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Die Formel-1-Saison 2026 ist gerade einmal zwei Rennen alt – und schon steckt die „Königsklasse des Motorsports“ in einer massiven technischen und PR-Krise. Das heutige Sprint-Qualifying in Shanghai bescherte uns nicht nur eine Mercedes-Doppelführung in der ersten Startreihe, sondern auch eine Telemetrie-Grafik, die eher an ein verbuggtes Spiel von Mario Kart erinnert.
Während sich der Staub nach einem chaotischen Sprint-Qualifying in China legt, sprechen die Fans nicht über George Russells Poleposition – sie diskutieren darüber, warum die Telemetrie wie ein kaputtes Videospiel aussieht.

Ein Beitrag von @F1TelemetryData auf X sorgt derzeit in der technischen Community der Formel 1 für erhebliches Aufsehen. Betrachtet man bei den meisten Fahrzeugen die Geschwindigkeitskurven auf der langen Gegengeraden in Shanghai, fallen zwei unmögliche Dinge auf:
Gaspedal über 100 %: Bei mehreren Autos wird eine Gaspedalstellung von 105 % bis 110 % angezeigt. Da Fahrer das Pedal physisch nicht durch den Fahrzeugboden drücken können, handelt es sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Fehler. Offenbar addiert die Telemetrie die realen 100 % Gaspedalstellung des Fahrers mit zusätzlicher elektrischer Leistungsabgabe.
Das „eingefrorene“ Geschwindigkeitsplateau: Das ist der brisanteste Punkt. Sobald die Autos das letzte Drittel der 1,2 km langen Geraden erreichen, flacht die Geschwindigkeitskurve abrupt ab – sie steigt nicht nur nicht weiter an, sondern bleibt auf einem bestimmten Wert „eingesperrt“, obwohl das Gaspedal angeblich bei 110 % steht. Gleichzeitig zeigt die Telemetrie, dass die Fahrer auf die Bremse treten – was zu 100 % unmöglich ist.
Was passiert hier also wirklich? Versucht die FOM (Formula One Management) zu verhindern, dass sichtbar wird, wie die Autos bei Vollgas langsamer werden, und verschleiert damit das sogenannte „Super-Clipping“-Phänomen?
Viele glauben genau das – insbesondere nach der Kontroverse in Australien, wo die erste reale Anwendung des 50/50-Hybridreglements ein „lebloses“ Rennprodukt offenbarte. Max Verstappens Vergleich mit Mario Kart – bei dem Rennen durch das „Einsammeln von Pilzen“ (Batterieladung) statt durch reine Geschwindigkeit entschieden werden – soll Berichten zufolge aus offiziellen F1-Interviews entfernt worden sein. Das war jedoch nur die Spitze des Eisbergs. In den vergangenen Tagen geriet die FOM mehrfach in die Kritik, angeblich negative Fan-Kommentare in sozialen Medien auszublenden, um den Eindruck eines erfolgreichen Produkts aufrechtzuerhalten.
Wenn die Formel 1 weiterhin die Außendarstellung über Transparenz stellt, riskiert sie genau das zu verlieren, was diesen Sport ausmacht: die rohe, ungefilterte Wahrheit von Mensch und Maschine am Limit. Aktuell ist jedoch vor allem eines „am Limit“ – die Geduld der Fans.
Auch wenn die Vorwürfe der „Zensur“ und die merkwürdigen Telemetriedaten eine perfekte Vorlage für Verschwörungstheorien liefern, möchte ich klarstellen: Ich glaube nicht, dass die FOM Daten „maskiert“, um ein schlechtes Produkt zu kaschieren. Viel wahrscheinlicher erleben wir gerade die Kinderkrankheiten eines extrem komplexen neuen Datensystems.
Schauen wir uns die Fakten an:
Die Formel 1 betreibt keine Vertuschung, sondern eine Plattform, die offensichtlich Schwierigkeiten hat, die schiere Menge an Datenpunkten zu verarbeiten. Es ist ein Bug – kein Feature.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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