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Mercedes machte genau dort weiter, wo das Team in Melbourne aufgehört hatte: George Russell führte im ersten Freien Training zum Großen Preis von China 2026, dem ersten Sprint-Wochenende der Saison, eine Doppelführung der Silberpfeile an. Auf dem 5,451 Kilometer langen Shanghai International Circuit blieb Russells Bestzeit von 1:32,741 unerreicht, Rookie-Teamkollege Kimi Antonelli lag in einer beeindruckenden Vorstellung nur 0,120 Sekunden zurück.
Dahinter lieferten sich McLaren und Ferrari ein enges Duell, während Red Bull bei kühlen, aber sonnigen Bedingungen überraschend blass blieb.
Russells schnellste Runde gelang ihm zur Mitte der Session auf einem neuen Satz weicher Reifen. Doch besonders auffällig war seine Kontrolle sowohl auf den Medium- als auch auf den Soft-Reifen. Bereits früh setzte er sich auf den Mediums an die Spitze und gab die Führung nicht mehr ab.

Antonelli unterstrich erneut seine Reife. Der Italiener, der bereits in Australien mit einer starken Leistung auf sich aufmerksam gemacht hatte, fuhr auf neuen Softs eine 1:32,861 und wirkte bereit, seinen Teamkollegen ernsthaft herauszufordern. Bemerkenswert: Seine Bestzeit setzte er erst in seiner zweiten schnellen Runde – ein Hinweis darauf, dass sogar noch mehr Tempo möglich gewesen wäre.
Auch die Longrun-Daten von Mercedes auf gebrauchten Mediums wirkten konstant. Das deutet darauf hin, dass das Team nicht nur über eine schnelle Runde stark ist, sondern bereits gut für den Sprint und den Grand Prix am Sonntag aufgestellt scheint.
Mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung auf das nächstbeste Nicht-Mercedes-Auto bleibt der Konkurrenz vor dem Sprint-Qualifying noch einiges an Arbeit.
Lando Norris führte die Verfolger mit einer 1:33,296 auf Rang drei an und steigerte sich gegen Ende der Session, als sich die Strecke weiter verbesserte. Oscar Piastri folgte dicht dahinter auf Platz vier, nur 0,176 Sekunden langsamer als sein Teamkollege.
Beide McLaren absolvierten umfangreiche Programme auf den Medium-Reifen, bevor sie auf Softs wechselten – ein klarer Hinweis darauf, dass der Fokus zunächst auf der Rennvorbereitung lag, ehe man auf Zeitenjagd ging.

Ferrari reihte sich auf den Plätzen fünf und sechs ein, Charles Leclerc vor Lewis Hamilton. Leclercs 1:33,599 hielt ihn innerhalb einer Sekunde von Russell, auch wenn ein später Ausritt in der letzten Kurve – mit einem Abstecher ins Kiesbett – zeigte, wie gering der Grip abseits der Ideallinie noch ist.
Hamiltons Session verlief turbulenter. Nach leichtem Kontakt mit Norris in Kurve 16 – der Vorfall wurde untersucht, jedoch ohne weitere Maßnahmen – drehte sich der Brite und blockierte sich die Reifen. Er wechselte früh auf Softs und steigerte sich schrittweise bis auf Rang sechs. Ferraris viel diskutierter „Flip-Flop“-Heckflügel kam ebenfalls zum Einsatz; das Team evaluierte weiterhin das Verhalten beim Bremsen sowie den Topspeed-Gewinn auf der langen Gegengeraden in Shanghai.

Max Verstappen kam nicht über Rang acht hinaus und lag 1,8 Sekunden hinter Russells Bestzeit. Isack Hadjar belegte lediglich Platz 13. Beide Fahrer absolvierten ihre Programme ohne Zwischenfälle, doch es fehlte die Schärfe, die Mercedes und McLaren an den Tag legten.
Im Gegensatz dazu überzeugte Oliver Bearman erneut für Haas. Als Siebter – nur 0,029 Sekunden schneller als Verstappen – setzt der Brite seinen starken Eindruck in der Saison 2026 fort. Nico Hülkenberg stellte den Audi auf Rang neun, Pierre Gasly komplettierte die Top 10 für Alpine.
Das Mittelfeld präsentiert sich extrem eng. Racing Bulls, Audi, Haas und Alpine scheinen nur durch Zehntelsekunden getrennt zu sein – eine vielversprechende Ausgangslage vor dem kurzen und intensiven Sprint-Qualifying-Format.

Der Grip war über die gesamte Stunde hinweg Mangelware. Franco Colapinto drehte sich früh, während Hamiltons Verbremser mit anschließendem Dreher eine von mehreren Gelbphasen auslöste. Ein kurzes Virtuelles Safety Car (VSC) wegen Trümmerteilen unterbrach das Geschehen, doch eine größere Unterbrechung folgte, als Arvid Lindblad sein Auto mit einem technischen Defekt abstellen musste. Seine Session endete nach nur sechs Runden.
Auch Williams hatte mit Problemen zu kämpfen. Carlos Sainz verlor durch ein Datenproblem wertvolle Zeit und konnte erst spät mit Rang 17 noch etwas Schadensbegrenzung betreiben. Alex Albon wurde 16. und steht wegen eines möglichen Verstoßes bei einem Trainingsstart unter Untersuchung.
Cadillac und Aston Martin fanden kein Tempo, Sergio Perez bildete das Schlusslicht, Lance Stroll wurde 20.
Mit nur einer Trainingssession an einem Sprint-Wochenende steigt der Druck sofort. Mercedes wirkt über eine Runde – und womöglich auch über die Distanz – als Maßstab. McLaren ist voll dabei, Ferrari liegt in Schlagdistanz, sucht jedoch noch nach Feinschliff, und Red Bull steht vor einer ungewohnten Herausforderung.
Das Sprint-Qualifying wird erste echte Antworten liefern – doch nach dem FP1 in Shanghai haben die Silberpfeile den ersten Treffer gesetzt.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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