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Obwohl das technische Reglement für 2026 gerade erst in Kraft getreten ist, blickt die Formel 1 bereits über den Horizont hinaus. Die Diskussionen über den nächsten Reglement-Zyklus der Königsklasse – offiziell für 2031 geplant, aber möglicherweise vorgezogen – intensivieren sich bereits hinter verschlossenen Türen.
Sowohl FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem als auch F1-CEO Stefano Domenicali haben sich positiv über die Aussicht auf V8-Motoren geäußert, die mit nachhaltigen Kraftstoffen betrieben werden und mit einer deutlich reduzierten elektrischen Komponente kombiniert sind. Da der FIA-Präsident sich öffentlich zur Rückkehr von V8-Motoren in die Formel 1 bis 2031 bekannt hat, stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Idee Anklang findet, sondern ob die Hersteller mitziehen werden.
Domenicali hat zudem argumentiert, dass die F1 bei der Gestaltung künftiger Regeln ihre Abhängigkeit von den Automobilherstellern (OEMs) verringern sollte, während er gleichzeitig anerkennt, dass eine breite Unterstützung der Hersteller für die langfristige Gesundheit des Sports unerlässlich ist.
Für Audi, das mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit in die Formel 1 eingestiegen ist, hätte die V8-Debatte unangenehm sein können. Stattdessen zeigte sich CEO Gernot Dollner völlig entspannt.
„Ja, warum sollten wir das nicht akzeptieren? Ich meine, der Nuvolari hat einen V8, also haben wir keine Probleme mit V8-Motoren“, sagte Dollner in Anspielung auf den neuen Hybrid-Supersportwagen, den Audi offiziell vorgestellt hat. „Aber man muss das im Gesamtzusammenhang sehen. Nur eine Frage des Reglements herauszugreifen, beantwortet nicht wirklich die übergeordnete Frage, wohin man mit dem Reglement will. Die FIA leitet den Prozess, wir sind Teil dieses Prozesses, und ich bin sehr optimistisch, dass das Ergebnis ein gutes sein wird.“
Für Dollner ist die Zylinderzahl fast zweitrangig. Was für Audi weitaus wichtiger ist, ist, dass der Motor turbogeladen bleibt – ein Merkmal, das der Hersteller aus Ingolstadt angesichts seiner Philosophie der Effizienz an erster Stelle als nicht verhandelbar betrachtet.
„Das ist definitiv wichtiger, als über die Anzahl der Zylinder zu sprechen. Das ist aus Audi-Sicht glasklar. Wir bevorzugen den Turbo aufgrund des Effizienz-Aspekts. Das ist wichtiger als die Anzahl der Zylinder.“
Über die Turbo-Frage hinaus betonte Dollner ebenso nachdrücklich, dass sich die zukünftige Ausrichtung der F1 nicht auf eine Debatte über technische Spezifikationen reduzieren lässt. Die breitere Vision für den Sport muss weiterhin fest in der Nachhaltigkeit verankert bleiben.
„Wenn wir über das Formel-1-Reglement sprechen, ist der wichtigste Aspekt für Audi, dass wir an der Idee festhalten, nachhaltig zu sein und ein Reglement zu haben, das die Energieeffizienz als Hauptpfeiler der Formel-1-Regeln in den Mittelpunkt stellt.“
Diese Haltung spiegelt sich direkt in der Entwicklung von Audi wider. Als sich die Marke mit den vier Ringen zur F1 bekannte, befand sich die Automobilindustrie mitten in einem massiven Elektrifizierungsschub. Seitdem hat sich das Umfeld gewandelt – und Audi hat, genau wie die F1, seine Strategie entsprechend angepasst. Der Ingolstadt-Hersteller ist von seinem früheren Plan abgerückt, bis 2032 rein elektrisch zu werden, und setzt stattdessen auf einen flexibleren Ansatz, der Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybride und batterieelektrische Fahrzeuge umfasst.
„In der Automobilindustrie gab es einen globalen Vorstoß in Richtung Elektrifizierung. Jetzt haben wir einen leichten Rückschlag, aber um das ins rechte Licht zu rücken: Langfristig werden wir weltweit immer mehr Elektrifizierung sehen“, so Dollner. „Aber für die nächsten ein, zwei, vielleicht drei Jahrzehnte werden wir definitiv noch Verbrennungsmotoren in Hochleistungsautos sehen. Das ist sicher. Die Formel 1 zeigt mit den nachhaltigen Kraftstoffen, dass man einen Verbrennungsmotor haben und gleichzeitig nachhaltig sein kann. Diese Diskussion überrascht mich nicht.“
Diese regulatorische Flexibilität erstreckt sich auch auf den unmittelbaren Horizont. Da die FIA und Liberty Media die Hersteller dazu drängen, sich bis zum Spanien-GP auf ein überarbeitetes Antriebsreglement für 2027 zu einigen, wird Audis Position bei der kurz- und langfristigen Regelgestaltung zunehmend an Gewicht gewinnen.
Dollner schloss mit einer klaren Botschaft des institutionellen Vertrauens: „Wir vertrauen auf den Prozess und glauben, dass das Ergebnis ein Reglement sein wird, bei dem Audi alle Anforderungen erfüllen kann.“
Für einen Hersteller, der in der F1 noch in den Kinderschuhen steckt, ist das eine bemerkenswert selbstbewusste – und pragmatische – Position.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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