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Super Clipping hat sich zum prägenden Schlagwort der Formel-1-Saison 2026 entwickelt – ein Konzept, das bei den meisten Fans kaum auf dem Radar war, bevor die neuen Autos in Bahrain erstmals auf die Strecke gingen. Doch diese Technik der Energierückgewinnung droht für den sportlichen Erfolg ebenso entscheidend zu werden wie aerodynamische Effizienz oder Qualifying-Pace.
Das Phänomen zeigt sich im ständigen Ringen des Sports um Balance: Die Power Units 2026 stehen für eine nahezu 50/50-Aufteilung der Leistung zwischen Verbrennungsmotor und Batterie – und verändern damit grundlegend, wie Teams an das Energiemanagement herangehen. Dieser Wandel hat Super Clipping zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Teams gemacht, die aus energiehungriger Technik das Maximum an Performance herauspressen müssen.
Im Kern entsteht Super Clipping, wenn die MGU-K Energie rekuperiert, während die Fahrer Vollgas halten – typischerweise am Ende von Geraden oder in schnellen Kurven. Statt diese Energie direkt an die Hinterräder abzugeben, leitet das System sie in die Batterie um, um sie später wieder einzusetzen.
Das Reglement erlaubt derzeit eine Rekuperation von 250 kW per Super Clipping, im Vergleich zu den 350 kW, die beim Bremsen oder in Lift-and-Coast-Phasen maximal möglich sind. Dieser Unterschied ist enorm wichtig. Super Clipping senkt zwar die Endgeschwindigkeit – in Bahrain, Kurve 12, wurden bei frühen Umsetzungen Geschwindigkeitsverluste von rund 30 km/h beobachtet –, bewahrt aber den entscheidenden Vorteil, dass die aktiven Aerodynamiksysteme in der strömungsgünstigen „Straight Mode“-Konfiguration bleiben. Wer bei Vollgas bleibt, hält den Luftwiderstand minimal und schützt so die Geradeaus-Performance trotz reduzierter Antriebsleistung.
Lift-and-Coast-Rekuperation liefert dagegen zwar die besseren 350 kW Rückgewinnung, zwingt die aktive Aero jedoch in den widerstandsintensiven Kurvenmodus – was die Rundenzeit insgesamt beeinträchtigen kann.

Die Debatte geht über reine Performance-Kennzahlen hinaus. McLaren-Teamchef Andrea Stella hat ernsthafte Sicherheitsbedenken geäußert: Wenn Fahrer am Ende von Geraden plötzlich auf Lift-and-Coast umstellen und unerwartet verzögern, könnten nachfolgende Fahrer überrascht werden.
Stellas Lösungsvorschlag: das Rekuperationslimit beim Super Clipping von 250 kW auf 350 kW anheben, um eine progressivere Verzögerung zu ermöglichen statt eines abrupten Gaswegnehmens. McLaren testete diesen Ansatz in Bahrain in der letzten Session – mit positiven Ergebnissen. Allerdings muss die FIA die breiteren Auswirkungen auf den Wettbewerb abwägen.
Die FIA steht vor einem heiklen Balanceakt. Jede Änderung der Super-Clipping-Limits hätte weitreichende Konsequenzen – Hersteller, die beim Energiemanagement besonders stark sind, könnten einen Wettbewerbsvorteil verlieren. Parallel prüft die FIA, ob sie die maximale Energiefreisetzung von 350 kW auf 250 kW oder sogar 200 kW senken sollte. Das würde die Batteriereichweite verlängern, könnte aber effiziente Power-Unit-Konzepte benachteiligen.
Wie FIA-Single-Seater-Direktor Nikolas Tombazis sagte: „Das ist ein Marathon, kein Sprint.“ Die Organisation will zunächst Daten aus den frühen Saisonrennen analysieren, bevor endgültige Änderungen beschlossen werden – ein vorsichtiger Ansatz, der anerkennt, dass die Energiemanagement-Regeln die sportliche Hackordnung grundlegend bestimmen werden.
Super Clipping ist weit mehr als technischer Jargon – es steht exemplarisch für die zentrale Herausforderung 2026: Innovation, Sicherheit und sportliche Fairness in der tiefgreifendsten Regelreform des Motorsports auszubalancieren.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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