Analyse
Ferraris Ungarn-Desaster legt die fehlende Konstanz des SF-26 offen
Ferrari verpasst in Ungarn trotz theoretischem SF-26-Vorteil das Podium. Strategiefehler und schwankendes Renntempo bremsen Hamilton und Leclerc aus.

Ferraris erwarteter Vorteil verpufft
Ferrari reiste mit einem klaren theoretischen Vorteil zum Hungaroring. Konkurrenten halten den SF-26 für das agilste Chassis der Formel 1 – auch wenn Motor und Aerodynamik nicht als die stärksten im Feld gelten. Dieses Profil hätte Ungarn zu einer natürlichen Chance machen müssen, denn dort zählt die Geschwindigkeit durch langsame Kurven mehr als das reine Tempo auf den Geraden.
Doch weder Lewis Hamilton noch Charles Leclerc schafften es aufs Podium. Lando Norris schlug beide Ferrari im Qualifying und gewann anschließend das Rennen. Hamilton lag auf der Strecke zunächst auf Rang vier, fiel nach einer Fünf-Sekunden-Strafe wegen zu hoher Geschwindigkeit in der Boxengasse jedoch auf Platz fünf zurück. Leclerc wurde Vierter – ein Ergebnis, das deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.

Das Wochenende hatte vielversprechend begonnen. Leclerc fuhr im ersten freien Training die Bestzeit, bevor Hamilton Ferrari in FP2 zu einem Doppelerfolg führte. Norris drehte die Reihenfolge in FP3 und im Qualifying um und verwies Hamilton um gerade einmal 0,012 Sekunden auf den zweiten Platz. Hamiltons anschließende Drei-Plätze-Startstrafe wegen der Behinderung von Oscar Piastris schneller Runde ließ ihn von Rang fünf starten. Der Vorfall wird in Hamiltons Startstrafe für den Ungarn-GP ausführlicher behandelt.
Ausführungsfehler verschärfen Ferraris Schwächen
Hamiltons Rennen geriet früh aus den Fugen. Auf weichen Reifen gelang es ihm zunächst nicht, Max Verstappen zu überholen. Nachdem ihn ein Undercut kurz vor den Red Bull gebracht hatte, verlor er anschließend erneut Boden. Ferrari holte ihn während einer späten virtuellen Safety-Car-Phase an die Box und gab damit die Streckenposition an Verstappen und Mercedes-Fahrer Kimi Antonelli ab. Die bei diesem Stopp aufgezogenen gebrauchten weichen Reifen boten Hamilton nicht genügend Leistung, um die verlorenen Plätze zurückzugewinnen.
Auch der Boxenstopp selbst lief nicht sauber: Hamilton verbremste sich, traf seine Markierungen nicht exakt und verlangsamte dadurch den Reifenwechsel. Anschließend deaktivierte er den Geschwindigkeitsbegrenzer in der Boxengasse einen Bruchteil zu früh. Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur beschrieb das Ergebnis als eine Verkettung mehrerer Fehler.

Leclercs Rennen verlief weniger dramatisch, war aber nicht erfolgreicher. Der von Platz zwei auf weichen Reifen gestartete Monegasse fiel in der ersten Runde hinter Oscar Piastri, Verstappen und Hamilton zurück. Später erklärte er, sein Tempo habe im Qualifying nicht Hamiltons Niveau erreicht. Außerdem habe das Auto während des Rennens zu viele „Höhen und Tiefen“ gezeigt.
Die entscheidende Frage
Keiner der beiden Ferrari-Fahrer hatte einen neuen Satz Medium-Reifen zur Verfügung. Gleichzeitig gilt der SF-26 als besonders reifenschonungsbedürftig, wodurch die weiche Startmischung bei hohen Temperaturen zu einem möglichen Nachteil wurde. Allerdings erwiesen sich Pirellis weiche Reifen als langlebig, sodass diese Erklärung allein nicht ausreicht.

Ferraris größeres Problem ist die fehlende Vorhersehbarkeit. Leclerc merkte an, dass das Team Rennen gewonnen habe, in denen es mit Schwierigkeiten gerechnet hatte – und in Ungarn enttäuscht wurde, obwohl man sich dort besonders stark erwartet hatte. Solange Ferrari keine größere Konstanz zwischen den Rennabschnitten und den einzelnen Wochenenden erreicht, werden die theoretischen Stärken des SF-26 weiterhin durch reaktive Strategieentscheidungen und Fehler bei der Umsetzung zunichtegemacht.
