
Wird geladen

Die Formel 1 steht nach der ersten Woche der Vorsaisontests 2026 in Bahrain an einem Scheideweg: Die neuen technischen Regeln der Königsklasse stoßen bei den Topfahrern des Feldes auf beispiellose Kritik. Doch der ehemalige Grand-Prix-Sieger Heinz-Harald Frentzen hat sich mit einem konstruktiven Vorschlag zu Wort gemeldet, um den wachsenden Gegenwind abzufedern und die Zufriedenheit der Fahrer wiederherzustellen.
Das neue Regelwerk, geprägt von deutlich höherem Einsatz elektrischer Energie und komplexen Energiemanagement-Systemen, hat unter den größten Talenten der F1 einen seltenen Konsens der Unzufriedenheit ausgelöst. Max Verstappen, vierfacher Weltmeister, bezeichnete die neuen Autos als „Anti-Racing“ und „nicht besonders spaßig“ und verglich sie abfällig mit „Formula E auf Steroiden“. Sein Hauptkritikpunkt: Man könne nicht mehr dauerhaft voll fahren, ohne die Batterie leerzusaugen und damit die Rundenzeit zu ruinieren.

Lewis Hamilton und Lando Norris schlugen in eine ähnliche Kerbe: Hamilton verglich seinen Ferrari mit einem GP2-Auto, Norris beschrieb den McLaren als eher wie eine F2-Maschine. Neben dem reinen Fahrgefühl nannten beide auch die Verständlichkeit für Zuschauer als Problem und stellten infrage, ob die Fans der neuen technischen Sprache folgen können – „active aero“, „straight mode“, „corner mode“ und „overtake mode“ –, die inzwischen das Fahrerlager dominiert.
Die technische Generalüberholung für 2026 ist die größte Regeländerung der modernen Ära. Der Fokus auf Batteriemanagement zwingt die Fahrer zu extremem Lift-and-Coast, aggressivem Herunterschalten und gezielt „konstruierten“ Gangwahl-Strategien – Methoden, die der klassischen Rennfahr-Logik fundamental widersprechen. Statt roher Geschwindigkeit und Mut belohnen die neuen Regeln eine präzise Energiezuteilung über jeden Stint hinweg.

Heinz-Harald Frentzen, dreifacher Grand-Prix-Sieger, hat nach dem Feedback der Fahrer eine erfrischende Alternative vorgeschlagen. In einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform „X“ plädierte Frentzen für ein grundlegendes Umdenken – sowohl bei der Philosophie der Energierückgewinnung als auch bei der Konfiguration von Flügeln und Abtrieb.
Sein Vorschlag besteht aus zwei Kernelementen:
„Der Fahrer selbst hat die Kontrolle und trägt die Verantwortung“, schrieb Frentzen – und würde damit das Paradigma von passivem Energiemanagement hin zu aktiver Fahrerbeteiligung verschieben.

Nicht alle Beteiligten können sich mit Frentzens Vision anfreunden: Skeptiker argumentieren, die F1 solle die technische Komplexität komplett zurückfahren und zu traditionelleren Renndynamiken zurückkehren. Dennoch stellt Frentzens Ansatz einen sinnvollen Mittelweg dar – er akzeptiert moderne Vorgaben, bringt aber Handlungsspielraum für die Fahrer zurück und damit das unmittelbare Rennerlebnis, das die Formel 1 seit jeher auszeichnet.
Mit Blick auf die Saison 2026 wächst der Druck auf die FIA, solche Alternativen ernsthaft zu prüfen. Ob Frentzens Lösung tatsächlich Fahrt aufnimmt, ist offen – doch sein Vorstoß ist ein Signal, dass die Regelhüter entschlossen handeln müssen, um technologischen Anspruch und Fahrerzufriedenheit wieder in Einklang zu bringen.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.