Red Bull vor Entwicklungsdilemma nach großer Aufholjagd 2026

Red Bulls Fortschritte haben ihren Preis
Red Bull geht als Viertplatzierter der Konstrukteurswertung in die Formel-1-Sommerpause. Die Position spiegelt jedoch nicht vollständig wider, wie stark sich das Team seit dem Saisonauftakt in Melbourne entwickelt hat.
Daten des Partners Paceteq zeigen, dass Red Bull in Australien und China im Renntempo bis zu 1,3 Sekunden pro Runde auf die absolute Spitze fehlten. Zu diesem Zeitpunkt kämpfte das Team aus Milton Keynes eher mit Haas und Alpine als mit den Spitzenreitern. In den beiden letzten Rennwochenenden vor der Pause war der Rückstand hingegen auf zwei bis drei Zehntelsekunden pro Runde geschrumpft.
Das entspricht einem Zeitgewinn von ungefähr einer Sekunde gegenüber den Führenden. Die Verbesserung erforderte allerdings eine aggressive Entwicklungsoffensive – mit erheblichen finanziellen und strategischen Folgen.
Zwei große Upgrade-Pakete
Red Bull brachte in Miami und Österreich umfangreiche Upgrade-Pakete an die Strecke und überarbeitete sein Aerodynamikkonzept grundlegend. Unter anderem erhielten die Seitenkästen ein völlig anderes Erscheinungsbild. Außerdem arbeitete das Team daran, das Übergewicht des RB22 zu reduzieren.
Der Umfang dieser Bemühungen sorgte im Fahrerlager für Diskussionen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff fragte sich, wie Ferrari scheinbar „unbegrenzte“ Upgrades liefern konnte. Ferrari wiederum deutete an, dass Red Bull in den ersten elf Rennwochenenden möglicherweise sogar noch mehr neue Teile eingeführt habe.
Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies räumt nun ein, dass es in der zweiten Saisonhälfte schwierig werden dürfte, das gleiche Entwicklungstempo beizubehalten. Die Herausforderung hängt unmittelbar mit der Budgetobergrenze der Formel 1 zusammen, die in diesem Jahr bei 215 Millionen US-Dollar liegt.
„Wir haben zwischen Rennen eins und diesem Wochenende eine enorme Menge an Entwicklungen ans Auto gebracht, um das große Defizit, das wir anfangs hatten, so schnell wie möglich zu korrigieren“, sagte Mekies. „Es ist wahrscheinlich schwer vorstellbar, dass wir dieses Tempo beibehalten. Trotzdem müssen wir herausfinden, wie wir diese letzten drei Zehntel am besten schließen können.“
Gerade diese letzten Zehntel sind besonders schwer zu finden, wie Mekies bereits zuvor erklärt hatte – nicht zuletzt, weil auch die Konkurrenz ihre Autos weiterentwickelt. Red Bulls jüngste Qualifying-Probleme in Ungarn zeigen, wie eng die Abstände trotz des allgemeinen Fortschritts weiterhin sind.
Eine andere Balance für die kommende Saison
Das Team muss außerdem entscheiden, wann Ressourcen – darunter die Zeit im Windkanal – vom diesjährigen Auto auf den Wagen für die kommende Saison verlagert werden. Mekies zufolge verfolgt Red Bull dabei einen anderen Ansatz als im vergangenen Jahr. Damals konzentrierte sich das Team vollständig darauf, den Rückstand auf McLaren zu schließen und Max Verstappens Titelkampf zu unterstützen.
Diese Priorisierung wurde später von Technikdirektor Pierre Wache als ein Faktor hinter Red Bulls Schwierigkeiten zu Beginn der Saison 2026 identifiziert. Dieses Mal erwartet Mekies, dass die Umstellung auf das kommende Auto früher erfolgt. Maßgeblich dafür sind die neuen Regularien und der Wille, die Kosten des vergangenen Jahres nicht zu wiederholen.
