Aston Martin bremst Newey nach PR-Eklat bei Medienauftritten aus

Aston Martin schränkt Medienauftritte von Adrian Newey ein
Adrian Newey reist nur selten zu Formel-1-Rennen – und wenn er an der Strecke ist, spricht er kaum mit den Medien. Diese bewusste Distanz zum Scheinwerferlicht entspricht seiner bevorzugten Arbeitsweise: Er konzentriert sich lieber auf die Fahrzeugentwicklung als auf die repräsentativen Pflichten eines Teamchefs.
In Neweys Abwesenheit fungieren Aston Martins Chief Trackside Officer Mike Krack und Team-Botschafter Pedro de la Rosa als die primären Sprachrohre des Rennstalls. Nach Neweys Auftritt bei der ersten Teamchef-Pressekonferenz der Saison in Australien agiert das Team in der Öffentlichkeitsarbeit nun noch vorsichtiger.
Die gesamte Aston-Martin-Organisation sorgte zuletzt auch abseits der Formel 1 für Schlagzeilen, wie dieser aktuelle Bericht über das Valkyrie-Programm des Teams zeigt. In der Königsklasse liegt der Fokus jedoch weiterhin auf der schwierigen Antriebssituation und der Frage, wie diese Herausforderung nach außen kommuniziert wird.

Neweys Aussagen in Australien sorgen für PR-Problem
In Melbourne hatte Newey offenbart, dass Honda-Ingenieure, die zuvor am erfolgreichen Motorenprogramm von Red Bull gearbeitet hatten, „inzwischen an Solarmodulen oder so etwas arbeiten“. Aston Martin habe dies erst bei einem Besuch in Japan fünf Monate vor Saisonbeginn erfahren.
Zudem bezeichnete er das Ausmaß der „Batterieschäden“ als „beängstigend“ und erklärte, das Problem würde dem Team „die gesamte Energie rauben“ und die Mechaniker „an ihre Grenzen bringen“. Die ungewöhnlich deutlichen Worte nährten Spekulationen, dass Newey gezielt Zugeständnisse der FIA erwirken wollte. Unabhängig von den Absichten erwischten die Aussagen die PR-Abteilung von Aston Martin völlig auf dem falschen Fuß.
Von einem Teamchef wird für gewöhnlich eine weitaus vorsichtigere und diplomatischere Einschätzung erwartet. Laut einem Bericht von AutoNocion hielt Aston Martin es nach der „äußerst kritischen“ Pressekonferenz für das Beste, „ihn vorerst nicht mehr vor ein Mikrofon zu lassen“.
Sein folgender Auftritt in Ungarn verlief entsprechend zurückhaltend. Seitdem werden die meisten Updates von Newey ausschließlich über die offiziellen Aston-Martin-Kanäle veröffentlicht, darunter ausführliche Interviews auf der Website des Rennstalls.

Druck auf Honda wächst
Berichten zufolge verliert ein ranghoher Aston-Martin-Verantwortlicher zunehmend die Geduld mit den Fortschritten von Honda. Das lang erwartete Motoren-Upgrade, das beim Großen Preis der Niederlande debütierte, wurde als Enttäuschung eingestuft. Zudem wechselt Honda Anfang nächsten Monats die Führung an der Spitze seines F1-Motorenprojekts aus.
Diese Umstrukturierung folgt auf Gerüchte über Gespräche von Teambesitzer Lawrence Stroll mit Mercedes und Red Bull Powertrains über einen künftigen Motorendeal. Rivalisierende Teams äußerten sich skeptisch darüber, ob Honda bis zum nächsten Jahr signifikante Fortschritte erzielen kann, und verweisen auf die drei bis vier Jahre Entwicklungszeit, die der Hersteller einst bei McLaren benötigte, um konkurrenzfähig zu werden.
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem hat unterdessen über Regelanpassungen beraten, die Honda helfen und zugleich Fernando Alonso in der Formel 1 halten könnten. Sowohl Red Bull als auch Mercedes haben ihre Unterstützung für derartige Zugeständnisse signalisiert.
