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Der Freitagnachmittag auf dem Red Bull Ring lieferte eine klare Botschaft: Kimi Antonelli ist der Maßstab für den weiteren Verlauf des Großen Preises von Österreich. Der Mercedes-Teenager dominierte das zweite freie Training (FP2) mit einer souveränen Vorstellung, bestätigte sein Tempo aus dem FP1 und unterstrich seinen Status als der Mann, den es zu schlagen gilt, während die achte Runde der Saison 2026 in Spielberg Fahrt aufnimmt.
Antonellis Bestzeit von 1:07.014 war nicht nur die schnellste Runde im FP2, sondern die schnellste des gesamten Tages. Noch wichtiger ist, dass sie in einer Session erzielt wurde, die repräsentative Runs auf den weichen Reifen sowie längere Rennsimulationen umfasste, was der Zeit echtes Gewicht verleiht. Der Italiener war über seine Stints hinweg konstant stark und wirkte sowohl auf den C5-Softs als auch bei den schwer betankten Medium-Runs im späteren Verlauf der Session sehr sicher.
Was das Ergebnis noch beeindruckender macht, ist der Kontrast innerhalb der Mercedes-Garage. George Russell erlebte einen schwierigen Start in die Session und verbrachte viel Zeit an der Box, während sein Auto umgebaut wurde. Obwohl er sich schließlich auf den sechsten Platz zurückkämpfte, lag er auf einer kurzen Strecke, auf der die Abstände normalerweise minimal sind, über sechs Zehntelsekunden hinter seinem Teamkollegen. Für Antonelli war es ein nahezu perfekter Freitag, zumal seine Titelrivalen Lewis Hamilton und Russell sein Tempo nicht mitgehen konnten.
McLaren präsentiert sich in Österreich erneut als größte Bedrohung für Mercedes. Oscar Piastri war im FP2 Antonellis engster Verfolger und beendete die Session mit nur 0,237 Sekunden Rückstand. Der Australier zeigte eine starke Pace auf einer Runde mit den weichen Reifen und eine solide Konstanz auf den Mediums bei den Longruns, was darauf hindeutet, dass McLaren sowohl für das Qualifying als auch für das Rennen gut aufgestellt ist.
Lando Norris’ dritter Platz war wohl ebenso ermutigend. Nachdem er den Großteil des FP1 aufgrund eines Hydraulikproblems verpasst hatte, meldete sich Norris stark zurück, auch wenn seine Session durch einen Verbremser und einen Ausflug in die Auslaufzone von Kurve 3 etwas unruhig verlief. Seine Zeit von 1:07.339 auf den weichen Reifen kam ohne den Vorteil eines sauberen Runs zuvor zustande, was darauf hindeutet, dass am Samstag noch mehr möglich ist.
Die Entscheidung von McLaren, ihren experimentellen Heckflügel an diesem Wochenende nicht einzusetzen, sorgt zudem für Gesprächsstoff. Wie Lawrence Barretto bestätigte, entschied sich das Team, das Bauteil zur weiteren Entwicklung nach Woking zurückzuschicken, um Konstanz über Experimente zu stellen.
Red Bull konnte im Vergleich zum FP1 deutlich mehr Kilometer abspulen: Max Verstappen absolvierte 29 Runden, Isack Hadjar 28. Dennoch war die Stimmung in der Garage alles andere als entspannt. Verstappen kämpfte mit einem Sitzproblem und äußerte wiederholt Bedenken hinsichtlich der Balance und Fahrbarkeit.
Trotz dieser Probleme landete Verstappen mit einer 1:07.564 auf dem vierten Platz und hielt sich damit fest in der Spitzengruppe. Hadjar wurde Siebter; er zeigte ein ordentliches Tempo, stimmte aber in die Kritik an der Fahrzeugbeherrschung ein. Wenn Red Bull den RB22 über Nacht optimieren kann, bleibt Verstappen ein realistischer Kandidat für die ersten Startreihen – auch wenn Antonelli derzeit einen Schritt voraus zu sein scheint.
Ferrari beendete den Freitag mit mehr Fragen als Antworten. Lewis Hamilton äußerte sich nach mehreren Verbremsern deutlich über Untersteuern – „Zu viel Untersteuern“ – und belegte den fünften Platz. Charles Leclerc, der nach dem verpassten FP1 wieder im Auto saß, kam nicht über den achten Rang hinaus. Die reine Pace ist nicht katastrophal, aber Ferrari scheint Mercedes und McLaren in Sachen Vertrauen und Konstanz hinterherzuhinken.
Das FP2 war besonders schmerzhaft für Cadillac. Sergio Perez blieb mit einer Wiederholung seines früheren Problems stehen, was ein Virtuelles Safety Car auslöste, während Valtteri Bottas einen dramatischen Aufhängungsschaden erlitt, bei dem Funken und Flammen unter seinem Auto hervorstießen. Beide Fahrer verpassten wertvolle Trainingszeit, was Cadillac vor dem Samstag in eine schwierige Ausgangslage bringt.
Bei Streckentemperaturen von fast 50 °C dominierte der Reifenabbau die zweite Hälfte der Session. Die Longruns deuteten darauf hin, dass die Medium- und Hard-Mischungen respektable Stints überstehen können, aber der thermische Abbau wird entscheidend sein. Das Qualifying verspricht brutal zu werden: Eine einzige schnelle Runde in Q3 könnte alles sein, was die Fahrer aus einem Satz weicher Reifen herausholen können.
Als das FP2 mit Startübungen im gesamten Feld endete, blieb Antonelli die Referenz. Mercedes führt, McLaren jagt, Red Bull sucht nach Lösungen – und mit der Hitze und den Reifen als entscheidende Faktoren verspricht der Große Preis von Österreich ein spannendes Wochenende zu werden, bei dem hinter einem herausragenden Namen alles eng beieinander liegt.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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