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Kimi Antonelli setzte in Shanghai ein Ausrufezeichen für eine ganze Generation: Mit seiner Pole-Position für den Großen Preis von China 2026 ist er nun der jüngste Pole-Setter der Formel-1-Geschichte. Bereits in Runde 2 der Saison distanzierte der erst 19-jährige Mercedes-Pilot Teamleader George Russell in einem dramatischen und von Zwischenfällen geprägten Qualifying auf dem 5,451 km langen Shanghai International Circuit.
Antonellis Bestzeit von 1:32,064 in Q3 war unangreifbar. Unter enormem Druck setzte er genau im entscheidenden Moment die schnellsten Sektorzeiten, steigerte sich von Run zu Run und setzte schließlich auf seinem letzten Satz frischer Soft-Reifen den entscheidenden Schlag.

Er schlug Russell um 0,222 Sekunden – ein beachtlicher Vorsprung, wenn man bedenkt, dass der Brite in Q3 nach einem Elektrikproblem nur eine saubere fliegende Runde hatte und im ersten Gang zurück an die Box humpelte. Russells Comeback mit Startplatz zwei war beeindruckend, doch dieser Moment gehörte eindeutig Antonelli.
Mercedes absolvierte mit beiden Fahrern jeweils fünf Soft-Stints und holte trotz kleinerer Zuverlässigkeitsprobleme das Maximum heraus. Antonelli gewann über Q2 und Q3 hinweg stetig an Selbstvertrauen und optimierte insbesondere seinen letzten Sektor – zuvor eine Schwachstelle – um sich die Pole zu sichern.

Während Mercedes die erste Startreihe komplett belegte, ist Ferrari bedrohlich nah dran. Lewis Hamilton qualifizierte sich als Dritter, nur 0,351 Sekunden hinter der Pole und gerade einmal 0,013 Sekunden vor Charles Leclerc auf Rang vier.
Hamiltons Fortschritte sind deutlich sichtbar. Nachdem er in Australien noch acht Zehntel zurücklag, hat er den Abstand drastisch verkürzt und fühlt sich im Ferrari zunehmend wohl. „Der Abstand wird kleiner“, sagte er – und die Zahlen geben ihm recht.
Ferrari setzte im Verlauf der Session auf unterschiedliche Reifenstrategien, begann früh mit gebrauchten Mediums und wechselte in den entscheidenden Phasen auf neue Softs. Beide Fahrer zeigten starke Ein-Runden-Pace. Entscheidend: Ferrari erwischte in dieser Saison bislang exzellente Starts. Mit der langen Anfahrt zu Kurve 1 in Shanghai ist es gut möglich, dass am Ende der ersten Runde ein rotes Auto führt.

Oscar Piastri setzte sich um eine halbe Zehntel gegen Lando Norris durch und sicherte sich Rang fünf, doch McLaren liegt weiterhin einen halben Schritt hinter den Topteams. Piastris 1:32,550 war sauber gefahren, aber dennoch fast eine halbe Sekunde langsamer als die Pole-Zeit.
Das Team aus Woking scheint klar drittschnellste Kraft zu sein – zu schnell für das Mittelfeld, aber ohne den letzten Punch, um Mercedes und Ferrari ohne äußere Faktoren wie Safety-Car-Phasen oder strategische Wendungen ernsthaft herauszufordern.
Nachdem Max Verstappen den Sprint als „Desaster“ bezeichnet hatte, erlebte er auch im Qualifying eine frustrierende Session. Der amtierende Weltmeister kam nicht über Rang acht hinaus und lag 0,938 Sekunden hinter der Pole – sogar hinter Pierre Gasly, der mit Platz sieben für Alpine ein starkes Ausrufezeichen setzte.
Isack Hadjar wurde Neunter, nur 0,119 Sekunden hinter Verstappen – eine beeindruckende Leistung des Rookies, der seinem renommierten Teamkollegen weiterhin dicht auf den Fersen bleibt.
Der Geschwindigkeitsrückstand von Red Bull ist offensichtlich. Ob es an den Streckencharakteristika oder an anhaltenden Zuverlässigkeitsproblemen liegt – der RB22 ist hier klar nicht das Maß der Dinge.

Für Nico Hülkenberg und Franco Colapinto endete Q2 mit einer Enttäuschung: Sie verpassten Q3 um lediglich 0,002 Sekunden beziehungsweise 0,005 Sekunden. Eine späte Drehung von Gabriel Bortoleto sorgte für Gelbe Flaggen und beeinträchtigte mehrere letzte schnelle Runden.
Oliver Bearman komplettierte für Haas die Top 10 und bestätigte seine starke Form nach Punkten im Sprint. Gaslys siebter Platz war womöglich eine der Leistungen des Tages – er qualifizierte sich in einem Auto mit echter Ein-Runden-Stärke vor beiden Red Bulls.

Das Qualifying unterstrich ein zentrales Thema des Wochenendes: Die Zuverlässigkeit bleibt ein Fragezeichen. Russells Elektrikproblem, anhaltende Schwierigkeiten bei Racing Bulls, Audi und Cadillac sowie mehrere gestrichene Runden aufgrund doppelter Gelbphasen deuten auf mögliches Chaos am Renntag hin.
Der Reifenverschleiß war bereits im Sprint erheblich, und mit steigenden Temperaturen wird die Strategie zur Gratwanderung. Mercedes wirkte in freier Fahrt dominant – doch sollte Antonelli den Start erneut verlieren, wie schon früher an diesem Wochenende, wird Ferrari sofort zuschlagen.
Alle Augen richten sich nun auf den Start um 15:00 Uhr Ortszeit. Kann Antonelli seinen historischen Erfolg in einen Sieg verwandeln? Oder verderben Ferraris Startstärke und Russells Titelambitionen die Party?
Shanghai ist bereit für einen Thriller.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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