Antonelli ehrlich: Norris hätte Madrid-Sieg ohne VSC-Pech verdient

Kimi Antonelli räumte unumwunden ein, dass Lando Norris den Großen Preis von Spanien eigentlich „hätte gewinnen müssen“. Ein denkbar ungünstig getimtes Virtual Safety Car stellte das Rennen auf den Kopf und brachte den amtierenden Weltmeister um einen greifbar nahen Triumph.
Norris hatte die Herausforderungen des brandneuen Madring-Kurses souverän gemeistert und sich im Qualifying eine herausragende Pole-Position vor Antonelli gesichert. Im ersten Stint kontrollierte der McLaren-Pilot das Geschehen von der Spitze aus und wehrte die anfänglichen Angriffe Antonellis ab. Der Mercedes-Pilot kürzte bei seinen Überholversuchen zweimal die Schikane ab, ehe er sich vorerst auf Rang zwei einrichtete.
Damit schien für Norris alles nach Plan zu laufen. Er baute seinen Vorsprung an der Spitze kontrolliert aus – bis Lance Stroll seinen Aston Martin mit Bremsproblemen abstellen musste und ein Virtual Safety Car auslöste, was die strategischen Vorzeichen mit einem Schlag kippte.

Der strategische Wendepunkt
Mercedes nutzte die Neutralisierung sofort und holte Antonelli an die Box, wodurch der Italiener im Vergleich zu einem regulären Rennstopp nur einen Bruchteil an Zeit verlor. Norris hingegen war gerade an der Boxeneinfahrt vorbeigefahren, als das VSC aktiviert wurde. Als er eine Runde später zum Reifenwechsel abbog, war die Neutralisierung bereits aufgehoben. Norris fiel dadurch von der Führung auf Rang fünf zurück.
Zwar kämpfte sich Norris noch auf das Podest vor, doch Antonelli wollte seinen Erfolg nicht feiern, ohne das Pech seines Konkurrenten zu betonen – nachdem die McLaren-Strategie Norris den Sieg kostete.

„Es war ein extrem schwieriges Rennen, überhaupt kein Spaziergang – vor allem, was das Reifenmanagement anging“, erklärte Antonelli. „Es ist schön zu gewinnen, aber das Gefühl ist nicht ganz dasselbe, weil Lando den Sieg heute verdient gehabt hätte. Aber unterm Strich nehmen wir das natürlich mit.“
Der Mercedes-Pilot betonte zudem, dass die Pace auf den harten Reifen in der Schlussphase besonders stark gewesen sei. Dies gab ihm die nötigen Reserven, um Max Verstappen auf Distanz zu halten und seinen achten Grand-Prix-Sieg der Saison ins Ziel zu bringen.
Durch diesen Erfolg baute Antonelli seinen Vorsprung in der Fahrer-Weltmeisterschaft auf 81 Punkte gegenüber Teamkollege George Russell aus. Bei noch neun verbleibenden Saisonläufen wird die Aussicht, der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte zu werden, immer greifbarer. Antonelli betont jedoch, dass er seine Herangehensweise trotz der komfortablen Ausgangslage nicht ändern wird.

Voller Fokus auf das nächste Rennen
„Genau das möchte ich vermeiden. Ich will von Rennen zu Rennen denken, konstant abliefern und den Moment genießen. Ich gebe jedes Wochenende mein Bestes, und am Ende des Jahres werden wir sehen, wo wir stehen“, stellte er klar.
Das strategische Drama folgte auf ein Qualifying, das bereits an Spannung kaum zu überbieten war, nachdem sich Norris die Madring-Pole um 0,011 Sekunden vor Antonelli gesichert hatte. Im Grand Prix erwies sich das VSC-Timing letztlich als rennentscheidend: Norris wurde in eine mühsame Aufholjagd gezwungen, während Antonelli die Gunst der Stunde nutzte und für Mercedes den nächsten Triumph einfuhr.
