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Ferrari verlangt von der FIA Antworten zu einer aus ihrer Sicht bestehenden Grauzone im Motorenreglement 2026 – einer Lücke, die Mercedes und Red Bull möglicherweise ausnutzen, um sich im Qualifying einen Vorteil zu verschaffen.
Im Mittelpunkt steht die Nutzung eines Notabschaltverfahrens der MGU-K, das die Scuderia im Qualifying zum Großen Preis von Japan in Suzuka beobachtet haben will.
Berichten zufolge fordert Ferrari von der FIA eine Erklärung, warum Mercedes und Red Bull einen MGU-K-Abschaltmechanismus – ursprünglich für Notfälle vorgesehen – als mögliches Performance-Werkzeug am Ende einer schnellen Runde einsetzen dürfen.
Nach dem Reglement 2026 ist es den Teams erlaubt, die MGU-K jederzeit vollständig abzuschalten. Allerdings wird dadurch eine 60-sekündige Sperrzeit ausgelöst, in der die Batterie nicht genutzt werden darf. Diese Regel sollte verhindern, dass Teams das System auf Geraden oder unter normalen Rennbedingungen gezielt zur Leistungssteigerung missbrauchen.
Bislang reichte diese 60-Sekunden-Beschränkung aus, um den Einsatz der Notabschaltung im Rennbetrieb unattraktiv zu machen. Ferrari ist jedoch der Ansicht, dass die von Mercedes angetriebenen Teams sowie Red Bull das System im Japan-Qualifying ganz am Ende ihrer Runden eingesetzt haben – und so bis zur Ziellinie einen Geschwindigkeitsvorteil erzielten, ohne spürbare Nachteile durch die anschließende Sperrzeit in Kauf nehmen zu müssen.
Ferrari räumt ein, dass nach dem Wortlaut des Reglements keine Regeln gebrochen wurden. Dennoch möchte das Team von der FIA wissen, warum diese offensichtliche Lücke nicht geschlossen wurde – und ob eine solche Nutzung auch künftig zulässig bleibt.
Brisant wurde das Thema nach einem starken Auftritt von Mercedes in Japan. Andrea Kimi Antonelli sicherte sich in Suzuka mit einer 1:28,778 die Pole-Position und führte damit einen Mercedes-Doppelerfolg an. Auch McLaren, ebenfalls Kunde von Mercedes-Motoren, überzeugte: Oscar Piastri qualifizierte sich als Dritter – 0,273 Sekunden vor Charles Leclerc auf Platz vier.
Lando Norris stellte seinen MCL40 auf Startplatz fünf, 0,158 Sekunden vor Lewis Hamilton im SF-26 auf Rang sechs.
Für Red Bull verlief die Session deutlich komplizierter. Der RB22 kämpfte mit erheblichen Balanceproblemen, wodurch Max Verstappen bereits in Q2 ausschied. Isack Hadjar war schließlich bester Red-Bull-Pilot, kam jedoch nicht über Platz acht hinaus.
Die Energienutzung von Mercedes gilt 2026 bereits als eine der großen Stärken des Teams. Offenbar sind die Silberpfeile in der Lage, das volle 350-kW-Limit der MGU-K länger abzurufen, bevor die Leistung abrupt auf null reduziert wird. Normalerweise wird die Leistung in 50-kW-Schritten im Abstand von jeweils einer Sekunde zurückgenommen.
Sollte die Notabschaltung es Mercedes und Red Bull ermöglichen, in den entscheidenden letzten Momenten einer Qualifying-Runde zusätzliche Leistung freizusetzen, wäre das ein erheblicher Vorteil – insbesondere bei engen Kämpfen um die Startaufstellung.
Ferraris kleinerer Turbolader hat Hamilton und Leclerc zwar schnelle Starts ermöglicht, doch beide Fahrer fanden sich regelmäßig hinter George Russell und Antonelli wieder.
Sollte die FIA die aktuelle Auslegung der MGU-K-Regel untersagen, könnte Ferrari hoffen, dass sich die Kräfteverhältnisse verschieben. In diesem Zusammenhang gewinnt die Aussage von Teamchef Fred Vasseur an Gewicht, wonach die Formel 1 in Miami möglicherweise eine „andere Meisterschaft“ erleben könnte.
Vorerst erhebt Ferrari keine konkreten Vorwürfe – fordert jedoch Klarheit. Und in einem Titelkampf, in dem Hundertstelsekunden entscheiden, kann selbst eine legale Regellücke zum entscheidenden Schauplatz werden.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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