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Mit einem hart umkämpften zweiten Platz beim Großen Preis von Österreich, bei dem er George Russells Mercedes bis zur Zielflagge unerbittlich unter Druck setzte, lieferte Max Verstappen die bisher überzeugendste Leistung von Red Bull in der Saison 2026.
Dieser Aufschwung auf dem Red Bull Ring war das direkte Ergebnis einer massiven technischen Kraftanstrengung aus Milton Keynes, bei der die mit Spannung erwartete dritte große Evolutionsstufe des RB22-Chassis eingeführt wurde.
Teamchef Laurent Mekies fand nach dem Rennen deutliche Worte: "Wir sind in die Saison mit mehr als einer Sekunde Rückstand gestartet. Das Miami-Paket brachte uns auf eine halbe Sekunde heran, und jetzt scheinen wir innerhalb der letzten Zehntelsekunde zu liegen – wir sind definitiv wieder in Schlagdistanz."
Was genau beinhaltete dieses hocheffektive Upgrade? Um die aerodynamische Philosophie hinter dem neuen RB22 zu verstehen, müssen wir das Auto quasi von hinten betrachten und bei der entscheidenden hinteren Bodenecke anfangen.

Bei der Analyse der neuesten Iteration des RB22 ist die radikal überarbeitete Anordnung der Schlitze direkt vor dem Hinterrad der aufschlussreichste Entwicklungsbereich. Diese spezifische Region hat sich zum härtesten aerodynamischen Schlachtfeld im gesamten Fahrerlager entwickelt.
Das primäre Ziel hierbei ist es, den Luftstrom, der durch und in Richtung des Diffusors strömt, selbst bei zunehmend höheren Bodenfreiheiten am Heck perfekt anliegend zu halten. Im krassen Gegensatz zu den schweren Ground-Effect-Autos des vorherigen Reglement-Zyklus – die den Abtrieb unter dem Boden maximierten, indem sie so flach und steif wie möglich am Boden fuhren – generiert die aktuelle Generation mit flachem Unterboden den maximalen Abtrieb, wenn sie mit deutlichem Rake (Nase tief, Heck hoch) gefahren wird.

Ein hoher Rake-Winkel verwandelt den gesamten Unterboden in einen massiven Venturi-Kanal. Die Luft tritt durch einen schmalen Spalt an der Vorderseite ein und dehnt sich nach hinten in ein größeres Volumen aus, was den Druck drastisch senkt und den Fluss beschleunigt, wodurch das Auto förmlich auf den Asphalt gesaugt wird.
Die Einschränkung dieser High-Rake-Philosophie ist jedoch die Physik. Bei niedrigen Geschwindigkeiten hebt sich das Heck des Autos naturgemäß an, da weniger aerodynamischer Abtrieb die Hinterradaufhängung komprimiert. Wenn das Heck hoch steht und die Luftgeschwindigkeit sinkt, droht der Luftstrom im Diffusor abzureißen oder zu stallen.
Aerodynamiker kämpfen ständig darum, den Luftstrom um den Diffusor dauerhaft zu energetisieren. Red Bulls neu gestaltete Schlitze an der hinteren Ecke sind darauf ausgelegt, intelligent mit der stark verwirbelten, turbulenten Luft zu interagieren, die durch die Rotation des Hinterrads komprimiert wird – ein Phänomen, das als Tyre Squirt bekannt ist. Indem Red Bull diese Schlitze nutzt, um den Tyre Squirt zu kontrollieren, stellt das Team sicher, dass der Luftstrom in den Diffusor robust und konstant bleibt. Dies ermöglicht es dem RB22, mit steileren Rake-Winkeln zu fahren, ohne das Risiko eines unvorhersehbaren aerodynamischen Strömungsabrisses.

Natürlich können die komplexen Bodenschlitze nur funktionieren, wenn sie mit energiereicher Luft versorgt werden. Es gibt nur eine begrenzte Menge an Luftstrom, die manipuliert werden kann, und die Beschleunigung dieses Stroms über den Boden und um die Seitenkästen herum ist das Geheimnis, um die Upgrades am Heck zum Funktionieren zu bringen.
Diese Anforderung ist der alleinige Treiber hinter Red Bulls stark rekonfigurierter Seitenkasten-Geometrie, die auf den entscheidenden Entwicklungssprüngen aufbaut, die wir erstmals mit dem Miami-Upgrade-Paket gesehen haben.
Luftdruck bestimmt die Strömungsrichtung, und Red Bull hat die Druckverteilung entlang der Flanken des RB22 komplett neu bewertet. Die neue Seitenkasten-Architektur zeichnet sich durch einen deutlich aggressiveren, ausgehöhlten Undercut an der Vorderseite aus, gepaart mit weniger Undercut im Mittelteil.

Um diesen extremen vorderen Undercut zu erreichen, musste das Team ein komplett neues Design für den Kühleinlass einführen. Dieser neu geformte Einlass leitet in Kombination mit der neuen Geometrie der Bodenkanten die energiereiche Luft perfekt direkt in den „Coke-Bottle“-Bereich, um jene lebenswichtigen Schlitze an der hinteren Ecke unerbittlich zu speisen.
Die Upgrades enden nicht beim Boden. Das Heck des RB22 verfügt über subtil neu profilierte aerodynamische Verkleidungen, die die hinteren Querlenker umschließen und mit völlig neuen Heckflügel-Pylonen zusammenarbeiten.
Diese neuen Pylone sind merklich breiter als ihre Vorgänger und weisen einen sehr deutlichen, bewussten Knick auf. Im Fahrerlager wird dies weithin als geschickte Ausnutzung der Aero-Elastizität interpretiert.

Bei hohen Geschwindigkeiten auf den Geraden sind diese Pylone wahrscheinlich so konzipiert, dass sie sich innerhalb der strengen, vorgeschriebenen Toleranzen des FIA-Reglements biegen, um wertvollen Luftwiderstand abzubauen. Da die aktuellen Autos höhere statische Bodenfreiheiten benötigen, um optimal zu funktionieren, ist die Nutzung der Aero-Elastizität eine der wenigen verbleibenden Möglichkeiten, einen Vorteil bei der Höchstgeschwindigkeit zu erzielen.
Da das Österreich-Paket exakt wie simuliert funktioniert, hat Red Bull bewiesen, dass ihre Korrelation punktgenau ist. Während sich das Fahrerlager auf die Hochgeschwindigkeitsanforderungen des Großen Preises von Großbritannien vorbereitet, ist der RB22 offiziell wieder in Schlagdistanz zur ersten Startreihe.

Er ist Softwareentwickler und begeisterter Fan der Formel 1 und des Motorsports. Er ist Mitbegründer von Formula Live Pulse, einem Unternehmen, das Live-Telemetriedaten und Renninformationen zugänglich, anschaulich und leicht verständlich macht.
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