Russell verschiebt Mercedes-Motorstrafe für ADUO-Upgrade

George Russell dürfte seine unvermeidbare Strafe für einen Motorwechsel in der Formel 1 hinauszögern, bis Mercedes die ADUO-überarbeitete Antriebseinheit einsetzen kann – möglicherweise erst beim Großen Preis der USA.
Probleme mit der Zuverlässigkeit zu Saisonbeginn haben Russell und seinen Teamkollegen Kimi Antonelli über die erlaubte Anzahl an Komponenten für die laufende Saison hinausgebracht. Antonelli nahm die Konsequenzen beim Großen Preis von Italien am vergangenen Wochenende in Kauf, setzte zusätzliche Antriebseinheiten ein und startete von Platz 19. Trotzdem kämpfte er sich zum Sieg vor und machte aus der Rückversetzung in der Startaufstellung ein herausragendes Ergebnis.
Russell schien beim nächsten Rennen in Aserbaidschan denselben Weg einzuschlagen. Die langen Geraden in Baku hätten ihm ähnlich wie Antonelli in Monza die Möglichkeit geboten, verlorene Positionen zurückzugewinnen. Mercedes will den Wechsel nun jedoch verschieben, damit Russells Strafe mit dem Einsatz der verbesserten Teile zusammenfällt.

Die Entscheidung folgt auf Mercedes’ Vorbereitungen für ein Update, das durch die zusätzliche Entwicklungsfreigabe im Rahmen des ADUO-Systems der Formel 1 ermöglicht wird. Die geplante Spezifikation soll unter anderem einen verbesserten Turbolader umfassen und damit eine weitere strategische Variable in Russells ohnehin stark eingeschränkten Komponentenplan bringen. Das umfassendere Mercedes-ADUO-Motorupgrade ist daher entscheidend für den Zeitpunkt der Strafe.
Warum Mercedes wartet
Russell hat bei mehreren wichtigen Komponenten bereits das Limit seiner erlaubten Anzahl erreicht. Seine Kontingente für Verbrennungsmotor, Turbolader, Energiespeicher und Steuerelektronik sind ausgeschöpft. Der Einbau neuer Versionen bei den nächsten beiden Rennen würde deshalb Strafen auslösen.
Eine weitere Rückversetzung in der Startaufstellung würde folgen, wenn Mercedes anschließend die durch ADUO verbesserten Teile einführte. Aus Sicht des Teams wäre es unsinnig, zwei separate Strafversetzungen hinzunehmen, wenn sich beide Änderungen bei einem einzigen Rennen bündeln lassen.

Russell machte diese Position bereits beim Großen Preis von Spanien deutlich. Auf die Frage, ob er es bereue, in Italien keinen neuen Motor eingesetzt zu haben, sagte er: „Wir wollten meine Strafe ohnehin mit dem ADUO-Upgrade verbinden. Sonst hätte ich sie dort nehmen müssen und später noch einmal. Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn.“
Mercedes hat noch keine endgültige Entscheidung über den Einführungstermin getroffen. Ursprünglich wurde mit dem Upgrade während der aufeinanderfolgenden Auswärtsrennen in Aserbaidschan, Malaysia und Singapur gerechnet. Nun erscheint ein Einsatz während des Triple-Headers in den USA, Mexiko und Brasilien wahrscheinlicher, der vom 23. bis 25. Oktober in Austin beginnt.
Auch Antonelli wird Zugriff auf die neue Spezifikation erhalten. Bei seinem Wechsel beim Italien-GP wurden lediglich der Verbrennungsmotor, die Batterie und die Steuerelektronik ausgetauscht. Dadurch kann er einen neuen Turbolader, eine MGU-K, eine Auspuffanlage und weitere Nebenaggregate ohne Strafe einsetzen. Jede Verbesserung des Werksteams muss außerdem an die Kundenteams von Mercedes geliefert werden. Beim ersten Rennen erhält jedes Kundenteam jedoch nur eine Einheit.
