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Gabriel Bortoleto weist die Behauptung zurück, die Formel-1-Regeln für 2026 hätten zuvor schnelle Fahrer langsam gemacht. Seiner Ansicht nach bleibt Anpassungsfähigkeit ein zentraler Bestandteil des Berufs.
Der Audi-Pilot, der in dieser Saison alle zehn Punkte des Teams geholt hat, widerspricht der These, dass die neuen Autos eine derart radikal andere Herangehensweise erfordern, dass sich dadurch die sportliche Hackordnung verändert. Nach dem Wegfall des MGU-H arbeiten die aktuellen Antriebseinheiten beinahe mit einer 50:50-Aufteilung zwischen Verbrennungs- und Elektroenergie. Das hat unter den Fahrern für intensive Diskussionen gesorgt.
Max Verstappen bezeichnete das Fahrerlebnis als „Formel E auf Steroiden“, während Lando Norris das Racing als „Chaos“ beschrieb. Esteban Ocon erklärte, er könne nicht immer so fahren, wie er möchte, und Oscar Piastri verglich die Umstellung mit einem „neuen Verdrahten des Gehirns“.
Bortoleto ist dagegen überzeugt, dass genau diese Anpassung an neue Anforderungen von Formel-1-Fahrern erwartet wird. Außerdem bezweifelt er, dass die Herausforderung sinnvoll als bestimmter Fahrstil bezeichnet werden kann.
„Ich glaube nicht, dass ich meine Fahrweise stark verändert habe“, sagte Bortoleto gegenüber Medienvertretern. „Aber ich mag den Ausdruck ‚Fahrstil‘ nicht, weil ein Formel-1-Fahrer meiner Meinung nach niemals so etwas sagen sollte. Wir müssen in der Lage sein, uns anzupassen, auch wenn es sich nicht natürlich anfühlt.“
Der Brasilianer erklärte, dass die Autos von Kurve zu Kurve detailliertere Entscheidungen verlangen. Die Energiebereitstellung kann darüber entscheiden, ob ein Fahrer beim Einlenken stärker pusht oder die Ausfahrt für eine lange Gerade schont, statt über eine komplette Runde hinweg nach einem einheitlichen Muster zu fahren.
Als Beispiel nannte er Spa-Francorchamps. Eine Kurve, in der keine Motorleistung abgerufen wird, könnte einen weiteren und aggressiveren Einlenkpunkt belohnen, weil das Auto beim Herausbeschleunigen nicht denselben Anforderungen ausgesetzt ist.
Das bedeutet nicht, dass die traditionelle Linie „langsam hinein, schnell heraus“ vollständig verschwunden ist. Vielmehr verlangt die neue Generation laut Bortoleto eine größere Variationsbreite und die Bereitschaft, die eigene Technik anzupassen. Er räumte ein, dass dieser Prozess frustrierend sein kann, bezeichnete ihn aber als Teil des Reizes im Motorsport.
Bortoleto wies außerdem die Vorstellung zurück, die Regeln hätten die Qualität der Fahrer ausgelöscht. Die weiterhin starke Wettbewerbsfähigkeit von Verstappen, Lewis Hamilton, Charles Leclerc und Norris zeige, dass etablierte Spitzenfahrer nach wie vor in der Lage seien, Leistung abzuliefern.
„Seht ihr Verstappen langsam?“, fragte er. „Seht ihr einen siebenmaligen Weltmeister, der in diesem Jahr langsam ist? Seht ihr Leclerc langsam? Ich sehe sie nicht langsam.“
Seine Einschätzung passt zum Gesamtbild des aufstrebenden Audi-Projekts, zu dem sich Bortoleto langfristig bekannt hat. Für den 21-Jährigen haben sich durch den Regelwechsel die Anforderungen verändert – nicht jedoch die Rangordnung beim fahrerischen Können.
„Ich glaube nicht, dass wir gesehen haben, wie langsame Fahrer des vergangenen Jahres plötzlich schnell wurden und die schnellen Fahrer langsam; es ist immer noch Racing“, schloss er.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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