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Alpine-Berater Flavio Briatore hat die Unabhängigkeit eines Richters infrage gestellt, der dem Gremium des Internationalen FIA-Berufungsgerichts angehörte. Dieses hatte zuvor die Boxengassen-Strafen gegen Pierre Gasly wieder eingesetzt. Briatore wirft dem Richter eine zu große Nähe zum Konkurrenten McLaren vor.
Das Urteil des Gerichts vom Freitag setzte zwei 5-Sekunden-Strafen wieder in Kraft, die ursprünglich gegen Gasly wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxengasse verhängt worden waren. Der Alpine-Pilot hatte die Ziellinie als Dritter überquert, fiel nach Aufschlag der Zeitstrafen jedoch auf den siebten Rang zurück.
Alpine hatte zunächst erfolgreich ein Recht auf Überprüfung erwirkt, nachdem bekannt geworden war, dass dem offiziellen Zeitnehmer bei der Vermessung der Boxengasse ein Fehler unterlaufen war. Daraufhin zogen McLaren und Red Bull vor das Internationale Berufungsgericht. Isack Hadjar rückte dadurch zunächst auf Rang drei vor, verlor ihn zwischenzeitlich wieder und wurde nach der Entscheidung am Freitag schließlich endgültig als Dritter gewertet.
Die Hintergründe des Urteils sind in Pierre Gasly verliert Monaco-Podium nach FIA-Urteil endgültig zusammengefasst.
Kurz nach Urteilsverkündung äußerte sich Briatore in der FIA-Teamchef-Pressekonferenz. Er stellte klar, dass Alpine das sportliche Resultat zwar akzeptiere, kritisierte jedoch das Auftreten und den Hintergrund eines der vier Richter scharf.

„Zunächst einmal akzeptieren wir die Entscheidung. Was allerdings sehr merkwürdig ist: Von den vier Richtern im Gremium trat einer wie ein Staatsanwalt auf“, erklärte Briatore vor Journalisten, darunter RacingNews365.
Briatore behauptete, der betreffende Richter habe 2018 eine Rede für McLaren Special Operations in Beverly Hills gehalten. Zudem leite er eine Stiftung – die One Drop Foundation –, der McLaren ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt habe. Aus Briatores Sicht stelle dies einen inakzeptablen Interessenkonflikt dar, da McLaren direkt an dem Verfahren beteiligt war.
„Einer der Richter hatte Verbindungen zu einem Team, das gegen uns protestiert hat“, monierte er.
Briatore wies zugleich die Argumentation von McLaren-Teamchef Andrea Stella zurück, der die Berufung mit dem Schutz der sportlichen Integrität begründet hatte. Das Kernproblem sei die mangelnde Unparteilichkeit des Richters und nicht das Regelwerk rund um Gaslys Strafen.
„Das Gremium sollte vollkommen unabhängig sein. Man braucht dort niemanden, der Verbindungen zu einem Team hat – insbesondere nicht zu dem Team, das in diesem Fall gegen uns vorgeht“, betonte Briatore.
Er fügte hinzu, dass Alpine vor der Anhörung keine Kenntnis von dieser Verbindung gehabt habe. Der Richter sei „sehr bösartig“ aufgetreten und habe sich wie ein Ankläger verhalten. Briatore resümierte, dass das Team den Ausgang zwar hinnehme, gegenwärtig jedoch weitere Schritte prüfe. Zugleich wiederholte er seine Kernfrage: „Warum saß jemand mit Verbindungen zu McLaren in diesem Fall im Richtergremium?“

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.