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Alpine hat Vorwürfe entschieden zurückgewiesen, man habe das Formel-1-Auto von Franco Colapinto sabotiert. Zuvor hatten entsprechende Spekulationen nach dem Großen Preis von China in den sozialen Medien an Fahrt aufgenommen.
Die Anschuldigungen, die vor allem aus Teilen von Colapintos argentinischer Fangemeinde in den sozialen Netzwerken kamen, bezogen sich auf angebliche Unterschiede in der Fahrzeugspezifikation der beiden Alpine-Piloten in Shanghai. Nachdem Colapinto das Rennen als Zehnter beendete – 49 Sekunden hinter Teamkollege Pierre Gasly – verwies er auf Bereiche, in denen aus seiner Sicht Verbesserungsbedarf besteht.
Ein Teil des Rückstands war auf eine Kollision mit Esteban Ocon zurückzuführen, doch Colapinto sprach auch Leistungsdefizite an: „Wir müssen einige Dinge in den schnellen Kurven verstehen, wo uns etwas fehlt, und außerdem mehr Performance aus meinem Auto herausholen. Die Teile, die ich nicht habe – es würde sehr helfen, sie bald zu bekommen.“
Diese Aussagen lösten online eine Welle der Kritik aus. Einige Fans warfen dem Team vor, Gasly zu bevorzugen. Einer behauptete, der „Unterschied zwischen den Ingenieurteams und dem restlichen Team beider Fahrer sei enorm“, während ein anderer Colapintos Auto als „Fahrrad“ bezeichnete. Andere nannten Alpine einen „Fleischwolf“ für den zweiten Fahrer, und ein Beitrag unterstellte sogar, das einzig konkurrenzfähige Auto sei „dem schlechtesten Fahrer im Team“ gegeben worden.
Alpine reagierte mit einem offenen Brief und wies jede Andeutung einer absichtlichen Ungleichbehandlung kategorisch zurück.
„Es liegt absolut nicht im Interesse des Teams, keine Punkte zu erzielen. Jede Behauptung einer Selbstsabotage widerspricht unserem übergeordneten Ziel.“
Das Team stellte klar, dass beide Fahrer in dieser Saison mit identischem Material unterwegs seien – mit Ausnahme einiger kleiner Komponenten mit geringer Leistungsrelevanz in China, die im Zuge eines Wechsels von Getriebeteilen notwendig wurden.
„Sowohl Pierre als auch Franco sind mit demselben Equipment gefahren, abgesehen von einigen kleinen, leistungstechnisch kaum relevanten Teilen in China aufgrund eines Wechsels von Getriebekomponenten.“
Alpine räumte zudem ein, dass neue Entwicklungsteile unter Umständen zunächst nur an einem Auto zum Einsatz kommen könnten, etwa aus produktionstechnischen Gründen – betonte jedoch, dass dies niemals absichtlich geschehe, wenn Leistungsgewinne zu erwarten seien.

In der Stellungnahme ging es nicht nur um technische Gleichbehandlung, sondern auch um die zunehmenden Online-Anfeindungen gegen Colapinto und andere Akteure in der Formel 1.
Nach dem Großen Preis von Japan geriet Colapinto nach einem Zwischenfall in Suzuka mit Oliver Bearman in die Kritik. Der Vorfall endete für den Haas-Piloten in einem Crash mit 50G. Ausschlaggebend war unter anderem eine Geschwindigkeitsdifferenz von 45 km/h. Einige Experten, darunter Timo Glock und Jacques Villeneuve, äußerten die Vermutung, Colapinto habe beim Herannahen Bearmans die Linie verändert – eine Darstellung, die das Haas-Team zurückwies.
Die FIA überprüfte den Vorfall noch während des Rennens und kam zu dem Schluss, dass keine weiteren Maßnahmen erforderlich seien.
Alpine verurteilte die hasserfüllten Nachrichten gegen Colapinto und zog Parallelen zu den Anfeindungen, denen Esteban Ocon – einschließlich Morddrohungen – nach seiner Kollision mit Colapinto in Shanghai ausgesetzt war.
In seiner Erklärung räumte Alpine ein, es sei ein „Versäumnis“ gewesen, Ocon nicht früher öffentlich in Schutz zu nehmen.
„Die darauffolgenden Anfeindungen entsprachen nicht dem Geist des Sports, und es war ein Fehler, dies nicht früher klar zu benennen. Jegliche Form von Missbrauch gegenüber Fahrern ist inakzeptabel.“
Das Team betonte, soziale Medien sollten Raum für konstruktive Debatten bieten – nicht für Feindseligkeit – und rief die gesamte Formel-1-Gemeinschaft zu respektvollem Umgang auf.
Mit Blick auf die Sorge um gleiche Behandlung unterstrich Alpine erneut sein Engagement, beiden Fahrern dieselben Chancen zu bieten.
„Das Team setzt alles daran, zwei möglichst schnelle Autos an den Start zu bringen und beiden Fahrern die gleiche Möglichkeit zu geben, konkurrenzfähig zu sein und wichtige Punkte für die Meisterschaft zu holen.“
Zudem gebe es weder das Zurückhalten von Informationen noch interne Spaltungen innerhalb der Ingenieursgruppe.
„Es werden keine Informationen zurückgehalten oder Performance-Tricks geheim gehalten. Das gehört der Vergangenheit an und ist kein Bestandteil der modernen Formel 1 mehr.“
Alpine hob außerdem die kooperative Zusammenarbeit zwischen Gasly und Colapinto hervor. Beide Fahrer tauschten regelmäßig Daten und Feedback untereinander sowie mit dem Ingenieurteam aus.
Sportlich sieht sich das Team nach den ersten drei Saisonrennen in einer „starken Position“ und erklärte, bei den letzten beiden Veranstaltungen jeweils das viertschnellste Auto gestellt zu haben. Gleichzeitig betonte man, in einem eng umkämpften Entwicklungsrennen weiter nachlegen zu müssen.
Vor der kurzen Pause bis zum nächsten Rennen in Miami werden beide Fahrer Zeit im Werk in Enstone verbringen, um mit den Ingenieuren und im Simulator zu arbeiten. Colapinto wird zudem nach Argentinien reisen, um dort mit Fans in Kontakt zu treten.
Alpines Botschaft ist eindeutig: Es gibt keine interne Sabotage, keine Spaltung in der Garage und keinerlei strategischen Sinn darin, eine Seite des Teams zu benachteiligen.
„Franco ist unser Fahrer, und das Team setzt sein Vertrauen in ihn – genauso wie er in das Team.“
In einer Saison, die ohnehin von großem sportlichem Druck geprägt ist, hat Alpine damit eine klare Linie gezogen: das Team stellt sich vor seine Fahrer, weist unbegründete Vorwürfe zurück und ruft zu Geschlossenheit innerhalb der Formel-1-Gemeinschaft auf.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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