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Pascal Wehrlein hat davor gewarnt, dass Teamorder den Ausgang des London E-Prix an diesem Wochenende beeinflussen könnte. Die Formel-E-Weltmeisterschaft 2025/26 geht in ihre entscheidende Phase.
Neun Fahrer reisen mit einer rechnerischen Titelchance nach Großbritannien. Die vier Spitzenreiter trennen gerade einmal 14 Punkte, während beim Saisonfinale im ExCeL noch 58 Zähler vergeben werden. Das dicht gedrängte Klassement rückt deshalb auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Hersteller und Kundenteams ihre Fahrzeuge beim Finale einsetzen könnten.
Jaguar geht mit Mitch Evans als aussichtsreichstem Titelkandidaten in das Rennen. Nissan wird durch Oliver Rowland vertreten, während Porsche mit Wehrlein und dem Andretti-Piloten Jake Dennis zwei wichtige Anwärter stellt. Dennis führt die Meisterschaft an, doch Wehrlein liegt nur fünf Punkte hinter ihm. Auch Mitch Evans peilt seinen Abschied von Jaguar als Formel-E-Weltmeister an.
Wehrlein bereiten vor allem Taktiken Sorgen, die darauf abzielen, den Titelkampf zu „manipulieren“, und nicht die normale Zusammenarbeit zwischen Teamkollegen, die auf der Strecke eng beieinanderliegen.
„In diesem Jahr wirkt es so, als gäbe es deutlich mehr Teamtaktiken als früher. Das gefällt mir nicht“, sagte Wehrlein gegenüber Motorsport.com. „Es ist ein Unterschied, ob man versucht, das Rennen absichtlich zu manipulieren, oder ob man einem Teamkollegen hilft, wenn man gemeinsam unterwegs ist. Dazwischen liegt ein großer Spielraum.“
Der Porsche-Fahrer verwies auf das erste der beiden Japan-Rennen als Beispiel dafür, wo seiner Ansicht nach eine Grenze überschritten wurde. Envisions Sébastien Buemi, der eine Strafe mit sich führte, aktivierte früh den Angriffsmodus und verlangsamte anschließend bewusst, als sich das Boxenfenster öffnete. Diese Aktion half seinem Teamkollegen Joel Eriksson und hielt mehrere Fahrer auf, darunter auch Wehrlein.
Wehrlein kam später mit Jaguars Antonio Felix da Costa in Kontakt, als er hinter Buemi in der Gruppe festhing. Der daraus resultierende Schaden warf ihn aus den Punkterängen. Er bezeichnete die Taktik als „weit jenseits der Grenze“, unterschied sie aber von einem einfachen Platztausch zwischen Teamkollegen.
Buemis Situation verleiht dem London-Wochenende eine weitere Brisanz: Sébastien Buemi beendet seine Formel-E-Karriere nach dem London-Finale.
Nico Müller liegt 44 Punkte hinter Dennis auf Rang acht der Meisterschaft und hat nur noch eine Außenseiterchance auf den Titel. Wehrlein erklärte, Müller würde ihn unterstützen, wenn beide gemeinsam unterwegs wären und für keinen von ihnen individuell etwas auf dem Spiel stünde. Zugleich betonte er, dass Porsche auch die Interessen seiner Teams in der Herstellerwertung schützen müsse.
„Wir sind beide hier, um die maximale Punktzahl für das Team zu holen“, sagte Wehrlein.
Auf die Frage, wie sich Teamtaktiken künftig begrenzen ließen, hatte Wehrlein eine direkte Lösung parat: „Wir sollten den Funk verbieten.“ Seiner Ansicht nach erhalten die Fahrer die für wichtige Entscheidungen nötigen Informationen ohnehin über das Lenkrad – einschließlich des Boxenfensters. Die Formel E erwägt offenbar strengere Vorgaben für die Gen4-Ära, unter anderem für Taktiken zwischen Herstellern und Kundenteams.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.