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McLaren bereitet Berichten zufolge eine bedeutende Umstrukturierung in der Führungsetage vor: Red Bulls Rennleiter Gianpiero Lambiase soll ab 2028 neuer Teamchef werden. Hintergrund sind deutliche Anzeichen, dass der derzeitige Teamchef Andrea Stella einen Vertrag mit Ferrari vereinbart hat.
Stella übernahm McLaren im Dezember 2022, nachdem Andreas Seidl zum Formel-1-Projekt von Audi gewechselt war. Seitdem leitete der Italiener gemeinsam mit CEO Zak Brown eine beeindruckende Wende ein und formte McLaren wieder zu einem titelreifen Topteam.
Diese Renaissance mündete in große Erfolge: In der Saison 2024 sicherte sich McLaren erstmals seit 1998 wieder die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft, ehe das Team 2025 Red Bulls Rekord für den frühesten Titelgewinn einstellte. Zudem holte Lando Norris 2025 unter Stellas Führung die Fahrer-Weltmeisterschaft – McLarens erste seit 2008.
Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Erfolgs scheint sich das Fundament des Teams erneut zu verschieben.

Medienberichten zufolge hat McLaren entschlossen gehandelt, um sich die Dienste von Lambiase zu sichern, der derzeit sowohl als Rennleiter von Red Bull als auch als Renningenieur von Max Verstappen fungiert. Demnach soll er bis zum Ende der Formel-1-Saison 2027 bei Red Bull bleiben und anschließend – nach einer Phase der Freistellung („Gardening Leave“) – 2028 zu McLaren wechseln.
Die Verpflichtung von Lambiase erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Überzeugung innerhalb des Teams, dass Stella zu Ferrari zurückkehrt. Stella war 2015 nach einer langen Zeit bei der Scuderia zu McLaren gestoßen – seine Karriere in Maranello begann bereits im Jahr 2000.
Der Formel-1-Reporter Jacky Martens berichtet, Stella habe bereits einen Vorvertrag mit Ferrari unterzeichnet, und bezeichnet die Situation als „sehr heiß“. Im Podcast Paddock Access sagte Martens:
„Ein Italiener kommt zu McLaren, und ein Italiener geht. Wenn [Lambiase] Teamchef wird, muss jemand Platz machen. Nach meinen Informationen hat [Stella] bereits einen Vorvertrag mit Ferrari unterschrieben – und das ist eine sehr heiße Angelegenheit.“
Sollte sich dies bestätigen, wäre die Verpflichtung von Lambiase ein mutiger und strategisch kluger Schachzug von McLaren – und würde eine der prägendsten Persönlichkeiten von Red Bull in einer Phase des Umbruchs an Land ziehen.

Eine mögliche Rückkehr Stellas zu Ferrari hätte enormes Gewicht. Während seiner ersten Zeit in Maranello von 2000 bis 2014 arbeitete er als Performance-Ingenieur für Michael Schumacher und später für Kimi Räikkönen. In diese Ära fielen alle fünf WM-Titel Schumachers mit Ferrari sowie Räikkönens Fahrer-Weltmeisterschaft 2007.
Ferrari wartet seit Räikkönens Triumph 2007 auf einen weiteren Fahrertitel, der letzte Konstrukteurstitel datiert aus dem Jahr 2008. Stellas jüngste Erfolge mit McLaren sollen ihn daher zu einem Wunschkandidaten gemacht haben, um diese Durststrecke zu beenden.
Seine mögliche Verpflichtung würde jedoch zwangsläufig Fragen zur Zukunft des aktuellen Teamchefs Fred Vasseur aufwerfen. Vasseur blieb trotz zunehmenden Drucks im Jahr 2025 im Amt und unterschrieb einen neuen Vertrag für die Saison 2026. Berichten vom Dezember zufolge sollen ihm jedoch die ersten fünf Rennen 2026 als Bewährungsprobe gesetzt worden sein.
Drei Rennen nach Saisonbeginn ist Ferrari stark gestartet und stand bei jedem der ersten Grands Prix auf dem Podium. Dennoch sorgt die Spekulation um Stellas Vorvertrag für zusätzliche Brisanz in der ohnehin politisch sensiblen Lage in Maranello.

Sollte Stella wie erwartet gehen und Lambiase übernehmen, stünde McLaren nur wenige Jahre nach der Rückkehr an die Spitze vor einer erneuten tiefgreifenden Veränderung in der Führungsstruktur.
Gleichzeitig unterstreicht Ferraris angebliches Werben um Stella den klaren Willen, die eigene sportliche Ausrichtung neu zu definieren. Mit unterschriebenen Verträgen, bevorstehenden Freistellungen und wachsendem Leistungsdruck könnten die kommenden Jahre das Kräfteverhältnis nicht nur auf der Strecke – sondern auch an den einflussreichsten Kommandoständen der Formel 1 – nachhaltig verändern.
Die Geschichte, zuerst berichtet von Erik van Haren von De Telegraaf, deutet auf ein hochbrisantes Nachfolge-Poker zwischen drei der größten Organisationen der Formel 1 hin – dessen volle Auswirkungen womöglich erst 2028 spürbar werden.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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