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Wenn du die Formel-1-Saison 2026 verfolgt hast, hast du Kommentatoren, Fahrer und Teamchefs mit Sicherheit über ein höchst kontroverses Schlagwort diskutieren hören: Super Clipping.
Es hat für enorme Geschwindigkeitsunterschiede auf den Geraden gesorgt, Qualifying-Runden ruiniert und hitzige Debatten über die Fahrersicherheit ausgelöst. Doch was genau ist Super Clipping? Warum ist es plötzlich zum entscheidenden taktischen Schlachtfeld der neuen Ära geworden – und wie lässt es sich mithilfe von Daten überhaupt erkennen?
Tauchen wir in die physikalischen Gegebenheiten des 2026er-Reglements ein und schauen uns Schritt für Schritt an, wie wir Super Clipping anhand roher Formel-1-Daten berechnen.
Um Super Clipping zu verstehen, müssen wir zunächst den massiven Wandel im Motorenreglement 2026 betrachten. Die Leistung der Fahrzeuge wird nun etwa zu gleichen Teilen vom Verbrennungsmotor (ICE) und vom elektrischen Hybridsystem bereitgestellt. Da die Autos stark auf die elektrische Energieabgabe angewiesen sind (rund 350 kW stammen aus der Batterie), kämpfen sie über eine gesamte Runde hinweg mit einem erheblichen Energiedefizit.
Um die Batterie für spätere Leistungsabgabe wieder aufzuladen, sind die Teams gezwungen, besonders aggressive Rekuperationsstrategien einzusetzen.
Traditionell gewinnt ein Auto Energie zurück, wenn der Fahrer vom Gas geht und in eine Bremszone hineinrollt. Super Clipping hingegen tritt auf, wenn die MGU-K des Fahrzeugs in einen aggressiven Rekuperationsmodus schaltet, während der Fahrer das Gaspedal weiterhin zu 100 % durchgedrückt hält.

Stell dir vor, du fliegst die Start-Ziel-Gerade in Monza entlang. Dein Fuß ist am Anschlag, maximale Leistung wird abgerufen. Doch das System des Fahrzeugs erkennt, dass nicht genügend Batterieladung vorhanden ist, um dich in der nächsten Runde gegen das nachfolgende Auto zu verteidigen.
Das System greift ein. Es entzieht den Hinterrädern bis zu 250 kW Leistung und speist diese zurück in die Batterie. Das physikalische Ergebnis? Das Auto hört auf zu beschleunigen und beginnt sogar, an Höchstgeschwindigkeit zu verlieren – obwohl der Verbrennungsmotor weiterhin unter Volllast arbeitet.
Es wirkt wie ein unsichtbarer Fallschirm, der bei über 300 km/h ausgelöst wird. Diese unerwartete Verzögerung erklärt die enormen Annäherungsgeschwindigkeiten zwischen den Autos – und macht aus einem normalen Überholmanöver ein riskantes Nervenpoker.
Um Super Clipping nachzuweisen, müssen wir genau die Momente identifizieren, in denen die physikalischen Gesetze den Fahrerinputs widersprechen.
Für die Analyse einer Runde benötigen wir vier zentrale Datenkanäle: Gas, Bremse, Geschwindigkeit und Zeit. Speisen wir diese Daten in unsere Algorithmen ein, können wir mithilfe einer kinematischen Analyse Super-Clipping-Ereignisse isolieren. So funktioniert die Logik Schritt für Schritt:
Zunächst betrachten wir, was der Fahrer vom Auto verlangt. Wir filtern die Telemetrie nach Momenten, in denen maximale Beschleunigung gefordert wird. Dafür definieren wir folgende Schwellenwerte:
Hohes Gaspedal: Das Gaspedal ist praktisch vollständig durchgedrückt (in der Regel über 98 % oder 99 %, um Sensorausreißer zu berücksichtigen).
Kein Bremsdruck: Das Bremspedal wird nicht betätigt. Wenn ein Fahrer mit leichtem Bremsdruck bei gleichzeitigem Gasgeben arbeitet (etwa zur Stabilisierung des Differenzials), kann die Geschwindigkeit natürlich sinken – diese Situationen müssen ausgeschlossen werden, um Fehlalarme zu vermeiden.
Anschließend analysieren wir, was das Auto tatsächlich macht. Wenn ein Verbrennungsmotor im höchsten Gang aufgrund des Luftwiderstands an seine Leistungsgrenze kommt, nähert sich die Beschleunigung allmählich null. Die Geschwindigkeit stagniert.
Wenn jedoch die MGU-K stark rekuperiert, fällt die Beschleunigung abrupt in den negativen Bereich. Mithilfe grundlegender physikalischer Prinzipien berechnen wir die Beschleunigung, indem wir die Geschwindigkeitsänderung durch die Zeitänderung teilen.
Fordert der Fahrer volle Beschleunigung, während das Fahrzeug kinematisch tatsächlich verzögert, haben wir den Auslöser für Super Clipping identifiziert.

Die Telemetriesensoren in der Formel 1 sind extrem empfindlich. Ein Auto, das mit 320 km/h unterwegs ist, kann einen Sekundenbruchteil später 319,9 km/h anzeigen – etwa durch Bodenwellen oder minimale Sensorsignalschwankungen.
Um unsere Berechnungen belastbar zu machen, wenden wir strenge Filter an:
Mindest-Geschwindigkeitsabfall: Die Geschwindigkeit muss zwischen zwei Datenpunkten um einen klar definierten Wert sinken (z. B. mehr als 0,5 km/h), um Mikroschwankungen auszuschließen.
Mindestdauer: Ein Super Clip ist kein Messfehler, sondern ein anhaltendes Rekuperationsereignis. Wir berechnen die Zeitdifferenz zwischen den Datenpunkten und verlangen eine Mindestdauer der Verzögerung (typischerweise etwa 0,5 bis 0,8 Sekunden).
Treffen all diese Bedingungen zu – Gaspedal voll durchgedrückt, keine Bremse, deutlicher Geschwindigkeitsabfall und ausreichende Dauer –, haben wir ein Super-Clipping-Segment erfolgreich identifiziert. Anschließend können wir exakt bestimmen, wo auf der Strecke es auftrat und wie viel Geschwindigkeit der Fahrer verloren hat.
Die Berechnung dieser lokalen Hotspots erfordert Millionen von Telemetriedatenzeilen, komplexe Vektormathematik und hochoptimierte Verarbeitungsprozesse. Zum Glück musst du keinen einzigen Code schreiben, um zu sehen, wie sich das auf deinen Lieblingsfahrer auswirkt.
Wir übernehmen die gesamte Analyse für dich. Egal, ob du wissen möchtest, wo Max Verstappen in Suzuka rekuperieren musste, oder die Super-Clipping-Dauer von Charles Leclerc mit der von George Russell vergleichen willst – du erhältst sofort vollständige Rundenanalysen und Streckenkarten.
Bereit, in die Daten einzutauchen? Lade die F1 Live Pulse App herunter und erhalte Echtzeit-Einblicke direkt auf dein Smartphone – oder analysiere das Starterfeld wie ein Profi-Stratege in unserer für Desktop optimierten Web-App.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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