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Während der Vorsaisontests in Bahrain präsentierte Ferrari eine Heckflügel-Innovation, die das Fahrerlager in Aufruhr versetzte – und alle versuchten, ihre Auswirkungen auf die Saison 2026 zu verstehen. Anders als herkömmliche aktive Aerodynamiksysteme, die sich lediglich öffnen und schließen, macht Ferraris Lösung etwas radikal anderes: Sie klappt um 180 Grad und dreht den Flügel komplett auf den Kopf. Dieser mutige Bruch mit der etablierten Designphilosophie hat den erfahrenen Kommentator Will Buxton zu einer außergewöhnlichen Aussage über das Wettbewerbspotenzial der Scuderia veranlasst.
Die Mechanik hinter Ferraris Heckflügel ist eine Meisterleistung innovativer Ingenieurskunst. Die obere Klappe rotiert um einen zentralen Drehpunkt – und wenn sie auf den Geraden vollständig aktiviert wird, invertiert sie komplett.
Diese Verwandlung verändert das aerodynamische Profil grundlegend: Statt wie ein klassischer F1-Flügel Abtrieb zu erzeugen, produziert das umgedrehte Profil Auftrieb – nach denselben Prinzipien, die auch bei Flugzeugtragflächen wirken.
Um die Stabilität zu wahren und zu verhindern, dass die Hinterreifen vom Asphalt entlastet werden, integrierte Ferrari ein sekundäres, vom Abgasstrahl angeströmtes Winglet, das moderaten Abtrieb erzeugt und den induzierten Auftrieb ausbalanciert. Laut Telemetriedaten aus den Tests bringt dieses System etwa 8–10 km/h zusätzliche Topspeed im Vergleich zum restlichen Feld.

Entscheidend ist: Ferraris Design hält sich an die FIA-Regularien, weil der Flügel innerhalb des vorgeschriebenen Zeitfensters von 0,4 Sekunden rotiert und die Anforderungen an die Konkavität der Karosserie erfüllt. Das Reglement für 2026, das gezielt Drag-Reduktion und Energieeffizienz fördern soll, hat den regulatorischen Spielraum geschaffen, der diesen radikalen Ansatz überhaupt ermöglicht.
Im Podcast Up To Speed zeichnete Buxton ein Szenario, das die mögliche Größenordnung von Ferraris Vorteil auf den Punkt bringt. Nachdem er betont hatte, dass Lewis Hamilton bei Übungsstarts so weit hinten in der Startaufstellung stand, dass er „nicht mal mehr in Bahrain“ gewesen sei, stellte Buxton fest, dass Hamilton in Kurve 1 bereits führte. Sein Fazit? „Ferrari könnte sich in die letzte Startreihe qualifizieren und würde bis Kurve 1 den Grand Prix anführen. So gut sieht dieses Auto aus.“
Diese überzogene, aber aufmerksamkeitsstarke Aussage bringt auf den Punkt, was Buxton in dieser neuen Reglement-Ära als möglichen „Silver Bullet“-Vorteil sieht. Die Kombination aus geringerem Luftwiderstand auf den Geraden und erhaltenem Abtrieb in den Kurven passt perfekt zu den lockereren Heck-Eigenschaften, die bestimmten Topfahrern besonders liegen.
Bemerkenswert ist, dass Ferrari einen konservativen Kurs einschlägt und den 180-Grad-Flügel in den ersten Rennen der Saison nicht einsetzen will. Stattdessen plant das Team, diese Innovation später im Verlauf der Saison gezielt wieder einzuführen – ein Hinweis darauf, dass man die eigenen technischen Karten nicht zu früh aufdecken möchte, während die Konkurrenz noch nach Gegenmaßnahmen sucht.
Für ein Ferrari-Team, das im vergangenen Jahr Fünfter in der Konstrukteurswertung wurde, könnte diese Innovation ein Wendepunkt sein – einer, der die Erzählung der WM 2026 grundlegend verändern könnte.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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