Ocon verteidigt Fahrer: „Nicht das Problem bei Haas“

Esteban Ocon wehrt sich gegen den Vorwurf, die schwierige Formel-1-Saison von Haas sei auf die Fahrerpaarung zurückzuführen. Er betont mit Nachdruck, dass „die Fahrer nicht das Problem sind“, während der Druck bezüglich seiner eigenen Zukunft im Team spürbar wächst.
Der VF-26 von Haas leidet weiterhin unter starken Leistungsschwankungen seiner Komponenten. Auch das jüngste Aerodynamik-Paket, das in Monza eingeführt wurde, konnte dieses Grundproblem nicht beheben – wenngleich Ocon die Neuerungen prinzipiell als „positiv“ einstufte. Nach Ansicht des Franzosen trat diese Inkonstanz bei 10 der bisher 13 Saisonläufe auf seiner Seite der Garage auf.
Auf dem Papier fällt der Leistungsabstand zu Oliver Bearman dennoch deutlich aus. Ocon liegt im Qualifying-Duell mit 6:12 und bei den Punkten mit 3:18 hinten. Allerdings resultiert ein Großteil von Bearmans Punktepolster aus den ersten beiden Saisonrennen. Seit der Rennpause im April hat Ocon seinen Teamkollegen nach Zählern mit 2:1 übertrumpft, während Haas in der Hackordnung des Feldes sukzessive nach hinten durchgereicht wurde.

Bearman sah bei den Grands Prix bislang nur ein einziges Mal hinter Ocon die Zielflagge: in Ungarn. Ausgerechnet an jenem Rennwochenende war es der junge Brite, der mit den unberechenbaren Schwankungen des Boliden zu kämpfen hatte, während Ocon davon verschont blieb.
„Wenn das Auto passt, liefern wir ab“
Laut Ocon konzentriert sich die Mannschaft voll darauf, beide Fahrzeuge an jedem Rennwochenende in ein Arbeitsfenster zu bringen, in dem sie die erwartete Leistung auch tatsächlich abrufen können.
„Sobald wir das Auto in einen Zustand versetzen, in dem es funktioniert, liefern wir als Fahrer und als Garagen-Crew auch ab“, erklärte er.
Als Beleg dafür, dass das Problem keineswegs nur seine Garagenseite betrifft, verwies Ocon auf Bearmans gegensätzliche Erfahrungen beim vergangenen Rennen sowie die umgekehrte Rollenverteilung in Budapest. Zudem hob Ocon hervor, dass Haas dreimal hintereinander der Einzug ins Q2 gelang – selbst wenn der Grundspeed für Q3 noch fehlte.

„Ich habe das Gefühl, alles aus dem Auto herausgeholt zu haben. Da blieb nichts mehr auf dem Tisch liegen“, so der Franzose. Haas’ Entwicklungsschritt in Monza wurde auch von Bearman bewertet, der das Chassis-Upgrade als größeren Fortschritt als Ferraris Motor-Upgrade bezeichnete.
Ocons Zukunft für 2027 steht auf der Kippe
Ocons Verbleib im Team steht seit Monaten im Fokus der Diskussionen. Bei Testfahrten mit früheren Rennwagen (TPC) in Portimão ließ Haas jüngst Testfahrer Ryo Hirakawa, McLaren-Reservepilot Leonardo Fornaroli und Ferrari-Nachwuchsfahrer Rafael Camara ins Steuer greifen, um die personellen Optionen für 2027 auszuloten.

Ocon wiegelt die Bedeutung dieses Nachwuchsprogramms jedoch ab und betont, dass Gespräche über seine Zukunft bei Haas bereits im Gange seien. Dem Rennstall stehe es frei, Piloten über das Testprogramm zu erproben; beide Stammpiloten würden derweil an einem Strang ziehen, um mehr Performance aus dem VF-26 herauszuholen.
Haas geht unterdessen mit einer Durststrecke von sieben Rennen ohne Punkt in den nächsten Saisonabschnitt – damit egalisiert das US-Team seine längste Negativserie seit der Saison 2021.
