GP Aserbaidschan 2026: Warum das Rennen samstags stattfindet

Die Formel-1-Saison 2026 wird in Aserbaidschan mit einem ungewöhnlichen Zeitplan fortgesetzt: Der Große Preis von Aserbaidschan findet bereits am Samstag, den 26. September, statt – und nicht wie gewohnt am Sonntag, den 27. September.
Ursprünglich war das Rennen für Sonntag angesetzt. Die Formel 1 bestätigte jedoch bereits im Juni des Vorjahres, dass die Verlegung „auf Ersuchen des Promoters in Aserbaidschan und der zuständigen Regierungsstellen“ erfolgte. Durch diese Anpassung wird das gesamte Rennwochenende um einen Tag vorverlegt, um Rücksicht auf den nationalen Gedenktag des Landes zu nehmen.
Der aserbaidschanische Gedenktag findet jedes Jahr am 27. September statt. Er ist den Angehörigen der Streitkräfte und den Opfern des Zweiten Bergkarabach-Krieges gewidmet, der vor Ort auch als Vaterländischer Krieg bezeichnet wird.
Dieses Datum besitzt eine besondere Tragweite, da der Konflikt in der umstrittenen Region Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien am 27. September 2020 ausbrach. Der Krieg dauerte 44 Tage und endete mit einem aserbaidschanischen Sieg, löste jedoch in Armenien massive regierungskritische Proteste aus. Nach Angaben der Regierung in Baku verloren während der Auseinandersetzungen 2.783 aserbaidschanische Soldaten ihr Leben.
Da der Gedenktag auf den Sonntag fällt, verschiebt sich der gesamte Ablauf des Formel-1-Wochenendes: Der Medientag rückt auf den Mittwoch vor, das erste und zweite Freie Training finden am Donnerstag statt, gefolgt vom dritten Training und dem Qualifying am Freitag. Das 51 Runden lange Rennen startet schließlich am Samstag.
Diese Verschiebung verleiht dem Wochenende in Baku eine ganz eigene Dynamik, bevor die Meisterschaft in ihre Überseephase nach Asien und Amerika startet. Zudem erwartet Williams mit einem B-Spec-Boliden in Baku einen großen Schritt nach vorn, was für zusätzliche Spannung beim ersten Grand Prix nach der europäischen Saisonphase sorgt.

Samstagsrennen sind selten, aber kein Einzelfall
Zwar gilt der Sonntag mittlerweile als klassischer Austragungstag für einen Formel-1-Grand-Prix, doch Samstagsrennen tauchten in der Geschichte der Königsklasse immer wieder auf.
Schon der allererste Weltmeisterschaftslauf überhaupt, der Große Preis von Großbritannien 1950 in Silverstone, wurde an einem Samstag ausgetragen. Das Rennen behielt diesen Termin sogar bis 1975 bei, weshalb Grands Prix abseits des Sonntags früher keineswegs die Ausnahme waren.
Auch das Indianapolis 500 zählte zwischen 1950 und 1960 offiziell zur Weltmeisterschaft. Traditionsgemäß fand das Ovalrennen stets am 30. Mai statt – fiel dieses Datum jedoch auf einen Sonntag, wurde der Start auf den darauffolgenden Tag verschoben.
Der Große Preis von Südafrika 1985 war schließlich das vorerst letzte Samstagsrennen, ehe Las Vegas 2023 in den Rennkalender zurückkehrte. Seither startet der Wüsten-Grand-Prix regelmäßig am Samstagabend. Auch in Bahrain und Saudi-Arabien wurde die Rennaction 2024 wegen des Beginns des Fastenmonats Ramadan kurzerhand auf den Samstag vorgezogen.
Die Auflage 2026 in Baku bricht also durchaus mit der Norm – ein Novum in den Geschichtsbüchern der Formel 1 ist sie allerdings nicht.
