Wird geladen
Wird geladen

Die Debatte um die Auspuff-Flügel in der Formel 1 hat sich von einer bloßen Fahrerlager-Spekulation zu einer regulatorischen Gewissheit entwickelt. Die FIA hat das Verbot dieser Flügel für 2027 offiziell gemacht und damit einen aerodynamischen Bereich geschlossen, den die Teams in dieser Saison verstärkt ausgenutzt hatten.
Dieser Schritt folgt auf Diskussionen mit den Teams auf technischer Direktorenebene, nachdem der Weltverband das Risiko eines zunehmend aggressiven Entwicklungswettlaufs erkannt hatte. Obwohl die FIA bestätigte, dass die aktuellen Designs den Regeln entsprachen, war man sich bewusst, dass ein unregulierter Bereich zu einem kostspieligen technischen Wettrüsten führen könnte.
Die Änderung ist Teil eines umfassenderen Regelwerks, das für 2027 Gestalt annimmt. Weitere Hintergründe dazu finden Sie in unserem Leitfaden zu den von der FIA genehmigten F1-Regeländerungen 2027.
Ferrari leistete Pionierarbeit bei dieser Idee durch die spezifische Positionierung von Getriebe und Crash-Struktur, was es ermöglichte, einen Flügel am Ende des Auspuffrohrs zu platzieren. Das Design erzeugt zusätzlichen Abtrieb, indem es die Länge des Diffusors effektiv verlängert und den Luftstrom in Richtung des Heckflügels verbessert.
Die Konkurrenz konnte Ferraris Lösung nicht einfach kopieren, da dies eine erneute Homologation von Fahrzeugteilen erfordert hätte. Stattdessen erkundeten Teams wie Mercedes, McLaren und Red Bull ähnliche Vorteile über einen anderen Teil des Reglements, indem sie die Erlaubnis für eine Auspuff-„Stütze“ nutzten, um flügelartige Elemente zu integrieren.
Diese Gesetzeslücke wird nun geschlossen. Das Reglement für 2027 führt eine neue Ausschlusszone für den Auspuff ein, die verhindert, dass sich irgendein Teil des Autos in einem kreisförmigen Bereich um den Auspuff befindet. Diese Zone ist als 20 mm größer als das Auspuffrohr definiert. Zudem wurden die Regeln, die Auspuff-Stützen erlaubten, vollständig gestrichen.
Der Zeitpunkt des offiziellen Verbots war bemerkenswert, da Ferrari während des ersten Trainings in Österreich erstmals ohne seinen Auspuff-Flügel fuhr. Testfahrer Dino Beganovic führte das Experiment durch. Sein Einsatz im FP1 war bereits als Teil des österreichischen Programms von Ferrari bestätigt worden, wie wir in unserem Bericht über Dino Beganovic, der Charles Leclerc im FP1 beim GP von Österreich ersetzt, erläutert haben.
Der Testlauf diente primär der Datensammlung und nicht einer sofortigen Richtungsänderung. Es wird davon ausgegangen, dass Ferrari prüft, ob der Verzicht auf den Flügel bei Rennen mit weniger Abtrieb im weiteren Saisonverlauf vorteilhaft sein könnte.
Es gibt einen klaren Kompromiss: Der Wegfall des Teils reduziert den Luftwiderstand, verringert aber theoretisch auch den Auspuff-Gegendruck, den es erzeugt. Dieser Gegendruck kostet schätzungsweise etwa 10 kW an Leistung. Für Ferrari bot Österreich daher einen nützlichen, kontrollierten Einblick in das, was man gewinnt – und verliert –, ohne ein Bauteil, das bald aus dem Design-Vokabular der Formel 1 verschwinden wird.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare
Seien Sie der Erste, der Ihre Gedanken teilt!
Beiträge werden geladen...