
McLaren präsentiert den MCL40 in schwarzer Lackierung – Titelverteidiger rüsten sich für die Titelverteidigung 2026
von Simone Scanu
McLaren hat den MCL40 offiziell enthüllt – das Auto, das die Titelambitionen des Teams aus Woking durch die radikal reformierte Formel-1-Saison 2026 tragen soll. In einer auffälligen schwarz-silbernen Testlackierung präsentiert, liefern die Renderings den ersten Blick auf eine Maschine, die für einen der umfassendsten Design-Umbrüche der jüngeren Motorsportgeschichte steht.
Die amtierenden Weltmeister – nachdem sie in der vergangenen Saison sowohl die Fahrer-WM durch Lando Norris als auch den Konstrukteurstitel gewonnen haben – stehen vor einer komplett neuen Wettbewerbslandschaft. McLarens Ansatz für 2026 vereint jedoch Anspruch und nüchterne Pragmatik: Teamchef Andrea Stella betont die Dimension der Aufgabe, die vor ihnen liegt.
Design-Revolution wie keine andere

Der MCL40 zeigt mehrere sofort erkennbare technische Abweichungen von seinen Vorgängern. Am auffälligsten ist die sichtbar nach unten gezogene Nase, ergänzt durch ansteigende Sidepods, die entlang der Flanken des Chassis nach unten auslaufen. Vielleicht noch bedeutender: McLaren ist zu einer Pushrod-Vorderradaufhängung zurückgekehrt – eine überraschende Entscheidung, die aerodynamische Effizienz über gängige Lehrmeinungen stellt. Stella erklärte, diese Wahl sei „ausschließlich davon getrieben gewesen, was den Luftstrom vom Frontflügel am besten unterstützt“ – ein Hinweis darauf, wie konsequent das Team jedes Bauteil neu gedacht hat.
Dieses umfassende Redesign spiegelt die tektonischen Regeländerungen wider, vor denen die Formel 1 steht. Erstmals seit über einem Jahrzehnt führt der Sport gleichzeitig ein neues Chassis, eine neue Power-Unit-Architektur und eine neue Reifenspezifikation ein. Stella unterstrich den beispiellosen Charakter der Herausforderung: „Hinter dem Design steckt so viel Arbeit … noch nie gab es eine so große und gleichzeitige Veränderung von Chassis, Power Unit und Reifen … wahrscheinlich das größte Designprojekt – oder generell die größte Aufgabe rund um ein neues Auto-Projekt –, an dem ich je beteiligt war.“
Das neue Power-Unit-Paradigma

Die Power Unit 2026 ist womöglich die größte Abkehr von der aktuellen Formel. Die MGU-H – Mercedes’ legendäres Energierückgewinnungssystem, das ihre Dominanz befeuerte – wurde vollständig gestrichen. An ihre Stelle tritt eine aufgewertete MGU-K, die etwa dreimal so viel Energie wie die aktuelle Generation zurückgewinnen und abgeben wird; die elektrische Leistung steigt von 120 kW auf 350 kW.
Dieser grundlegende Wandel führt zu einer ungefähr 50:50-Aufteilung zwischen Verbrennungsmotor und elektrischer Leistungsabgabe – ein revolutionäres Konzept für die Formel 1. Die E-Einheit wird nahezu 470 PS liefern, die ausschließlich aus beim Bremsen zurückgewonnener Energie stammen, und damit grundlegend verändern, wie Fahrer die Leistungsabgabe über eine Runde hinweg managen.
Strategischer Anspruch trifft operative Vorsicht

Der MCL40 steht für eine Designphilosophie, die Innovation und Pragmatismus ausbalanciert. Erste Simulationen hätten „sogar innerhalb des Teams selbst überrascht“; die Werte positionierten das 2026er Auto – basierend auf Analysen der Entwicklungsarbeit – als „möglichen Maßstab von Beginn des Zyklus an“.
Gleichzeitig zeigt McLarens Herangehensweise an die Vorsaisontests kalkulierte Zurückhaltung. Das Team wird am ersten Tag des nicht öffentlichen Shakedowns in Barcelona nicht fahren und stattdessen seinen entscheidenden ersten Rollout erst zum letztmöglichen Zeitpunkt absolvieren. Diese Strategie spiegelt Stellas Philosophie wider: „Unsere interne Erzählung ist: Alles, was wir erreichen, müssen wir uns verdienen – und wir müssen es uns auf der Strecke erarbeiten.“
McLarens vollständige Rennlackierung wird vor den Tests in Bahrain debütieren; die stärkere Präsenz von Mastercard auf dem Auto unterstreicht die kommerziellen Partnerschaften des Teams. Während die Titelverteidiger diesen beispiellosen Reglement-Reset navigieren, steht der MCL40 für das Bekenntnis zu Innovation – ohne die akribische Ingenieursarbeit zu opfern, die ihre Dominanz 2025 begründet hat.
Die Saison 2026 beginnt bei null – und McLaren will sich seinen Vorteil von Grund auf verdienen.

Simone Scanu
Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.

