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Die Architektur des Erfolgs eines Formel-1-Fahrers ruht auf Fundamenten, die für Gelegenheitszuschauer oft unsichtbar bleiben. Ein perfekt abgestimmtes Chassis zählt. Ein zuverlässiger Antrieb zählt. Doch vielleicht prägt nichts eine Saison so tiefgreifend wie die Beziehung zwischen Fahrer und Renningenieur – die eine Stimme, die ihn durch 24 zermürbende Rennwochenenden führt.
Für Lewis Hamilton bei Ferrari brach dieses Fundament bereits in seinem ersten Jahr weg.
Riccardo Adamis Amtszeit als Hamiltons Renningenieur dauerte nur eine Saison und endete im Januar, als Ferrari bestätigte, dass er in eine Rolle innerhalb der Scuderia Ferrari Driver Academy wechseln wird – als Driver Academy and Test Previous Cars Manager. Auf dem Papier wirkte es wie eine sinnvolle Kombination: Adami hatte Carlos Sainz betreut, Ferraris jüngsten Grand-Prix-Sieger, und Sebastian Vettel durch dessen Meisterschaftsjahre begleitet. Seine Referenzen waren makellos. Seine Kompatibilität mit Hamilton war es nicht.

Im Verlauf von 2025 verschlechterte sich die Beziehung zwischen Fahrer und Ingenieur sichtbar – begleitet von angespannten Funksprüchen und häufigen Missverständnissen. Hamilton verlangte während des Rennens oft zusätzliche Informationen oder bat Adami umgekehrt schlicht darum, im Teamfunk aufzuhören zu reden. Am Ende der Saison schaffte Hamilton über 24 Grand-Prix-Wochenenden nur einen einzigen Podestplatz – ein krasser Gegensatz zu den Erwartungen rund um seinen Wechsel zur Scuderia.
Der Sprint-Sieg beim Großen Preis von China 2025 war zwar willkommen, lieferte aber kaum Hinweise auf eine echte Wende. Der 41-Jährige steht nun vor der entscheidenden Aufgabe zu beweisen, dass dieses Ergebnis kein Ausreißer war – und dass er noch immer das Tempo und die Mentalität besitzt, um vor dem Karriereende einen achten WM-Titel zu holen.
Diese Realität legt eine zentrale Wahrheit offen: Erfahrung und frühere Erfolge garantieren keine Kompatibilität zwischen Fahrer und Renningenieur.
Während Ferrari sich darauf vorbereitet, Hamiltons neuen Renningenieur zu verkünden – Gerüchten zufolge Cedric Michel-Grosjean, der ehemalige Performance Engineer von McLaren – ist Skepsis aufgekommen. Michel-Grosjean war in der Formel 1 noch nie als Renningenieur tätig. Ihn ausgerechnet zum Ingenieur des erfolgreichsten aktiven Fahrers zu befördern – und das unter einem revolutionären neuen technischen Reglement – ist ein erhebliches Risiko.
Doch genau diese unkonventionelle Wahl könnte sich als das erweisen, was Hamilton braucht.

Michel-Grosjean kommt ohne die Last von Ferraris institutioneller Kultur. Er wurde in McLarens leistungsorientiertem Umfeld geprägt, in dem Oscar Piastri in der vergangenen Saison aufblühte. Er bringt keine eingefahrenen Muster mit, die von früheren Ferrari-Fahrern geformt wurden. Und er bietet Hamilton etwas Unbezahlbares: eine echte Partnerschaft, die auf gegenseitigem Lernen basiert – statt auf etablierten Hierarchien.
Der Kontrast zu Adami ist lehrreich. Trotz Adamis nachweislicher Erfolgsbilanz fanden er und Hamilton nie einen gemeinsamen Nenner. Ihre Kommunikation zerbrach. Ihr Rhythmus synchronisierte sich nie. Adamis Erfahrung – genau das Merkmal, das seine Verpflichtung logisch erscheinen ließ – könnte eine Starrheit erzeugt haben, die nicht zu Hamiltons Arbeitsweise passte.
Ein frischer Ingenieur, der nicht von Ferrari-Konventionen geprägt ist, könnte genau die saubere Ausgangslage liefern, die Hamilton braucht. McLarens methodischer Umgang mit Leistungsdaten und Fahrerpsychologie – belegt durch ihr Comeback an die Spitze – steht für eine andere Philosophie als Ferraris mitunter volatile interne Dynamik.
Der erste Vorsaisontest beginnt am 11.–13. Februar, eine zweite Session folgt am 18.–20. Februar. Der Große Preis von Australien, bei dem Hamilton seine neue Ingenieur-Partnerschaft erstmals im Rennen erleben wird, findet am 8. März statt. Die Zeit, in der Fahrer und Ingenieur Chemie aufbauen können, wird erschreckend knapp.

Dass Ferrari den Ingenieurswechsel erst im Januar bekannt geben will – Monate nachdem die Entscheidung gefallen ist –, hat Kritik ausgelöst, weil dadurch die Phase des Kennenlernens verkürzt wird. Dieser Zeitplan macht die Wahl von Hamiltons neuem Gegenüber am Funk umso entscheidender. Ein Ingenieur, der eine lange Eingewöhnung braucht, könnte die ohnehin komprimierte Vorbereitung zusätzlich gefährden.
Das Gegenargument, Michel-Grosjeans fehlende Erfahrung als Renningenieur sei ein untragbares Risiko, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Hamilton scheiterte 2025 nicht, weil Adami zu wenig Erfahrung hatte. Er scheiterte, weil die Partnerschaft grundlegend zerbrach. Ein bewiesener Fehlschlag beweist nichts – außer dass Kompatibilität wichtiger ist als Referenzen.
Ferrari muss bei dieser Entscheidung über die Mauern von Maranello hinausblicken. Hamiltons WM-Träume hängen davon ab.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.