Ferrari: Warum Leclerc in Madrid auf den ADUO2-Motor verzichtet

Charles Leclerc wird beim Großen Preis von Spanien nicht mit Ferraris neuester Ausbaustufe der Formel-1-Power-Unit an den Start gehen. Grund dafür sind die Folgen seines heftigen Einschlags am Ausgang der Parabolica in Monza am vergangenen Wochenende.
Die Ingenieure der Scuderia stuften das Triebwerk mit der internen Bezeichnung 067/6, das mit dem zweiten von der FIA genehmigten Modifikationspaket ausgestattet ist, nach ersten externen Überprüfungen zwar als strukturell intakt ein. Dennoch möchte das Team auf dem brandneuen Kurs in Madrid kein unnötiges Risiko eingehen, bevor nicht eine gründlichere Untersuchung abgeschlossen ist.

Hintergrund dieser Entscheidung ist eine eindeutige Vorgabe des Reglements: Ein Motor darf nicht eingesetzt werden, wenn nicht an allen homologierten Komponenten gearbeitet bzw. deren Unversehrtheit lückenlos garantiert werden kann. Von außen ließen sich zwar weder Risse noch Brüche feststellen, Ferrari plant jedoch weitere Röntgenuntersuchungen, um sicherzustellen, dass keine verborgenen Mikroschäden übersehen wurden.
Daher verschiebt Leclerc die Rückkehr der ADUO2-Einheit auf das 1. Freie Training in Baku. In Madrid wird er stattdessen einen ADUO1-Motor einsetzen, während Lewis Hamilton wie geplant mit der neueren Spezifikation antritt. Dies eröffnet Ferrari die Chance, die Leistungsdaten beider Ausbaustufen unter identischen Rennbedingungen direkt miteinander zu vergleichen, ohne Leclercs Motorenpool unnötig zu belasten.

Warum der Schritt in Madrid absolut logisch ist
Die Maßnahme erscheint auf einer Rennstrecke, die ihr Debüt im F1-Kalender feiert, umso nachvollziehbarer. Die Piloten benötigen maximale Fahrzeit auf dem Asphalt, während die Ingenieure wertvolle Daten sammeln müssen, um die richtige Balance zwischen langsamen Passagen und Highspeed-Abschnitten zu finden. Unser Madring-Guide liefert tiefergehende Einblicke in die Herausforderungen, die Teams und Fahrer bei der Premiere in der spanischen Hauptstadt erwarten.
Madrid liegt rund 667 Meter über dem Meeresspiegel – eine Höhenlage ähnlich jener am Red Bull Ring. Davon hätte der im ADUO2-Paket verbaute, größere Turbolader-Kompressor in der dünneren Höhenluft durchaus profitieren können. Doch jeder Defekt in den Freitagstrainings hätte Ferraris gesamte Vorbereitung auf den Grand Prix massiv sabotiert. Vorsicht erweist sich hier als die sportlich klügere Entscheidung.

Ferrari rechnet sich dennoch Chancen aus
Trotz des Dämpfers in Monza reist die Scuderia mit klaren Ambitionen an. Die Charakteristik des SF-26 dürfte Madrid gut liegen: Auf dem Kurs sind mittlerer bis hoher Abtrieb gefragt, und der eher geringe Grip belohnt eine exzellente Traktion am Kurvenausgang. Abtrieb ist hier Trumpf über aerodynamische Effizienz. Zudem bieten die 22 Kurven weitaus mehr Möglichkeiten zur Batterierückgewinnung als der Highspeed-Kurs von Monza, was den Leistungsvorteil der Mercedes-V6-Triebwerke schmälern dürfte.
Sollte das Überholen im Rennen extrem schwierig werden, kommt dem Qualifying eine Schlüsselrolle zu. Verläuft das Wochenende wider Erwarten problematisch, könnte Ferrari für Leclerc noch immer einen frischen ADUO2-Motor aus dem Kontingent nachschieben. Das brächte zwar eine erste Strafversetzung für das fünfte Power-Unit-Element mit sich, würde Leclerc jedoch wertvolle Reserven für den restlichen Saisonverlauf sichern.
