 zurück und enthüllte bei einem glanzvollen Launch-Event im Zentrum von Tokio die RA626H-Power-Unit. Die Partnerschaft des japanischen Herstellers mit Aston Martin markiert eine tektonische Verschiebung in der Wettbewerbslandschaft des Sports für das Jahr 2026. Doch die Enthüllung des Motors kam mit einer interessanten Wendung: Honda hielt ein entscheidendes Designelement bewusst vor der Öffentlichkeit verborgen.
Während der Hersteller den Motor auf der Bühne prominent aus einem einzigen Winkel präsentierte und offizielles Bildmaterial aus derselben Perspektive veröffentlichte, postete Honda später zusätzliche Bilder in den sozialen Medien, auf denen ein wesentlicher Teil der unteren Baugruppe absichtlich verpixelt wurde. Dieser kalkulierte Schritt sagt viel über den Informationskrieg im Wettbewerb aus, der bereits vor Beginn des neuen Reglement-Zyklus an Fahrt aufnimmt.
Was wir über den RA626H wissen

Der RA626H ist die erste Power-Unit, die unter dem radikalen F1-Reglement für 2026 entwickelt wurde und einen drastischen Philosophiewechsel darstellt. Besonders hervorzuheben ist, dass der Motor vollständig auf die MGU-H verzichtet und diese durch eine deutlich aufgewertete MGU-K sowie eine erheblich gesteigerte elektrische Leistung ersetzt. Das Ergebnis ist eine etwa 50/50-Aufteilung zwischen Verbrennungsmotor und Hybridleistung – eine Transformation, die den Energiefluss in einem modernen Formel-1-Auto grundlegend verändert.
Diese elektrische Revolution ist optisch deutlich erkennbar: Die neue Power-Unit verfügt über ein markant größeres Batteriepaket und eine Steuerelektronik (untergebracht in der markanten orangefarbenen Box, die bei der Enthüllung zu sehen war) im Vergleich zu den aktuellen Hybridsystemen. Der erhöhte elektrische Anteil – etwa dreimal so hoch wie bei der aktuellen Motorengeneration – spiegelt das Engagement des Sports für Elektrifizierung und Dekarbonisierung wider, da alle Motoren ab 2026 mit fortschrittlichem, nachhaltigem Kraftstoff betrieben werden.
Die verborgenen Details, auf die es ankommt
Hier wird die strategische Geheimhaltung entscheidend. Der verpixelte Bereich in den sozialen Medien verbirgt wahrscheinlich die Positionierung der MGU-K, die Leitungsführung und die Kühlwege – die eigentlichen Differenzierungsmerkmale zwischen konkurrenzfähigen Power-Units. Diese Integrationsdetails bestimmen weit mehr als die sichtbare äußere Geometrie des Motors, ob eine Power-Unit einen marginalen Vorteil oder einen umfassenden Leistungsvorsprung bietet.
"Die Positionierung wichtiger Komponenten, die Leitungsführung und die Wahl der Kühlung sind größere Differenzierungsmerkmale als schlicht die äußere Form des Motors", so eine technische Analyse von Hondas Ansatz. Mit anderen Worten: Was man nicht sieht, ist wichtiger als das, was man sieht.
Diese bewusste Intransparenz spiegelt die hohe Brisanz von Hondas Rückkehr wider. Der Hersteller hat seit seinem Rückzug aus der F1 im Jahr 2021 wertvolle Entwicklungszeit verloren, bevor er sich wieder Aston Martin zuwandte – genau zu dem Zeitpunkt, als Adrian Newey zum Team aus Silverstone stieß. Das Wärmemanagement und die Positionierung der Komponenten unter Verschluss zu halten, ist zwar Standard – doch die gezielte Entscheidung, genau diese Bereiche zu verpixeln, signalisiert, dass Honda seine Kühlungs- und Integrationsstrategie als echten Wettbewerbsvorteil in einem noch ungetesteten regulatorischen Umfeld betrachtet.
Hondas neuer Akt in der F1
Das Event in Tokio lockte hochkarätige Gäste an: F1-CEO Stefano Domenicali, Honda-Präsident Toshihiro Mibe und der Exekutivvorsitzende von Aston Martin, Lawrence Stroll, waren vor Ort. Mibe betonte, dass Honda die Formel 1 in der neuen Ära als "Plattform für Herausforderung und Innovation" sieht. Die Partnerschaft ist als voll integrierte Werksbeziehung konzipiert, bei der Chassis und Power-Unit im Gleichschritt entwickelt werden.
Der Motor trägt zudem ein neu gestaltetes Honda-'H'-Logo, das laut Mibe für die "Transformation des Automobilgeschäfts von Honda" steht. Dieses Rebranding unterstreicht Hondas Engagement für diese Partnerschaft und das neue Reglement – ein krasser Gegensatz zur scheinbaren Ambivalenz des Herstellers während der Zeit bei McLaren (2015–2017).
Wie es weitergeht
Aston Martin wird ab dem 26. Januar private Testfahrten auf dem Circuit de Catalunya durchführen, bevor am 9. Februar die offizielle Fahrzeugenthüllung stattfindet. Der echte Test erfolgt bei den Vorsaison-Tests in Bahrain, wo Hondas Versprechen zum Wärmemanagement, die Integrationsphilosophie und die 50/50-Leistungsabgabe auf den Prüfstand gestellt werden.
Bis dahin bleibt der verpixelte Bereich ein spannendes Rätsel – eine Erinnerung daran, dass in der Formel 1 das, was die Teams verbergen, oft genauso viel verrät wie das, was sie zeigen.

Simone Scanu
Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.

