So kann Alex Dunne 2026 doch noch den Formel-2-Titel gewinnen

Alex Dunne ist im Titelkampf der Formel 2 2026 noch dabei. Sein Weg zur Meisterschaft hängt jedoch davon ab, wie viele Rennwochenenden letztlich noch stattfinden. Nach Baku liegt er mit 189 Punkten auf Rang drei – 18 Punkte hinter Spitzenreiter Rafael Câmara und elf hinter Nikola Tsolov. Im aktuellen Kalender stehen weiterhin Katar und Abu Dhabi. Weder eine Absage noch ein Formel-2-Finale in Imola wurden bestätigt.
Dieser Unterschied ist entscheidend. Bei zwei regulären Rennwochenenden gibt es deutlich mehr Punkte zu holen als bei einem einzigen Ersatztermin. In beiden Fällen braucht Dunne mehr als nur ein starkes Ergebnis: Er muss den Fahrern vor ihm den nötigen Punkteabstand abnehmen und zugleich die weiteren Titelkandidaten im Blick behalten, die rechnerisch noch Chancen haben.

Das geplante Saisonfinale in Katar und Abu Dhabi
Der FIA-Kalender der Formel 2 sieht derzeit Katar vom 27. bis 29. November und Abu Dhabi vom 4. bis 6. Dezember vor. An beiden Rennwochenenden ist das übliche Format mit Sprint- und Hauptrennen geplant. Ein Fahrer kann an einem regulären Wochenende maximal 39 Punkte holen: zehn für den Sieg im Sprintrennen, 25 für den Sieg im Hauptrennen, zwei für die Poleposition zum Hauptrennen und jeweils einen Punkt für die schnellste Runde in den beiden Rennen. Punkte für die schnellste Runde gibt es nur für Fahrer, die unter den ersten zehn gewertet werden.
Über zwei Rennwochenenden sind damit theoretisch 78 Punkte für einen Fahrer zu holen. Nach aktuellem Stand müsste Dunne Câmara über beide Wochenenden hinweg um mindestens 19 Punkte übertreffen, um ihn nach Punkten zu überholen. Ein Punkteplus von 18 würde Gleichstand bedeuten; dann würden die Rückrechnungsregeln der Meisterschaft entscheiden, statt Dunne einen eindeutigen Vorsprung zu verschaffen.

Das ist eine anspruchsvolle, aber weiterhin erreichbare Vorgabe. Dunne muss nicht jeden verfügbaren Punkt holen, doch Câmara lediglich die Ergebnisse nachzumachen, würde den Rückstand nicht verkleinern. Ein Sieg oder ein Podestplatz wird besonders wertvoll, wenn der Spitzenreiter ein weniger erfolgreiches Wochenende erlebt. Ebenso wichtig ist es, einen schwachen Punktestand oder eine Strafe zu vermeiden, denn die verbleibenden Chancen sind begrenzt. Für Tsolov gilt dieselbe Rechnung: Dunne liegt elf Punkte hinter ihm und muss den Campos-Piloten um zwölf Punkte übertreffen, um ihn nach Punkten zu überholen.
Das Szenario mit zwei Rennwochenenden gibt Dunne also die Möglichkeit, den Rückstand über mehrere Veranstaltungen hinweg aufzuholen. Ein schwieriges Ergebnis in Katar würde seine Chancen nicht automatisch beenden, sofern er in Abu Dhabi zurückschlagen könnte. Ein starkes erstes Wochenende wiederum könnte beide Rivalen unter Druck setzen. Die Punkte sind allerdings nicht allein den drei Spitzenfahrern vorbehalten. Dunne muss auch die weitere Tabelle beobachten und verhindern, dass ein anderer Titelkandidat zum Saisonende noch stärker aufholt.
Baku zeigte, wie schnell sich die Abstände verschieben können
Dunnes Position nach Baku spiegelt sowohl sein Potenzial als auch die Folgen eines kleinen Fehlers in der Ausführung wider. Er gewann zunächst das erste Hauptrennen und überquerte auch im zweiten Hauptrennen als Erster die Ziellinie. Eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen Überfahrens der weißen Linie an der Boxeneinfahrt warf ihn in der endgültigen Wertung jedoch auf Rang drei zurück und bescherte Câmara den Sieg. Câmaras nachträglicher Sieg in Baku brachte ihn auf 207 Punkte, sieben vor Tsolov mit 200. Dunne kam auf 189.

