Krise bei Ferrari: Gegenwind für Fred Vasseur in Maranello

Scuderia-Ferrari-Teamchef Fred Vasseur steht in Maranello unter enormem Druck. Nach dem jüngsten Formtief in der Formel-1-Saison 2026 treten im Team immer mehr interne Spannungen zutage.
Wie der renommierte italienische Journalist Giorgio Terruzzi im Podcast Terruzzi Racconta berichtet, sieht sich Vasseur mit wachsender Missgunst der Belegschaft im Werk konfrontiert. Dort kursiert für den französischen Teamchef mittlerweile sogar ein vielsagender Spitzname.
Wachsende Spannungen und der Spitzname „Napoleon“
Seit dem Ende der Sommerpause zeigt die Formkurve der Scuderia steil nach unten. Weder Lewis Hamilton noch Charles Leclerc schafften es im Cockpit des SF-26 zuletzt auf das Podium. Während Hamiltons Titelchancen weiter schwinden und Kimi Antonelli seinen Vorsprung an der WM-Spitze ausbaut, wächst der Druck auf die Mannschaft – selbst während Lewis Hamilton Forderungen nach personellen Konsequenzen bei Ferrari vehement dementiert.

Terruzzi legte offen, dass der interne Unmut in Maranello vor allem durch Vasseurs Führungsstil angeheizt wird:
„Es gibt unzählige Probleme, über die nicht offen gesprochen werden kann“, erklärte Terruzzi. „Die Personalie Vasseur ist ein Dauerthema, ein Evergreen, der jedes Jahr wieder hochkocht, weil das Management nun mal so ist, wie es ist. Dass es diese Probleme gibt, liegt auf der Hand – genauso wie das Verhältnis zu [CEO Benedetto] Vigna, das praktisch nicht mehr existent ist.“
„Zudem herrscht in Maranello eine gewisse Abneigung gegen ihn, weil man ihn kaum zu Gesicht bekommt. Sie nennen ihn ‚Napoleon‘, weil er wie ein unnahbarer, allmächtiger Herrscher auftritt – etwas distanziert, etwas arrogant.“

Nachfolge-Gerüchte und potenzielle Nachfolger
Obwohl Hamilton und Leclerc öffentlich weiterhin hinter ihrem Teamchef stehen, werden hinter den Kulissen angeblich bereits Alternativen für die Teamführung ausgelotet. Ferraris Langstrecken-Chef Antonello Coletta, der das WEC-Programm leitet, gilt intern als möglicher „Plan B“.
Auch der italienische Motorsport-Journalist Pino Allievi brachte weitere Namen ins Spiel. Während Ferrari-Präsident John Elkann große Stücke auf Christian Horner halten soll, betonte Allievi, dass Horner „Manager sein und dem Vorbild von Toto Wolff folgen möchte, der Unternehmensanteile hält.“
Zudem fiel der Name von McLaren-Teamchef Andrea Stella im Zuge von Spekulationen über personelle Umstrukturierungen. Allievi stellte jedoch klar: „Sie hätten gerne Andrea Stella, aber er hat wohl erst vor ein oder zwei Monaten abgelehnt.“
Vasseurs unmittelbare Zukunft dürfte nun maßgeblich davon abhängen, ob Ferrari das Ruder herumreißen und beim anstehenden Großen Preis von Aserbaidschan ein starkes Resultat einfahren kann.
