Rob Smedley fordert neue F1-Stewards für schnellere Urteile

Der ehemalige Ferrari- und Williams-Renningenieur Rob Smedley hat sich dafür ausgesprochen, in der Formel 1 eine erweiterte Stewarding-Gruppe („augmented stewarding group“) einzuführen. Ziel soll es sein, Entscheidungen während des Rennens deutlich zu beschleunigen und zu verhindern, dass offensichtliche Zwischenfälle auf der Strecke erst lange nach dem Fallen der Zielflagge verhandelt werden.
Im Podcast High Performance Racing, an dem er gemeinsam mit Moderator Jake Humphrey und dem früheren Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer teilnahm, betonte Smedley, dass die amtierenden FIA-Rennkommissare häufig an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Dadurch sei es ihnen kaum möglich, jeden Zwischenfall live aufzuklären, ohne den laufenden Rennbetrieb zu beeinträchtigen. Rob Smedley kritisierte, dass alltägliche Kollisionen unter dem aktuellen System regelmäßig in unnötige Verzögerungen nach Rennende münden.
„Man sieht manchmal diese Meldungen ‚[Vorfall] wird nach dem Rennen untersucht‘ und denkt sich einfach: Das ist doch völlig eindeutig“, erklärte Smedley. „Wenn man hinter die Kulissen blickt, ist der Grund dafür schlicht, dass alle Rennkommissare mit dem laufenden Rennen extrem ausgelastet sind. Man kann das Rennen ja nicht anhalten und sagen: ‚Lasst jetzt erst die Stewards entscheiden.‘ Aber es könnte eine zusätzliche Stewarding-Gruppe geben, die in der Lage ist, solche Fälle viel schneller abzuarbeiten.“

Schnellere Urteile während des Rennens
Nach Smedleys Vorstoß sollten Untersuchungen nach Rennende strikt den hochkomplexen Fällen vorbehalten bleiben, anstatt für klare Vergehen auf der Rennstrecke herangezogen zu werden.
„Es sollte nach dem Rennen weiterhin die Möglichkeit für Untersuchungen geben – allerdings nur für wirklich komplexe Sachverhalte. Der Rest sollte einfach direkt abgearbeitet werden“, fügte er hinzu.
Klare Trennung zwischen Rennunfällen und Technik-Verstößen
Während er sich für zügigere Urteile bei Zwischenfällen auf der Strecke ausspricht, räumte Smedley ein, dass die technische Nachuntersuchung und vorläufige Klassement-Wertungen ein unverzichtbarer Bestandteil der Formel 1 bleiben. Mit Verweis auf Punkte von Szafnauer bezüglich der Reglement-Einhaltung unterstrich Smedley, dass technische Überprüfungen nach dem Rennen naturgemäß Zeit zum Messen und Auswerten erfordern.
„Man kann das nicht komplett abschaffen, genauso wenig wie man darauf verzichten kann, dass das Rennergebnis direkt nach der Zieldurchfahrt vorläufig ist. Genau wie Otmar sagte: Es geht darum, Missstände zu korrigieren, falls ein Regelverstoß vorlag, der zuvor unbemerkt blieb. Das muss man nach dem Rennen geraderücken“, so Smedley.
„Davon gab es schon etliche Fälle: zu viel Abrieb an der Bodenplatte, Heckflügel auf der falschen Höhe, ein zu großer oder zu kleiner Spalt im DRS-Flügel, Untergewicht und all diese Dinge. Das muss man berücksichtigen. Es ist ein technischer Sport, und deshalb kann man über die technischen Details erst nach dem Rennen urteilen, weil man erst messen muss.“