Das Ergebnis zeigt, warum es im Titelkampf nicht allein auf das maximale Tempo ankommt. Dunne bewies, dass er Rennen gewinnen kann, doch die Strafe veränderte die Punktebilanz und vergrößerte den Rückstand auf den Spitzenreiter. Bei 78 verfügbaren Punkten in den beiden geplanten Schlussrunden ist der Rückstand weiterhin aufzuholen. Ein weiterer ähnlich folgenreicher Punkteverlust würde die Aufgabe jedoch erschweren. Eine fehlerfreie Ausführung ist entscheidend, zumal in mehreren Sessions und Rennen Punkte vergeben werden.
Das ungewöhnlich erweiterte Programm in Baku dient außerdem als hilfreicher Anhaltspunkt für ein anderes, rein hypothetisches Szenario. Bei diesem Rennwochenende gab es zwei Qualifyings und zwei Hauptrennen zusätzlich zum Sprintrennen – statt des üblichen Formats mit einem Sprint- und einem Hauptrennen. Diese Anpassung wurde ausdrücklich für Baku angekündigt und bestätigt keine umfassendere Änderung des Kalenders. Das Baku-Format kann daher lediglich als Grundlage für eine mögliche Beispielrechnung dienen.
Wenn das Finale in Imola im Baku-Format stattfände
Denkbar wäre, dass sowohl Katar als auch Abu Dhabi abgesagt werden und die Formel 2 ihr Saisonfinale in Imola mit demselben Format wie in Baku austrägt: ein Sprintrennen und zwei Hauptrennen. Unter dieser Annahme könnte ein Fahrer an einem Wochenende maximal 67 Punkte erzielen. Diese Summe setzt sich aus zehn Punkten für einen Sprintsieg, je 25 für die Siege in den beiden Hauptrennen, je zwei Punkten für die Poleposition zu beiden Hauptrennen und je einem Punkt für die schnellste Runde in allen drei Rennen zusammen. Um auf 67 Punkte zu kommen, müsste Dunne beide Hauptrennen von der Poleposition starten, alle drei Rennen gewinnen und jeweils die schnellste Runde fahren – und dabei für diese Punkte berechtigt sein.

Mit 18 Punkten Rückstand auf Câmara müsste Dunne ihn bei einem solchen Finale um mindestens 19 Punkte übertreffen, um nach Punkten vor ihm zu liegen. Ein Punkteplus von 18 würde Gleichstand bedeuten, sodass die Rückrechnungsregeln entscheidend wären. Das gilt ebenso für Tsolov und alle anderen Fahrer, die rechnerisch noch den Titel holen können: Câmara zu schlagen, reicht nicht, wenn ein anderer Rivale mehr Punkte sammelt.
Die Höchstmarke von 67 Punkten lässt ein Comeback theoretisch zu. Dass die Rechnung aufgeht, macht es aber weder wahrscheinlich noch sicher. Dunne bräuchte ein äußerst punktreiches Wochenende; zugleich hinge der Titel davon ab, wie seine Rivalen abschneiden. Mehrere Siege und starke Ergebnisse in den Rennen könnten den nötigen Punkteabstand schaffen – insbesondere dann, wenn die Spitzenfahrer weiter hinten landen. Eine bestimmte Ergebniskombination ist durch die Punktestände jedoch nicht garantiert.
Vor allem gilt: Imola wurde nicht als Formel-2-Rennstrecke bestätigt. Im offiziellen Kalender stehen weiterhin Katar und Abu Dhabi. Zeitgenössischen Berichten zufolge wird derzeit nicht damit gerechnet, dass die Formel 2 in Imola fährt – selbst wenn die Formel 1 ihr Saisonfinale dorthin verlegen sollte. Dass Imola als Ausweichoption für das F1-Finale im Gespräch ist, bedeutet nicht, dass die Nachwuchsserie ebenfalls dort antreten würde. Ein Ersatztermin der Formel 2, der Austragungsort und das Rennformat müssten offiziell bestätigt werden.

Eine realistische Chance – abhängig vom Rennkalender
Dunnes Weg zum Titel ist in beiden Szenarien rechnerisch noch offen, doch der Umfang der Aufgabe unterscheidet sich deutlich. Finden Katar und Abu Dhabi wie geplant statt, bleiben ihm zwei reguläre Rennwochenenden mit maximal 78 Punkten, um den Rückstand von 18 Punkten auf Câmara aufzuholen. Würden beide Veranstaltungen abgesagt und durch das hypothetische Imola-Finale im Baku-Format ersetzt, bliebe ihm ein Wochenende mit maximal 67 Punkten. Um Câmara dann eindeutig zu überholen, wäre ein Punkteplus von 19 nötig.
Keine der beiden Rechnungen macht den Titel sicher, und auch die Kalenderfrage ist damit nicht geklärt. Dunne muss seine eigenen Punkte maximieren, kostspielige Fehler vermeiden und sowohl Tsolov als auch Câmara übertreffen. Gleichzeitig bleiben weitere Titelkandidaten relevant. Solange die Verantwortlichen keine Änderung bestätigen, bilden Katar und Abu Dhabi den geplanten Saisonabschluss. Imola ist lediglich ein hypothetisches Szenario für diese Analyse.
