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Regen wird im Motorsport oft als der große Gleichmacher bezeichnet, und das Doppel-Wochenende beim Shanghai E-Prix 2026 lieferte genau die Art von Ungewissheit, die ein Rennwochenende schon vor dem Start sprengen kann. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage wurde der Zeitplan um drei Stunden vorverlegt. Das zwang das Formel-E-Fahrerlager zu einem frühen Start und stellte die Teams vor eine kritische strategische Frage: Sollte man sich auf einen Wolkenbruch vorbereiten oder auf eine abtrocknende Strecke setzen?
Diese Entscheidung wurde zum roten Faden des gesamten Wochenendes. Die Abstimmungsvarianten spalteten das Feld, und als der erwartete Regen am Sonntag ausblieb, hatten diejenigen, die auf ein Setup für trockene Bedingungen gesetzt hatten, plötzlich die Trümpfe in der Hand.

Der Sieg von Lucas di Grassi war die Geschichte des Wochenendes. Der Lola-Yamaha-ABT-Pilot startete vom Ende des Feldes und traf gemeinsam mit seinem Team die mutigste Entscheidung: Sie setzten voll auf ein Trocken-Setup, während ein Großteil des Fahrerlagers mit Regen rechnete.
Die Belohnung war spektakulär. In der Schlussphase wurde es für die Konkurrenz mit Trocken-Setup immer schwieriger, di Grassi in Schach zu halten. Nach einer späten Full-Course-Yellow-Phase setzte di Grassi seinen letzten ATTACK MODE präzise ein. In der vorletzten Runde überholte er Joel Eriksson von Envision Racing, während Jean-Eric Vergne die Führung übernahm. In der letzten Runde schnappte sich di Grassi den Citroën-Piloten dann in Kurve 1.

Das Ergebnis war hochemotional, da di Grassi die Meisterschaft am Ende der Saison verlassen und seine Profikarriere beenden wird. Mehr über dieses Comeback erfahren Sie in unserem Bericht: Lucas di Grassi sorgt für Sensation mit Comeback-Sieg in Shanghai.
Für Mitch Evans entwickelte sich Shanghai zu einem kostspieligen Wendepunkt. Er war als Führender der Fahrerwertung angereist, mit 19 Punkten Vorsprung auf Oliver Rowland und 27 auf Pascal Wehrlein – doch das Blatt wendete sich drastisch.
Wehrlein dominierte Lauf 12, holte die Pole-Position und den Sieg, was ihm 28 Punkte einbrachte. Evans qualifizierte sich zwar in der ersten Reihe, kam aber nur als Achter ins Ziel und sammelte lediglich vier Zähler. Der Sonntag verlief noch schlimmer: Er verpasste die Duels im Qualifying und konnte das Rennen gar nicht erst aufnehmen, nachdem Jaguar TCS Racing ein schwerwiegendes technisches Problem entdeckt hatte. Wie wir bereits berichteten, erklärte Evans den Shanghai-Aus und die schwindenden Titelchancen.

Wehrlein ließ seinem Sieg in Lauf 12 einen vierten Platz in Lauf 13 folgen. Mit insgesamt 40 Punkten aus dem Wochenende übernahm er wieder die Tabellenspitze. Der Jäger ist nun zum Gejagten geworden.
Auch Vergne profitierte von der Entscheidung für das Trocken-Setup und kämpfte sich vom Ende des Feldes auf sein erstes Podium in einer schwierigen Debütsaison mit Citroën Racing. Eriksson verwandelte seine starke Aufholjagd in einen dritten Platz und sicherte sich damit das erste Formel-E-Podium seiner Karriere.

Vier Rennen vor Saisonende führt Wehrlein mit neun Punkten Vorsprung vor Evans. Rowland, Antonio Felix da Costa und Jake Dennis bleiben ebenfalls in Schlagdistanz. In der Teamwertung führt Jaguar knapp vor Porsche (243 zu 237 Punkte). In der Hersteller-Weltmeisterschaft hat Porsche mit 384 zu 334 Punkten die Nase vorn.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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