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Der ehemalige Formel-1-Pilot Johnny Herbert hat Max Verstappen dazu aufgefordert, sich aufs Fahren zu konzentrieren, anstatt seine öffentliche Kritik an den Fahrzeugen nach dem 2026er-Reglement fortzusetzen. Hintergrund ist die zunehmend hitzige Debatte über die neue technische Ausrichtung der Königsklasse.
Verstappen hat seine Unzufriedenheit mit der jüngsten Fahrzeuggeneration deutlich zum Ausdruck gebracht und die Autos als „rennfeindlich“ sowie sogar als „Witz“ bezeichnet. Seine Aussagen haben das Fahrerlager gespalten. Während mehrere Piloten Bedenken hinsichtlich der neuen Regeln äußerten, begrüßten andere – darunter Lewis Hamilton – die neue Herausforderung ausdrücklich.
Im Zentrum der Kontroverse steht eine drastische Veränderung der fahrerischen Anforderungen. Die Fahrer müssen nun einen starken Fokus auf das Rekuperieren und Einsetzen elektrischer Energie legen, was zu extremen Energiesparstrategien führt, wie man sie in der Formel 1 bislang nicht kannte.
Im Podcast Stay on Track reagierte Herbert auf die Frage des Weltmeisters von 1996, Damon Hill: „Max Verstappen – muss er nicht einfach den Mund halten und fahren?“ Zögern musste er nicht.
„In vielerlei Hinsicht ja“, antwortete Herbert.
Er deutete an, dass Verstappens Frustration womöglich eher mit der aktuellen Wettbewerbsfähigkeit zusammenhängt als mit grundsätzlichen Einwänden gegen das Reglement.
„Es ist immer sehr schön, wenn man im besten Auto sitzt. Es ist immer etwas schwieriger, wenn man nicht im besten Auto sitzt.“
Herbert verwies zudem auf den bisherigen Verlauf von Verstappens Karriere und betonte, dass der Niederländer kaum Grund zur Klage habe.
„Er hatte bislang keine schlechte Karriere; und es gibt noch viele Dinge, die er in der Formel 1 erreichen kann – etwa noch eine oder sogar drei weitere Weltmeisterschaften.“

Verstappens unverblümte Art ist nichts Neues. Der viermalige Weltmeister hat sich wiederholt zu Themen wie der Ausweitung des Rennkalenders oder der Einführung zusätzlicher Sprint-Events kritisch geäußert. Er betonte, dass seine Unzufriedenheit mit dem 2026er-Reglement nichts mit der aktuellen Wettbewerbsfähigkeit von Red Bull in dieser Saison zu tun habe.
Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass er einen Abschied aus der Formel 1 in Betracht ziehen könnte, sollte ihm das Fahren mit den neuen Autos dauerhaft keinen Spaß bereiten – eine Haltung, die Damon Hill für ein ernstzunehmendes Signal hält.
„Diplomatie ist nicht seine Stärke“, sagte Hill. „Aber ich finde das gut – man bekommt von ihm immer eine direkte, ehrliche Meinung. Er sagt, was er wirklich denkt.“
Dennoch räumte Hill ein, dass Verstappen nun mit einem Wahrnehmungsproblem konfrontiert ist.
„Das Problem ist nur: Weil er gerade kein Auto hat, mit dem er gewinnen kann, klingt es so, als würde er sich genau darüber beschweren – und nicht unbedingt über das Reglement an sich.“
Aus Sicht der Formel 1 steht viel auf dem Spiel. Hill warnte, dass ein Abgang Verstappens ein alarmierendes Signal für die Ausrichtung der Meisterschaft wäre.
„Denn was die Formel 1 nicht will, ist, dass Max sagt: ‚Ich gehe woanders hin, um meinen Nervenkitzel zu bekommen.‘ Das wäre ein Misstrauensvotum gegenüber der Formel 1 und ihrer zukünftigen Entwicklung.“
Das Reglement für 2026 hat die sportliche und technische Landschaft bereits grundlegend verändert und zwingt die Fahrer, sich auf bislang unbekannte Anforderungen im Energiemanagement einzustellen. Für manche ist das eine faszinierende neue Ebene der Komplexität. Für andere – darunter Verstappen – besteht die Gefahr, dass der Kern des direkten Rad-an-Rad-Duells verwässert wird.
Fest steht: Verstappens Kritik hat eine umfassendere Diskussion über die Zukunft der Formel 1 entfacht – und darüber, ob ihr größter Star weiterhin an ihren Weg glaubt. Herberts Botschaft ist derweil klar: Bei allem Frust sollte der Fokus auf der Leistung am Steuer liegen.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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