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Oscar Piastri sorgte am Freitag für Aufsehen und beeindruckte mit bemerkenswertem Tempo in den schnellen, flüssigen Kurven von Suzuka. Doch nun, da das zweite freie Training vorbei ist, bleibt die Frage: Ist McLaren in Japan wirklich das Team, das es zu schlagen gilt – oder hält sich Mercedes einfach noch bedeckt? Werfen wir einen Blick auf die Simulationsdaten.
Nach einem desaströsen Großen Preis von China, bei dem Probleme mit der Power Unit sowohl Lando Norris als auch Oscar Piastri bereits vor dem Start ausbremsten, brauchte das Team aus Woking dringend einen reibungslosen Freitag. Und den bekamen sie weitgehend.
Nachdem die PU-Probleme behoben waren, sammelten beide Fahrer wichtige Kilometer. Zwar wurde Norris’ Programm kurzzeitig durch ein Hydraulikleck unterbrochen, doch er kehrte auf die Strecke zurück und erzielte äußerst konkurrenzfähige Zeiten. Aber sind sie wirklich die ultimativen Taktgeber?

Es könnte noch etwas zu früh sein, ihnen bereits die Poleposition zuzuschreiben. Man erinnere sich an Australien, wo sie FP2 anführten, ehe Mercedes den Rest des Wochenendes dominierte. Unsere Daten bestätigen jedoch: McLaren sitzt den Silberpfeilen dicht im Nacken. In der Qualifying-Simulationspace liegt McLaren nur verlockende +0,10 Sekunden hinter Mercedes. Gelingt es ihnen, dieses Einrunden-Potenzial am Samstag zu bestätigen, wäre das ein gewaltiger Schritt nach vorn.

Obwohl Piastri die Zeitenliste in FP2 anführte, ist es äußerst schwer, gegen Mercedes zu wetten. George Russell gab zu, dass ihn das ultimative Tempo selbst etwas überrascht habe, doch Strecken-Ingenieurchef Andrew Shovlin vermittelte das Bild eines Teams, das leise, aber selbstbewusst agiert – auch wenn man in der letzten Schikane ein paar Hundertstel einbüßt.
Die Telemetriedaten erzählen die eigentliche Geschichte. Mercedes bleibt in beiden Kategorien das Maß der Dinge: In den Qualifying-Simulationen halten sie einen Vorsprung von 0,00 Sekunden und bauen diesen in der Rennsimulation weiter aus – mit 0,24 Sekunden pro Runde auf die nächsten Verfolger.

Zudem fasziniert das interne Duell bei Mercedes weiterhin. Ein Blick auf die Idealrunden-Analyse zeigt: Zwischen Russell und seinem jungen Teamkollegen Kimi Antonelli liegt praktisch nichts. Nachdem sie sich die Siege in dieser Saison bislang geteilt haben, ist alles angerichtet für ein packendes teaminternes Duell am Sonntag.
Ferrari präsentiert sich in dieser Saison in guter Form, doch Suzuka erweist sich als etwas härtere Nuss. Lewis Hamilton – noch immer dabei, sich im roten Overall einzuleben – bemerkte, dass sich der SF-26 hier nicht „massiv anders“ anfühle als sein Auto im Vorjahr. Vor allem ein ausbrechendes Heck und die fehlende Möglichkeit, sofort mit den Spitzenreitern mitzuhalten, bereiten Sorgen.

Trotz der Instabilität sollte man die Scuderia jedoch nicht abschreiben. Die Daten zeigen Ferrari auf Rang drei im Qualifying-Trimm (+0,28 Sekunden) und – entscheidend – gleichauf mit McLaren in der Rennsimulation (+0,24 Sekunden hinter Mercedes). Gelingt es den Ingenieuren aus Maranello über Nacht, die Balance zu verbessern, machen ihre grundsätzliche Rennpace und die traditionell starken Starts sie zu einer ernsthaften Podiumsdrohung.

Was ein Reglementzyklus doch verändern kann. Max Verstappen feierte hier zuvor einen dominanten Sieg, doch eine Wiederholung scheint an diesem Wochenende selbst für einen Fahrer seines Kalibers kaum realistisch.
Red Bull verbrachte den China-GP im Mittelfeld – und der Freitag in Japan deutet darauf hin, dass man weiterhin genau dort feststeckt. Verstappen zeigte sich nach FP2 sichtlich frustriert, sprach von völliger Balance- und Griplosigkeit und erklärte, das Auto habe zwischen zwei gegensätzlichen, aber gleichermaßen konkurrenzunfähigen Charakteristiken gewechselt.
Die Zahlen sind ernüchternd für das Team aus Milton Keynes: In den Qualifying-Simulationen fehlen beinahe eine ganze Sekunde (+0,92 Sekunden), auf den Longruns sogar über eine Sekunde (+1,03 Sekunden). Zwar ist Red Bull für nächtliche Setup-Wunder bekannt, doch Verstappen selbst warnte, dass es „sehr schwierig“ werde, an diesem Wochenende die entscheidende Lösung zu finden.
Hinter den Top drei gleicht das Mittelfeld einem Wespennest. Audi, Haas und Alpine liefern sich einen intensiven Kampf um die letzten Punkteränge.
Nico Hülkenberg zeigte sich positiv überrascht vom Tempo seines Audi, während das Haas-Duo Ollie Bearman und Esteban Ocon solide wirkte. Der eigentliche Geheimfavorit im Mittelfeld ist jedoch Alpine.

Auch wenn sie die Schlagzeilen-Zeitenlisten nicht anführten – das Team sprach selbst von kostspieligem Untersteuern im schnellen ersten Sektor – zeichnen unsere Daten mit viel Benzin an Bord ein ganz anderes Bild. Alpine verfügt derzeit über die viertbeste Rennsimulation (+0,99 Sekunden) und liegt damit vor Red Bull, Audi und Haas. Überstehen sie das Qualifying unbeschadet, sind solide Punkte am Sonntag absolut realistisch.
Am Ende des Feldes stehen derweil Williams, Aston Martin und Neueinsteiger Cadillac vor einer Mammutaufgabe. Das amerikanische Team liegt im Renntrimm aktuell +3,66 Sekunden hinter dem Maßstab zurück.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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