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Die Königsklasse des Motorsports wurde schon immer für ihren Glamour und ihr Prestige gefeiert – doch die kommende achte Staffel von Drive to Survive auf Netflix legt eine beunruhigende Seite des Sports offen: den brutalen Online-Hass, der Jack Doohans Rookie-Saison in der F1 überschattete. Die erschütternden Schilderungen des australischen Fahrers über Todesdrohungen während seiner Zeit bei Alpine sind eine deutliche Erinnerung daran, dass hinter Helmen und Rennanzügen verletzliche Menschen stehen, die Schutz vor der Giftigkeit verdienen, die in den sozialen Medien wuchert.
Doohan unterschrieb für die Saison 2025 bei Alpine – voller Optimismus und bereit, sich an der Seite des etablierten Teamkollegen Pierre Gasly zu beweisen. Doch das Auftauchen des argentinischen Talents Franco Colapinto und Spekulationen über dessen möglichen Einstieg schufen für den jungen Fahrer eine unhaltbare Situation. Mit wachsendem Druck und zunehmender Diskussion um seinen Sitz geriet Doohan ins Visier eines Teils der Fanbasis.
In den Tagen vor dem Großen Preis von Miami erreichte die Lage einen erschreckenden Höhepunkt. „Ich habe für diesen Grand Prix ernsthafte Todesdrohungen bekommen – dass sie mich hier umbringen werden, wenn ich nicht aus dem Auto raus bin“, enthüllte Doohan in der Doku-Serie. „Ich hatte sechs oder sieben E-Mails, in denen stand, wenn ich bis Miami noch im Auto sitze, werden mir alle Gliedmaßen abgetrennt.“
Die Schwere der Drohungen machte außergewöhnliche Maßnahmen nötig. Am Mittwoch der Rennwoche wurde der 23-Jährige von drei bewaffneten Sicherheitskräften begleitet, während seine Freundin und sein Trainer danebenstanden. „Ich musste meinen Polizeieskorten anrufen, damit sie kommen und das unter Kontrolle bringen“, berichtete er – sichtbar gezeichnet von dem Erlebten.
Das war nicht bloß hitzige Fan-Rhetorik – das war greifbare, geplante Gewalt. Die F1 selbst erkannte die Situation an, verschärfte Doohans Sicherheitsprotokolle und bekräftigte ihre Null-Toleranz-Haltung.

Miami wurde letztlich Doohans letztes Rennen für Alpine, denn er wurde zugunsten von Colapinto ausgetauscht. Auch wenn die Entscheidung nichts mit seiner Leistung auf der Strecke zu tun hatte und alles mit Team-Politik, war die psychische Belastung deutlich spürbar.
Dennoch gibt es einen Lichtblick: Doohan sicherte sich für die Saison 2026 eine Rolle als Ersatzfahrer bei Haas, die Anfang Februar bekannt gegeben wurde. „Es ist der ideale Ort, um meine Formel-1-Karriere fortzusetzen“, sagte er optimistisch und signalisierte damit seinen Willen, neu aufzubauen.
Doohans Geschichte unterstreicht ein zentrales Problem, dem sich die Formel 1 stellen muss: Der Sport muss mehr tun, um seine Athleten vor Online-Belästigung zu schützen. Zwar zeigte die Community Solidarität – unter anderem durch Alpines unterstützendes Statement –, doch strukturelle Veränderungen sind dringend nötig. Während die F1 ihre Kampagne United Against Online Abuse startet, könnte Doohans mutige Offenheit in Drive to Survive endlich den kulturellen Wandel anstoßen, den dieser Sport so dringend braucht.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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