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Oscar Piastri setzte in einer unterbrochenen, aber aufschlussreichen zweiten Trainingssession beim Großen Preis von Japan 2026 die Bestzeit und führte ein eng beieinanderliegendes Spitzenfeld auf dem 5,807 km langen Suzuka Circuit an. Bei klarem Himmel und ohne Regenrisiko lieferte das FP2 sowohl Leistungsindikatoren als auch neue Zuverlässigkeitsprobleme, während sich das Bild des dritten Rennwochenendes weiter schärfte.
Piastris 1:30,133 Minuten auf dem Soft-Reifen reichten, um Mercedes-Rookie Kimi Antonelli um lediglich 0,092 Sekunden hinter sich zu lassen, George Russell folgte nur ein weiteres Zehntel dahinter auf Rang drei. Die Top drei trennten lediglich zwei Zehntelsekunden – ein deutliches Zeichen dafür, wie eng der Kampf an der Spitze an diesem Wochenende werden könnte.

Der Australier wirkte über die gesamte Session hinweg souverän. Nach ersten Runs auf den Medium-Reifen wechselte er auf einen frischen Soft-Satz, setzte sich an die Spitze und gab die Führung nicht mehr ab. Besonders wichtig: Sein Longrun auf gebrauchten Mediums – ein 17-Runden-Stint – deutete darauf hin, dass McLaren nicht nur über eine schnelle Runde stark ist.
Trotz einer unterbrochenen Session bestätigte Lando Norris mit Platz vier die Pace des Teams. Der amtierende Weltmeister wurde durch ein vermutetes Hydraulikproblem aufgehalten, zudem wurden ihm mehrere Rundenzeiten wegen Track Limits gestrichen. Dennoch gelang ihm eine 1:30,649 – eine halbe Sekunde hinter seinem Teamkollegen, nachdem er sich durch Verkehr kämpfen musste und mit einem leicht unruhigen Heck zu tun hatte.
McLaren wirkt in Suzuka deutlich wohler als noch in China.

Auch wenn Piastri die Session anführte, präsentiert sich Mercedes weiterhin beeindruckend konstant. Antonelli und Russell absolvierten saubere Soft-Runs und – noch wichtiger – jeweils 18 Runden lange Stints auf gebrauchten Medium-Reifen.
Russells Bestzeit von 1:30,338 erzielte er auf neuen Softs, die er mit nahezu identischer Pace auf gebrauchten Reifen untermauerte. Antonelli setzte zwischenzeitlich sogar die schnellsten Sektorzeiten, ehe er sich mit Platz zwei zufriedengeben musste.
Mercedes stand zwar nicht ganz oben im Klassement, doch die Longrun-Daten sprechen dafür, dass sie mit leichtem Vorteil ins Qualifying gehen.
Ferrari positionierte sich unauffällig direkt hinter dem Führungstrio. Charles Leclerc belegte mit einer 1:30,846 Rang fünf, knapp vor Lewis Hamilton.
Leclerc hatte die Session zuvor auf Mediums mit einer 1:31,019 angeführt, bevor er auf Softs wechselte. Beide Ferrari-Piloten absolvierten umfangreiche Longruns auf Medium-Reifen – ein Hinweis darauf, dass der Rennspeed Priorität hat.
Sie sind dran – könnten aber zumindest über eine einzelne Runde derzeit noch nicht ganz mit McLaren und Mercedes mithalten.

Die größte Überraschung am Freitag bleibt das fehlende Toptempo von Red Bull Racing.
Max Verstappen kam nicht über Rang zehn hinaus und lag 1,376 Sekunden hinter Piastris Bestzeit. Seine Soft-Runde in 1:31,509 reichte nicht nur gegen die drei Spitzenteams, sondern auch nicht gegen Nico Hülkenbergs Audi, Alex Albons Williams und Oliver Bearmans Haas.
Isack Hadjar belegte lediglich Rang 15.
Verstappens Session wurde zudem durch Verkehr erschwert, darunter ein Zwischenfall mit Franco Colapinto in Kurve 15, der nach der Session wegen „unberechenbarer Fahrweise“ untersucht wird. Dennoch ist der reine Geschwindigkeitsrückstand offensichtlich. In Suzuka scheint Red Bull aktuell eher im Mittelfeld als an der Spitze unterwegs zu sein.
Nico Hülkenberg sicherte Audi mit Platz sieben ein starkes Ergebnis und war klar „Best of the Rest“. Seine Soft-Runde von 1:31,441 unterstrich das Potenzial über eine schnelle Runde.
Gabriel Bortoleto hingegen erlebte erneut eine schwierige Session. Nach frühen Zuverlässigkeitsproblemen, die sein Auto in Einzelteilen in der Garage zurückließen, kehrte der Brasilianer spät auf die Strecke zurück und wurde 16. Für Audi hat an diesem Wochenende Priorität, beide Fahrzeuge zuverlässig ins Rennen zu bringen – etwas, das in dieser Saison bislang noch nicht gelungen ist.

FP2 war geprägt von Gelbphasen und einer kurzen Virtual Safety Car-Phase. Alex Albon meldete: „Das Gaspedal funktioniert nicht“, nachdem er auf der Strecke stehen geblieben war, konnte die Session jedoch als Achter beenden.
Sergio Perez’ Cadillac benötigte nach seiner Kollision mit Albon im FP1 Reparaturen am Unterboden, was seine Fahrzeit stark einschränkte – am Ende blieb nur Platz 20. Arvid Lindblads Training war nach nur einer Outlap aufgrund von Problemen bei den Racing Bulls praktisch beendet – eine besorgniserregende Entwicklung für den Rookie.
Mehrere gestrichene Rundenzeiten wegen doppelter Gelbphasen und Track Limits sorgten insgesamt für eine unruhige Stunde bei einigen Fahrern.
Nach zwei Trainingssessions in Suzuka zeichnet sich ein klares Bild ab: Mercedes, McLaren und Ferrari haben sich vom restlichen Feld abgesetzt. Red Bull hingegen findet sich überraschend in der Rolle des Verfolgers wieder.
An der Spitze sind die Abstände minimal – etwas mehr als zwei Zehntel trennten die Top drei im FP2. Alles deutet auf ein spannendes Qualifying-Duell auf einer der anspruchsvollsten Strecken im Formel-1-Kalender hin.
Der Freitag gehört Piastri. Der Samstag wird zeigen, ob McLaren dieses Versprechen tatsächlich in die Pole-Position ummünzen kann.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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