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Geely befasst sich zunehmend ernsthaft mit einem zukünftigen Formel-E-Programm. Das Augenmerk liegt dabei auf der zweiten Phase der Gen4-Ära ab 2028. Gespräche mit potenziellen Partnern wurden am Rande des Shanghai E-Prix am vergangenen Wochenende fortgesetzt, bei dem Victor Young, Executive Vice President und Sprecher der Geely Holding Group, im Fahrerlager anwesend war.
Young führte Gespräche mit hochrangigen Vertretern der Formel E und mehreren Teamchefs. Dies unterstreicht, dass das Interesse von Geely über ein bloßes Gedankenspiel hinausgeht. Für eine Meisterschaft, die nach einer stärkeren Relevanz von Herstellern in China sucht, ist der Zeitpunkt von großer Bedeutung. Die Formel E hat mit Envision zwar ein Team mit chinesischer Lizenz, doch seit dem Ende des Engagements von NIO beim damaligen ERT-Team im Jahr 2023 ist kein chinesischer Hersteller mehr vertreten. Selbst damals war die technische Verbindung von NIO nach der Gen2-Ära faktisch verblasst.
Die Landschaft der potenziellen Hersteller verändert sich ebenfalls im Hinblick auf den Gen4-Zyklus, während sich die Formel E bereits auf ihre nächste große technische Phase vorbereitet. Dieser breitere Kontext spiegelt sich in jüngsten Entwicklungen wider, wie etwa der Entscheidung, dass CUPRA KIRO auch in der GEN4-Ära der Formel E ein Porsche-Kundenteam bleibt. Dies erinnert daran, dass Antriebsstränge und Partnerschaftsstrukturen bereits frühzeitig festgelegt werden.
Sollte Geely grünes Licht für das Projekt geben, stehen verschiedene Identitäten zur Auswahl, darunter Zeekr, Polestar, Lynk & Co, Lotus, Maple oder die Marke Geely selbst. Von diesen verfügt Lotus über die stärkste Motorsport-Tradition, was die Marke zu einem offensichtlichen Kandidaten macht, falls der Konzern eine hochkarätige Rückkehr in den Spitzensport anstrebt.
Lotus UK, der Sportwagenhersteller, und Lotus Technology, die Elektrofahrzeugsparte, wurden nach einer Umstrukturierung unter dem Dach von Geely wieder zusammengeführt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz weiterhin in Hethel in Norfolk, auf dem historischen Gelände eines ehemaligen RAF-Flugplatzes.
Ein Formel-E-Engagement unter der Marke Lotus war bereits Ende 2020 Gegenstand einer Machbarkeitsstudie, als nach den Ausstiegen von Audi und BMW Lizenzen in der Meisterschaft verfügbar waren. Die Situation ist heute eine andere: Die Formel E ist nahezu vollständig ausgelastet. Es werden 24 Autos erwartet, sofern Penske weitermacht und ein zweites Porsche-Werksteam realisiert wird.
Dies deutet darauf hin, dass Geely eher mit einem bestehenden Team kooperieren würde, anstatt als völlig eigenständiger Neueinsteiger aufzutreten. Auch wenn noch nichts entschieden ist, gelten Mahindra und der neueste Formel-E-Sieger Lola als die wahrscheinlichsten Partneroptionen.
Formel-E-CEO Jeff Dodds würdigte die Bandbreite von Geely während seines Aufenthalts in Shanghai: „Ich kenne Victor von Geely gut und habe oft mit ihm gesprochen. Ich denke, sie leisten beeindruckende Arbeit, sei es durch Lynk & Co, Zeekr oder vielleicht Lotus oder Polestar, die für uns bekannter sein könnten. Sie verfügen über eine Fülle von Marken und waren enorm erfolgreich. Man kann zwischen den Zeilen lesen.“
Die Motorsportstrategie von Geely wird von Alexander Murdzevski Schedvin geleitet, der heute als Managing Director der Geely Group Motorsport International AB fungiert. Da Geely bereits in der TCR World Tour aktiv ist, entwickelt sich die Formel E zunehmend zu einer ernsthaften Überlegung für die Zukunft.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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