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Red Bulls Formel-1-Saison 2026 ist erst drei Rennen alt, doch das Ausmaß der Herausforderung für das Team aus Milton Keynes zeichnet sich bereits deutlich ab. Mit nur 16 Punkten auf Rang sechs der Konstrukteurswertung bleiben die Erwartungen klar unerfüllt – und nun steht der Rennstall vor einer richtungsweisenden finanziellen und technischen Entscheidung.
Angesichts des begrenzten Spielraums unter der Kostenobergrenze und eines problembehafteten RB22 muss Teamchef und CEO Laurent Mekies entscheiden, ob er alles daransetzt, die Saison 2026 noch zu retten, oder den Fokus konsequent auf 2027 verlagert.
Die Saison 2026 brachte umfassende Regeländerungen mit sich – bei Motoren, Chassis, Aerodynamik und Reifen. Red Bull startete in diese neue Ära erstmals als eigener Motorenhersteller – ein strategischer Meilenstein, der die ohnehin anspruchsvolle Aufgabe zusätzlich verkompliziert.
Auf der Strecke spiegeln die Ergebnisse die Schwierigkeiten wider. Pierre Gaslys sechster Platz in China und Rang sieben in Japan hievten Alpine in der Gesamtwertung an Red Bull vorbei, auch Haas liegt davor. Max Verstappens bestes Resultat bislang ist Rang sechs in Australien, gefolgt von Platz acht in Japan. Isack Hadjar wurde in China Achter, kam in Japan jedoch nicht über Rang zwölf hinaus.
Währenddessen profitieren Haas und Alpine von ihren Ferrari- beziehungsweise Mercedes-Antrieben – und Red Bull sucht an mehreren Fronten nach Lösungen.

Das drängendste Problem scheint das Auto selbst zu sein.
Verstappen bezeichnete den RB22 nach Platz elf im Qualifying in Japan als „unfahrbar“ und verwies auf gravierende Balanceprobleme. Bereits eine Woche zuvor in China hatte er das Sprint-Qualifying aus ähnlichen Gründen als „Desaster“ bezeichnet. Auch Hadjar schlug in Japan in die gleiche Kerbe: Nach Platz zwölf nannte er den Wagen „unfahrbar“ und sogar „gefährlich“.
Laut SoyMotor sieht Red Bull vor allem beim Chassis und beim Aerodynamikpaket dringenden Handlungsbedarf. Allerdings hat das Team offenbar keinen ausreichend großen Teil seines Budgets unter der Kostenobergrenze für 2026 eingeplant, um die Schwächen des Autos im Saisonverlauf vollständig zu beheben.
Zwar wurden Mittel für die Weiterentwicklung während der Saison vorgesehen, doch das Ausmaß der frühen Probleme deutet darauf hin, dass deutlich höhere Investitionen nötig wären. Damit steht Red Bull vor einer klaren Entscheidung: eine B-Spezifikation des RB22 entwickeln, um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen – oder die Saison 2026 faktisch abschreiben und die Ressourcen auf 2027 konzentrieren.
Die Formel 1 hat die Kostenobergrenze für 2026 angesichts der neuen Regularien auf 215 Millionen US-Dollar (163 Millionen Pfund) angehoben. Bestimmte Ausgaben – darunter Fahrergehälter, die Gehälter der drei bestbezahlten Mitarbeiter sowie Marketing- und Hospitality-Kosten – sind weiterhin ausgenommen.
Dennoch scheint Red Bulls Budget nicht auszureichen, um sowohl eine umfassende Überarbeitung des RB22 als auch ein optimal vorbereitetes 2027er-Projekt zu finanzieren. Jede zusätzliche Investition in das aktuelle Auto ginge zulasten des Entwicklungsbudgets für das kommende Jahr.
Neben den Finanzen spielt auch die Windkanalzeit eine entscheidende Rolle. Red Bull stehen in der ersten Hälfte des Jahres 2026 basierend auf dem Konstrukteurs-Ergebnis von 2025 insgesamt 256 Runs zu. Nur McLaren (224) und Mercedes (240) haben weniger Versuche zur Verfügung, während Alpine – Schlusslicht der Saison 2025 – 368 Runs nutzen darf.

Mekies steht nun vor einer Schlüsselfrage. Massive Investitionen in den RB22 könnten 2026 zumindest in puncto Ansehen und Punkteausbeute retten, jedoch die Vorbereitung auf 2027 beeinträchtigen. Ein früher Fokuswechsel auf das nächste Projekt könnte die langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern – birgt jedoch das Risiko, diese Saison praktisch aufzugeben.
In einem finanziell eng regulierten Umfeld hat jeder Entwicklungsschritt Konsequenzen. Für Red Bull könnte die nächste Entscheidung nicht nur die Erholung im Jahr 2026 bestimmen, sondern auch das Fundament für die Zukunft in der neuen Ära der Formel 1 legen.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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