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Christian Horners Suche nach einem Weg zurück in die Formel 1 könnte eine entscheidende Wendung genommen haben – und sie könnte durch eine der bedeutendsten Geschichten im aktuellen Motorsport eingeleitet werden: BYDs Gerüchten zufolge geplantes Vorhaben, als zwölftes Team in die Sportart einzusteigen.
Der ehemalige Red Bull Teamchef und CEO soll laut mit der Situation vertrauten Quellen mehrere Treffen mit der BYD-Vizepräsidentin Stella Li abgehalten haben. Eine offizielle Bestätigung gibt es von keiner der beiden Seiten, doch Horners Anwesenheit in Cannes als Gast von BYD hat die Spekulationen über eine mögliche Partnerschaft kaum gedämpft.
Dies markiert eine bemerkenswerte Verschiebung in Horners offensichtlicher Laufbahn. Zuvor wurde er mit einem Bieterwettstreit gegen Mercedes um einen 24-prozentigen Anteil an Alpine – gehalten von Otro Capital – in Verbindung gebracht, doch nun scheint es, als würden seine Ambitionen deutlich weiter reichen. Statt einer Minderheitsbeteiligung an einem bestehenden Rennstall stellt die BYD-Gelegenheit etwas weitaus Transformativeres dar. Die Geschichte um Alpine hat sich derweil weiterentwickelt, da das in Enstone ansässige Team in den letzten Wochen seine eigene technische Umstrukturierung vorangetrieben hat.
BYD, mittlerweile offiziell der weltweit führende Hersteller von Elektroautos, soll kein Interesse an einer passiven Investition haben. Der chinesische Automobilriese möchte angeblich sein Nettovermögen von 125 Milliarden Dollar nutzen, um ein komplett neues Formel-1-Team aufzubauen – ein vollwertiger Einstieg in das Starterfeld, kein bloßer Fuß in der Tür.
Das Wochenende des Großen Preises von China erwies sich als entscheidender Moment in dieser sich entwickelnden Geschichte. BYD-Vizepräsidentin Stella Li bestätigte während der Veranstaltung in Shanghai, dass sie in „engem Kontakt“ mit dem Management der Formel 1 und F1-CEO Stefano Domenicali stehe.
„Wir sind immer in engem Kontakt“, sagte Li. „Ich mag die Formel 1, weil es um Leidenschaft und Kultur geht, und die Menschen davon träumen, in der Formel 1 zu sein.“
Ihre Kommentare waren sorgfältig gewählt – maßvoll genug, um sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber herzlich genug, um echte Absichten zu signalisieren.
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem steht der Idee eines chinesischen Einstiegs offen gegenüber. „Wenn es ein chinesisches [Gebot] gibt, und ich spreche jetzt stellvertretend für sie vor Ihnen, werden sie dem zustimmen, weil es darum geht, das Geschäft nachhaltig zu gestalten“, sagte er.
Domenicali hat sich, wie für ihn typisch, zurückhaltender geäußert. „Wir werden nur ein Gebot von großer Bedeutung bewerten, weil ich denke, dass wir bereits an einem Punkt sind, an dem es keinen Platz mehr gibt; logistisch sind wir am Limit“, erklärte der Italiener.
Der regulatorische Rahmen ist prinzipiell kein Hindernis – das aktuelle Concorde Agreement sieht bis zu 12 Teams in der Startaufstellung der Formel 1 vor, was bedeutet, dass eine Bewerbung von BYD strukturell nicht fehl am Platz wäre. Die technische Überarbeitung für 2026 hat bereits die Aufmerksamkeit großer Hersteller auf sich gezogen, wobei Audi, Ford und Cadillac durch das neue Reglement angezogen wurden.
Doch Absicht und Zulassung sind zwei sehr verschiedene Dinge. Der langwierige, hochkarätige Kampf, den Andretti und Cadillac führten, um sich einen Startplatz zu sichern, dient als lehrreiches – und ernüchterndes – Beispiel. Trotz erheblicher Ressourcen und Glaubwürdigkeit erwies sich dieser Prozess als langwierig, umstritten und politisch belastet. BYD stünde trotz seiner finanziellen Schlagkraft wahrscheinlich vor einem ähnlich anspruchsvollen Weg.
Für Horner ist der Reiz offensichtlich. Nach seinem plötzlichen Abschied von Red Bull im Juli letzten Jahres blieb die Tür zum Fahrerlager fest verschlossen. Ein von BYD unterstütztes Gebot würde ihm nicht nur eine Rückkehr ermöglichen, sondern die Chance, ein neues Kapitel der Formel-1-Geschichte zu schreiben – und dies mit der kommerziellen Kraft einer der mächtigsten Automobilmarken der Welt im Rücken.
Ob sich die Gespräche zwischen Horner und Li in ein formelles Gebot verwandeln, bleibt abzuwarten. Aber in einem Sport, in dem Dynamik, Geld und die richtigen Verbindungen enorm wichtig sind, beginnen sich die Puzzleteile zu einem sehr vertrauten Bild zusammenzufügen.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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