
Wird geladen

Max Verstappens Formel-1-Saison 2026 hat überraschend frustrierend begonnen: Nach zwei Rennwochenenden liegt der viermalige Weltmeister nur auf Rang acht der Gesamtwertung.
Was in Melbourne zunächst wie ein noch kontrollierbarer Saisonauftakt wirkte, entwickelte sich rasch zu einer deutlich besorgniserregenderen Entwicklung für Red Bull. Zwar gab es erste positive Ansätze – insbesondere nach dem Optimismus in der Vorsaison rund um die neue, im eigenen Haus entwickelte Power Unit des Teams –, doch das zweite Rennwochenende in China legte tiefere strukturelle Probleme offen, allen voran beim Rennstart.

Verstappens Saisonauftakt in Australien verlief alles andere als reibungslos. Nach einem Unfall in Q1 startete er vom 20. Platz und kämpfte sich noch auf Rang sechs nach vorne – ein Ergebnis, das unter den Umständen eher Schadensbegrenzung als Enttäuschung bedeutete.
Zu diesem Zeitpunkt schien Red Bull in einem engen Duell mit McLaren um die dritte Kraft im Feld zu stehen. Es war kein dominantes Bild, aber auch noch keine Krise.
Doch schon in Melbourne zeigten sich erste Warnsignale.
Verstappen erwischte einen schlechten Start und nannte später „keine Batterie“ als Ursache. Das Problem betraf nicht nur sein Auto. Teamkollege Isack Hadjar kam von Startplatz drei stark weg und griff kurzzeitig nach der Führung, musste dann jedoch aufgrund fehlender Batterieleistung zurückstecken und schied später aus.
Diese Unbeständigkeit beim Start hat sich inzwischen zu einer klaren Schwachstelle entwickelt.

Mit den neuen Regularien für 2026 ist das Startverfahren komplexer geworden – insbesondere nach dem Wegfall des MGU-H. Die Fahrer müssen ihre Motoren nun mindestens zehn Sekunden lang deutlich höher drehen lassen, um den Turbolader auf Drehzahl zu bringen, und gleichzeitig auf der Einführungsrunde ausreichend Energie rekuperieren, um beim Start optimal beschleunigen zu können.
Dieses empfindliche Gleichgewicht bereitet Verstappen bislang Probleme.

Wenn Melbourne bereits auf grundlegende Schwierigkeiten hindeutete, bestätigte China diese.
Red Bull fehlte das gesamte Wochenende über das Tempo in Shanghai. Verstappen qualifizierte sich für das Sprintrennen als Achter, zwei Plätze vor Hadjar und 1,7 Sekunden hinter Pole-Setter George Russell.
„Der ganze Tag war eine Katastrophe, was die Pace angeht“, gestand Verstappen nach dem Qualifying. „Kein Grip. Ehrlich gesagt ist das unser größtes Problem – kein Grip, keine Balance, wir verlieren massiv Zeit in den Kurven.“
Der Start zum Sprint verschärfte die Sorgen von Red Bull weiter. Verstappen fiel in der ersten Runde von Platz acht auf Rang 15 zurück und blieb erstmals seit Einführung des Formats 2021 in einem Sprint ohne Punkte.
Auf das wiederkehrende Problem angesprochen, fiel seine Antwort bezeichnend aus.
„Ehrlich gesagt habe ich gar nicht nachgefragt. Sie haben gesagt, sie werden es beheben. Ich hoffe also, dass es morgen besser ist. Es hilft ein bisschen, die Position zu halten, statt das Rennen von P20 zu beginnen.“
Doch das Problem blieb bestehen.
Obwohl er sich erneut als Achter für den Grand Prix qualifizierte – und McLaren diesmal nicht in Reihe drei stand –, lag Verstappen bereits in Runde zwei nur noch auf Platz elf. Der missglückte Start bestimmte den Ton für ein weiteres schwieriges Rennen, geprägt von starkem Graining an den Reifen und fehlender Wettbewerbsfähigkeit. In Runde 46 schied er schließlich auf Rang sechs liegend mit einem Defekt an der Power Unit aus.
„Es war zu erwarten“, sagte Verstappen über den schwierigen Tag. „Aber der Start war natürlich wieder ein großes Problem, genau wie gestern. Der Rest des Rennens war ebenfalls wie gestern: viel Graining, ich konnte nicht pushen, schreckliche Pace, schreckliche Balance. Es war einfach ein sehr schlechtes Wochenende für uns.“
Auf den dritten misslungenen Start in Folge angesprochen, wurde er deutlich:
„Hier waren die beiden Probleme identisch. Ich habe einfach keine Leistung. Sobald ich die Kupplung kommen lasse, ist der Motor nicht da.“

Die zentrale Frage lautet nun: Hat Shanghai das wahre Leistungsniveau von Red Bull offengelegt – oder haben die Streckencharakteristika die Schwächen lediglich besonders stark hervortreten lassen, die unter den 2026er-Regeln anderswo weniger gravierend sein könnten?
Verstappen selbst zeigte sich in seiner Einschätzung vorsichtig.
„Ich hoffe nicht, aber ich weiß es nicht, das ist unmöglich zu sagen. Ich war nie auch nur annähernd auf Augenhöhe mit Mercedes oder Ferrari. Aber dieses Wochenende war besonders schlecht.“
Hadjars achter Platz bot in China zumindest einen kleinen Lichtblick, doch das Gesamtbild bleibt besorgniserregend. Ein Auto ohne Grip, ohne Balance und ohne Durchzug beim Start – kombiniert mit einem komplexen neuen Startprozedere – lässt kaum Spielraum zur Schadensbegrenzung.
Nach zwei Rennwochenenden ist der Optimismus zum Saisonbeginn bei Red Bull einer spürbaren Unsicherheit gewichen – und für Verstappen wird der Grat zwischen Aufholjagd und sportlicher Bedeutungslosigkeit alarmierend schmal.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
Möchten Sie einen Kommentar hinzufügen? Laden Sie unsere App herunter, um an der Unterhaltung teilzunehmen!
Kommentare
Noch keine Kommentare
Seien Sie der Erste, der Ihre Gedanken teilt!