Jade Jacquet schreibt Geschichte mit erstem F4-Sieg in Frankreich

Jade Jacquet hat am Samstag in Lédenon Motorsport-Geschichte geschrieben und als erste Frau überhaupt ein Rennen in der französischen Formel-4-Meisterschaft gewonnen. Die 16-jährige Französin triumphierte in Lauf 2 und sicherte sich damit nicht nur ihren Premierensieg in der Serie, sondern stand als erste Fahrerin seit Gründung der Meisterschaft im Jahr 1993 ganz oben auf dem Gesamtpodium.
Auch wenn dieser Erfolg in einem Rennen mit umgekehrter Startaufstellung (Reverse Grid) gelang, handelte es sich keineswegs um ein reines Verwalten der geerbten Pole-Position.
Jacquet hatte sich am Freitag in einem 30 Fahrzeuge starken Fahrerfeld für den zehnten Startplatz qualifiziert, was ihr durch die Reverse-Grid-Regel der Top 10 die Pole für Rennen 2 einbrachte. Der Samstag hatte für sie zunächst frustrierend begonnen: Nach dem Start von Rang zehn musste sie Rennen 1 vorzeitig aufgeben. Doch nur wenige Stunden später bot sich ihr die nächste Chance – und diesmal nutzte sie diese konsequent.
Jacquet erwischte einen sauberen Start und wehrte die Angriffe des Belgiers Thibaut Ramaekers ab, der aktuell zu den absoluten Spitzenreitern der französischen F4 zählt. Anschließend baute sie ihren Vorsprung an der Spitze kontinuierlich aus und sicherte sich sogar die schnellste Rennrunde, ehe eine Safety-Car-Phase ihren Vorsprung egalisierte.
Der folgende Restart stellte wohl die härteste Bewährungsprobe des Rennens dar. Mit dem dicht zusammengeschobenen Feld im Rückspiegel und Ramaekers direkt im Nacken musste Jacquet ihre Nervenstärke erneut unter Beweis stellen.
Und genau das tat sie.
Jacquet meisterte den Restart perfekt, setzte sich sofort wieder ab und kontrollierte das Geschehen souverän bis zur Zielflagge. Ramaekers belegte den zweiten Platz, während der Australier Lewis Francis das Podium als Dritter komplettierte.
Für Jacquet ist dieser Triumph nach einer anspruchsvollen Saison von besonderer Bedeutung. Nachdem sie 2025 eine komplette Saison in der französischen F4 bestritten hatte, wechselte sie in diesem Jahr für ART Grand Prix in die F1 ACADEMY, unterstützt von der Williams Racing Driver Academy. Ausgewählte Einsätze in der französischen F4 blieben jedoch fester Bestandteil ihres Programms für 2026, um ihr neben den F1-Academy-Wochenenden wertvolle zusätzliche Fahrpraxis zu verschaffen.
In Lédenon zahlte sich genau diese Erfahrung nun aus.

Historischer Triumph in einem Meilenstein-Jahr für Fahrerinnen
Jacquets historischer Sieg fällt in eine Saison, in der so viele Frauen wie noch nie zuvor in der französischen F4 an den Start gehen.
Für 2026 führte der französische Motorsportverband FFSA eine eigene Damen-Wertung (French Women’s F4 Championship) ein, nachdem die Anzahl der teilnehmenden Pilotinnen spürbar gewachsen war. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Serie mit anderen Fahrzeugen oder separaten Rennen. Die Fahrerinnen treten regulär im selben Feld der französischen F4 gegen die gesamte Konkurrenz an, sammeln jedoch zusätzlich Punkte für eine eigene Damen-Wertung, basierend auf ihren Platzierungen untereinander.
Zudem gibt es bei jedem Rennen ein eigenes Damen-Podium, und die Punkte fließen in eine Gesamtwertung über die gesamte Saison ein. Obwohl die Trophäe parallel zur Hauptmeisterschaft ausgetragen wird, handelt es sich um einen offiziellen Titel und nicht bloß um ein statistisches Ranking.
Im Fall von Jacquet gibt es allerdings ein bemerkenswertes Detail.
Da sie in diesem Jahr parallel zu ihrem F1-Academy-Engagement nur an ausgewählten Läufen der französischen F4 teilnimmt, ist sie für die Punkte in der Damen-Meisterschaft nicht wertungsberechtigt. Dasselbe gilt für ihre F1-Academy-Kollegin Lisa Billard. Beide dürfen regulär antreten und bei den einzelnen Veranstaltungen auch auf das Damen-Podium steigen, im finalen Titelkampf am Saisonende spielen sie jedoch reglementbedingt keine Rolle.
Damit wird Jacquet zwar nicht die erste Meisterin der französischen Damen-F4-Wertung werden.
Stattdessen hat sie etwas geschafft, das zweifellos noch viel höher einzuschätzen ist: Sie hat als erste Frau überhaupt ein Rennen der französischen F4 im Gesamtklassement gewonnen – und sich dabei gegen das komplette Fahrerfeld durchgesetzt.
Ganz gleich, wie die neue Damen-Wertung in dieser Saison ausgeht: Dieser Eintrag in den Geschichtsbüchern der französischen F4 ist ihr für immer sicher.