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Franco Colapinto erlebte beim Großen Preis von China einen jener Sonntage, die mit gemischten Gefühlen zurücklassen. Der Argentinier belegte auf dem Shanghai International Circuit den zehnten Platz und holte seinen ersten Punkt mit Alpine in der Formel 1 – doch statt sich zufrieden zu zeigen, lieferte er eine schonungslose und anspruchsvolle Analyse seiner Leistung.
Colapinto verbarg seine Zufriedenheit darüber nicht, endlich sein Punktekonto für das Team eröffnet zu haben, machte jedoch deutlich, dass das Ergebnis stark von äußeren Umständen geprägt war.
„Es ist gut, einen Punkt geholt zu haben. Schade, dass er durch Glück zustande kam, denn wenn Max (Verstappen) nicht ausgefallen wäre, hätte ich ihn nicht geholt“, erklärte er gegenüber ESPN auf der Pressekonferenz nach dem Rennen.
Abgesehen vom Endresultat bemängelte der gebürtige Buenos-Aires-Fahrer fehlende Performance in entscheidenden Rennphasen.
„Es ist nicht positiv, hinter Autos ins Ziel zu kommen, die langsamer waren als wir. Im letzten Stint hatte ich starkes Graining. Außerdem hatte ich viele Schäden am Unterboden, und hinten rechts war komplett kaputt – dadurch habe ich viel Abtrieb verloren“, erläuterte er und hob die technischen Probleme hervor, die sein Tempo in der entscheidenden Phase beeinträchtigten.

Ein zentraler Punkt seiner Analyse war der Safety-Car-Einsatz, um den Aston Martin von Lance Stroll zu bergen. Laut Colapinto brachte diese Entscheidung seine Strategie komplett durcheinander.
„Ich hatte großes Pech. Ich bin wütend – nicht wegen des Kontakts mit Esteban, der sich entschuldigt hat. Das ist in Ordnung. Aber mit einer anderen Strategie zu starten, einen sehr guten Start zu haben, viele zu überholen, vorne zu liegen – und dann kommt wegen eines abgestellten Autos ein Safety Car, das keinen Sinn ergibt“, kritisierte er.
Er verglich zudem die Maßstäbe mit anderen Rennen: „In Melbourne hätten wir ein Safety Car gebraucht, und stattdessen gab es für alles nur ein Virtual Safety Car. Und hier kommt bei jeder Kleinigkeit sofort das Safety Car. Das macht mich am meisten wütend – immer wenn ich drauf und dran bin, etwas Gutes zu machen, wird es gestoppt.“
Trotz des Frusts bewertete Colapinto seine Leistung über weite Strecken des Rennens positiv.
„Es war eines meiner besten Rennen: jede Runde am Limit, auf dem härteren Reifen gestartet, viele Plätze gutgemacht, in den Anfangsrunden hinter Pierre (Gasly) geblieben … und dann ist am Ende alles verpufft“, fasste er zusammen.
In diesem Zusammenhang betonte er, dass gemeinsam mit dem Team noch mehr Performance gefunden werden müsse: „Wir müssen weiterarbeiten und deutlich zulegen, denn in den letzten Runden hatte ich starken Verschleiß an der Vorderachse – eine Katastrophe. Wir müssen mit dem Team daran arbeiten, uns zu verbessern.“
Seine Selbstkritik mündete auch in eine grundsätzliche Reflexion über seine aktuelle Situation: „Ich habe alles gegeben. Und wenn man alles gibt und es trotzdem nicht klappt, macht einen das wütend. So wie gestern im Qualifying – da war es ähnlich. Aber das gehört zur Formel 1 dazu.“

In der Schlussphase des Rennens stand Colapinto bei einem Überholversuch gegen Carlos Sainz kurz vor einem Zwischenfall.
„Mit Carlos war ich ziemlich aufgeheizt; hier hat er mich geschlagen. Ich wollte ihn unbedingt überholen, ich wäre fast überall reingestochen und hätte ein Desaster verursacht – aber ich habe mich zurückgehalten und bin kein unnötiges Risiko eingegangen. Am Ende wurde ich Zehnter. Zum Glück habe ich keinen Fehler gemacht, denn es sah so aus, als würden wir beide ausscheiden. So ist es eben“, gestand er.
Nun richtet sich der Fokus bereits auf die nächste Station im Rennkalender. „In Japan greifen wir voll an, auf einer neuen Strecke, die ich erst kennenlernen muss. Hoffentlich mit einem Auto in besserem Zustand, mit den Dingen, die mir aktuell noch fehlen, und näher dran an Pierre und den anderen“, schloss er.
Das nächste Rennen findet am 29. März in Suzuka statt – auf einer ikonischen Strecke, auf der bereits historische Titelentscheidungen gefallen sind. Dort will Colapinto seinen Weg in der Formel 1 weiter festigen. In China hat er mit seinem ersten Punkt für Alpine jedenfalls einen wichtigen ersten Schritt gemacht.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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