So sicherten geheime Funkcodes Antonellis Spanien-Sieg

Mercedes-Chefingenieur an der Rennstrecke, Andrew Shovlin, hat enthüllt, wie strategische Vorbereitung und rotierende Geheimcodes Kimi Antonelli den rennentscheidenden Boxenstopp beim Großen Preis von Spanien 2026 ermöglichten.
Der vorentscheidende Moment ereignete sich, als der Aston Martin von Lance Stroll auf der Strecke ausrollte. Nachdem Antonelli über die ersten gelben Flaggen informiert worden war, nahm er in den Kurven 18 bis 20 deutlich das Tempo heraus und verlor mehr Zeit als seine direkten Verfolger Lando Norris und Max Verstappen. Der Italiener ging nicht nur in der Gefahrenzone vom Gas, sondern verzögerte auch das Beschleunigen im darauffolgenden Freigabesektor unter grüner Flagge. Antonelli erklärte später, dass ihn Renningenieur Peter Bonnington vor einem drohenden Virtual Safety Car (VSC) gewarnt habe. Daraufhin verlangsamte er bewusst, um die Neutralisierung noch unmittelbar vor der Boxeneinfahrt zu erwischen.

Geheimcodes und millimetergenaue Kommunikation
Im Podcast NU Silver Arrows Radio Show erklärte Shovlin, dass Mercedes codierte Funksprüche nutzt, um strategische Entscheidungen abzustimmen, ohne die Konkurrenz vorzuwarnen.
„Wir verwenden Geheimcodes, um den Fahrern zu signalisieren, ob sie bei einem Safety-Car während des Rennens hereinkommen sollten. Wir versuchen jedoch zu verhindern, dass die anderen Teams diese Codes entschlüsseln. Deshalb wechseln wir sie jede einzelne Woche“, erläuterte Shovlin.
„Wir hatten die gelbe Flagge, Bono bestätigt es. Kimi hat dann tatsächlich etwas Tempo herausgenommen und sich eine zusätzliche Sekunde verschafft, was wohl... Vielleicht hätte er es auch so geschafft. Aber das hat es definitiv möglich gemacht. Wenn man sich die Onboard-Aufnahme aus Kimis Auto ansieht, erkennt man, dass das Abbiegen an die Box alles andere als einfach war. Als er vor der Box hielt, kamen die Reifen praktisch zeitgleich mit dem Auto an. Es war extrem schwierig, diesen Stopp in diesem knappen Zeitfenster durchzuführen.“

Unmittelbar vor dem Stopp funkte Bonnington an Antonelli: „Gelb, gelb, 19-20“, fügte hinzu: „Also deutlich vom Gas“ und meldete dann: „Du bist im Safety-Car-Fenster.“ Der direkte Boxenruf folgte auf der Stelle, sobald das VSC ausgerufen wurde – ein taktisches Meisterstück, das perfekt dazu passte, wie Antonelli Mercedes trotz riskantem Fahrstil den Sieg in Spanien sicherte.
Perfektes Zusammenspiel von Kommandostand und Boxencrew
Obwohl sich Antonelli bereits nahe an der Boxengasseneinfahrt befand, verschaffte das Lupfen des Gaspedals sowohl dem Piloten als auch der Crew die entscheidenden Sekundenbruchteile. Zwischen der ersten gelben Flagge und der Aktivierung des VSC vergingen 35 Sekunden, gefolgt von nur 15 Sekunden vom VSC-Aufruf bis zu Antonellis Stillstand vor der Garage. Mercedes meisterte dabei einen erfolgreichen Doppelstopp von Antonelli und George Russell, bei dem für beide Fahrer frische Reifen bereitstanden.

Shovlin betonte, dass die Besprechungen am Sonntagmorgen zwar jedes Safety-Car- und VSC-Szenario im Detail durchgehen, der Erfolg letztlich jedoch an einer entschlossenen und fehlerfreien Umsetzung ohne jedes Zögern hängt.
„Wir haben uns am Sonntagmorgen voll darauf konzentriert, auf jeden Zwischenfall vorbereitet zu sein“, sagte Shovlin. „Das Schöne daran war, dass es einen klaren Plan gab. Kimi wusste, dass er im VSC-Fenster lag. Bono bestätigte es, sobald es zum Zwischenfall kam.“
